Darum gehts
- Wiley Maple beendet Anfang Dezember seine Ski-Karriere
- Für den Amerikaner ist es der zweite Rücktritt
- Nach dem ersten Abschied ist er noch einmal zurückgekommen
Anfang Dezember finden in Beaver Creek (USA) die ersten zwei Abfahrten des Winters statt. Für Wiley Maple (36) werden sie besonders – denn sie bilden den Schlusspunkt seiner Karriere.
«Am 4. Dezember werde ich zum letzten Mal bei einer Weltcup-Abfahrt an den Start gehen», verkündet er auf Instagram. Das Kuriose: Für den Amerikaner ist es der zweite Rücktritt. «Normalerweise haben nur die ganz Grossen die Chance, zweimal in den Ruhestand zu gehen», schreibt Maple. «Aber ich schätze, wenn man verrückt genug ist, dürfen das auch Amateure zweimal.»
Vor sieben Jahren hat er wegen anhaltender Rückenprobleme seine Karriere schon einmal beendet. Doch schon bald merkte Maple, der ein Philosophiestudium aufnahm, dass er den Skirennsport vermisst. Er fasste nach einer Operation an der Lendenwirbelsäule die Mission Comeback ins Auge – als Einzelkämpfer, ohne festen Verbandsstatus. Um sich seine zweite Karriere zu finanzieren, nahm er diverse Jobs an und führte eine jährliche Spendenaktion durch.
3280.88 Dollar – für die Flugtickets
Der Lohn: Maple erlebte «die schnellsten Jahre meiner Karriere auf der anderen Seite des Rücktritts». Bei seinem Comeback-Rennen fuhr er 2023 in Bormio (It) auf Rang 12 – bis heute sein Bestresultat. Bisher hat Maple 105 Weltcuprennen bestritten und 19-mal gepunktet. Ein Resultat hebt er besonders hervor: den 19. Platz Anfang Jahr in Kitzbühel (Ö). 300 Millionen Menschen hätten das Rennen verfolgt, das seien locker 200 Millionen mehr als beim Super Bowl.
«Der schnellste Amerikaner an diesem Tag, unter den Top 20 der Welt, gewann 3280.88 Dollar», schreibt Maple und gibt Einblick in die Kosten einer Skikarriere. Er habe diesen Geldsegen nicht etwa für die Anzahlung auf ein Haus verwendet, «denn er hat mir gerade einmal die Flüge dorthin bezahlt». Dennoch sei er sich beim Überqueren der Ziellinie zweier Dinge sicher gewesen: «Dass ich unglaublich viel Spass hatte und diesen Sport verdammt vermissen würde.»
Nun ist die Zeit für den Abschied gekommen. «Der Kampf hat Spass gemacht, aber ab einem gewissen Punkt reicht auch die Liebe dafür nicht mehr aus.» Langweilig wird Maple nach seinem zweiten Rücktritt nicht. Er wird ein weiteres Studium aufnehmen und als Skilehrer arbeiten. Vorher will Maple seine letzten Rennen geniessen und in Beaver Creek «mit Freunden ein Bier trinken».