Darum gehts
- Lara Gut-Behrami spricht ausführlich über ihren Rücktrittsentscheid
- Die Tessinerin ist mit sich im Reinen, auch die Heim-WM war nicht mehr Anreiz genug
- Ihr ist es wichtig, dass sie selber entscheiden konnte und nicht vom Körper zu diesem Schritt gezwungen wurde
Anfang August hat Lara Gut-Behrami (35) die Katze aus dem Sack gelassen und ihren Rücktritt erklärt. Nach ihrem im letzten November erlittenen Kreuzbandriss kehrt sie nicht noch einmal auf die Weltcup-Bühne zurück. Nun hat die Olympiasiegerin (Super-G) und zweifache Weltmeisterin (Riesenslalom und Super-G) erstmals ausführlich über diesen Entscheid gesprochen.
«Seit ich keine Rennen mehr fahre, ist alles deutlich schöner geworden», sagt die Tessinerin im Interview mit dem «Tages-Anzeiger». Sie fühle sich nicht mehr ständig unter Druck, mache sich selbst auch keinen mehr, denn sie müsse nicht mehr liefern und gewinnen.
Geliefert und gewonnen hat Gut-Behrami während ihrer Karriere vieles. Neben den Medaillen an Grossanlässen feierte sie 48 Weltcupsiege, fuhr insgesamt 101-mal aufs Podest und holte neben sechs kleinen auch zweimal die grosse Kugel.
«Bin immer noch derselbe Mensch»
Der Unterschied zwischen dem Leben als Athletin und dem als Ski-Rentnerin sei weniger radikal als erwartet. «Ich bin immer noch derselbe Mensch», meint Gut-Behrami. Vieles sei ähnlich geblieben, etwa Schlafrhythmus oder Essgewohnheiten. Aber sie müsse nicht mehr ständig auf Wetterprognosen achten und könne auch mal bis Mitternacht einen Film schauen. Trotzdem: «Ich trainiere immer noch. Aber es geht nicht mehr darum, wie viel Gewicht ich stemme, sondern darum, was mir guttut.»
Heim-WM kein Anreiz
Darauf angesprochen, dass aus ihrem Umfeld lange zu hören war, dass sie für eine Rückkehr trainiere, meint Gut-Behrami: «Ich machte mir zu Beginn nie wirklich Gedanken über ein Comeback.» Ihr sei es darum gegangen, wieder 100 Prozent gesund zu werden. Erst im Juli, als sie fit genug war für die Rückkehr auf die Ski, habe sie sich gefragt: «Fühlt sich das für mich noch richtig an?» Eine Frage, die sie mit Nein beantwortet hat.
Gleichzeitig betont Gut-Behrami, dass ihr vor allem wichtig war, nicht vom Körper zum Rücktritt gezwungen zu werden. «Die Entscheidung lag in meinen eigenen Händen.» Das Erlebte sei bereichernd gewesen, aber alles, was noch gekommen wäre, würde sich nicht mehr richtig anfühlen. Auch die Heim-WM in Crans-Montana VS war kein Anreiz. «Selbst eine Goldmedaille wäre die Monate nicht wert gewesen, die ich hätte opfern müssen.»
Mit ihrem Entscheid und dem neuen Leben ist sie im Reinen. «Alles wird schwieriger mit dem Alter», resümiert sie. «Ich spürte einfach: Es macht keinen Sinn, dass ich zurückkomme.»