Darum gehts
- Henrik Kristoffersen hätte beinahe die Nation gewechselt
- Anstatt für Norwegen wollte er für Österreich fahren
- Gescheitert ist das Ganze an einer bürokratischen Regel
Nationenwechsel hat es im alpinen Skisport schon einige gegeben. In den vergangenen Jahren haben vor allem zwei Athleten damit für Aufsehen gesorgt. Marcel Hirscher (37) hat sich nach seiner erfolgreichen Karriere als Österreicher für ein Comeback unter holländischer Flagge entschieden, und Lucas Braathen (26) ist nach dem Zerwürfnis mit dem Verband als Norweger zurückgetreten und ein Jahr später für Brasilien startend zurückgekehrt.
Beinahe hätte Norwegen einen weiteren Technikspezialisten verloren. Henrik Kristoffersen (32) hat sich vergangenen Sommer intensiv mit einem Wechsel zu Österreich beschäftigt. Keine zufällige Wahl. Denn er lebt seit rund zehn Jahren in Salzburg und hat dort seine Jugendliebe Tonje geheiratet. Im Sommer sind sie zum zweiten Mal Eltern geworden.
«Ich habe versucht, herauszufinden, ob es möglich wäre, beides zu vereinbaren», verrät Kristoffersen im Podcast «Intervjuet» der norwegischen Zeitung «Dagbladet». Mit Anwälten hat er geprüft, welche Voraussetzungen dafür erfüllt sein müssten. Es habe Spekulationen darüber gegeben, am Ende sei aber nichts passiert. «Das war also gewissermassen kurz bevor wir den Antrag eingereicht haben.»
Nichts gegen Norwegen, aber ...
Letztlich scheiterte es daran, dass in Norwegen Doppelbürgerschaften erlaubt sind, in Österreich allerdings nicht. Hätte Kristoffersen die Nation wechseln wollen, hätte er seine norwegische Staatsbürgerschaft aufgeben müssen. Zu diesem Schritt war er nicht bereit.
«Es ist nicht so, dass ich nicht mehr für Norwegen fahren möchte», meint Kristoffersen. Aber er finde es manchmal unfair, für diese Nation anzutreten. Mit dem Land selbst hat das nichts zu tun, schliesslich sei er dort geboren und aufgewachsen.
Vielmehr liegt dem Ganzen ein jahrelanger Zoff mit dem norwegischen Verband zugrunde. Dieser hat seinen Athleten lange verboten, mit individuellem Helmsponsor zu fahren. Schon 2019 hat Kristoffersen dagegen geklagt – und verloren. Inzwischen hat es für ihn dennoch einen Sieg gegeben. Neu darf er mit persönlichem Sponsor fahren.
Wie lange er das noch tun wird? «Ich habe gesagt, dass 2030 auf jeden Fall mein letztes Jahr sein wird», betont er im Podcast. Möglich ist aber auch ein früheres Karriereende. «Ich habe nicht gesagt, dass ich bis 2030 fahren werde, aber wenn alles gut läuft, werde ich es tun.»