Swiss-Ski schmiss auch 59-jährigen Co-Trainer raus
«An der Party hatte ich den blauen Brief in der Hand»

Nach nur einer Saison entmachtet Swiss-Ski-Speed-Coach Stefan Abplanalp und entlässt Co-Trainer Jvano Nesa. Der langjährige Nachwuchsbetreuer ist gekränkt, weil eine Erklärung dafür ausblieb, und wegen fehlender neuer Chancen – und wechselt zu Ski Valais.
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Keine Zukunft bei Swiss-Ski: Nach fast 20 Jahren wurde Jvano Nesa (r.) gekündigt. Der 59-Jährige hätte gerne weitergemacht.
Foto: keystone-sda.ch

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Swiss-Ski trennt sich von den Trainern Abplanalp und Nesa nach nur einem Winter
  • Nesa erhielt den Entlassungsbrief im März während Hählens letztem Rennen in Italien
  • Nesa war 20 Jahre lang bei Swiss-Ski und trainierte Stars wie Gisin und Holdener
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Mathias GermannReporter Sport

Man strebte Kontinuität an. Und beendete die Zusammenarbeit nach einem Winter. Speed-Gruppentrainer Stefan Abplanalp wurde von Swiss-Ski nach einem Winter entmachtet. Ein Jahr vor der WM. Obwohl die Resultate stimmten, wie Alpin-Direktor Hans Flatscher erklärte. Die Athletinnen hätten gerne weiter mit Abplanalp zusammengearbeitet. Ihre Versuche, ihn doch noch im Team zu halten – in anderer Funktion –, waren nutzlos. Abplanalp wechselt zum Skicross. 

Was Swiss-Ski nicht kommunizierte: Auch Jvano Nesa muss gehen. Mit fast 60 Jahren und nach 20 Jahren beim Verband. Zuletzt fungierte der Tessiner als Co-Trainer der Weltcupmannschaft und kümmerte sich unter anderem um Speed-Aufsteigerin Malorie Blanc (22).

Davor hatte er viele andere Funktionen, kümmerte sich auch um den Nachwuchs. «Ich betreute viele der heutigen Topathletinnen schon im C-Kader. Michelle Gisin (32), Wendy Holdener (33), Corinne Suter (31) und andere. Sie werden nicht mehr ewig fahren. Ich hätte gerne weitergemacht – und sie, glaube ich, auch mit mir», sagt er.

Die Gründe? «Erhielt nie eine klare Antwort»

Die schriftliche Entlassung erhielt Nesa letzten Winter in San Pellegrino (It) im März. Damals fuhr Joana Hählen (34) ihr letztes Weltcuprennen. Nesa war im Wechselbad der Gefühle. «Es gab eine grosse Party, und ich hatte den blauen Brief in der Hand. Das tat sehr weh.»

Doch warum wurde er überhaupt entlassen? «Eine klare Antwort darauf erhielt ich nie. Es hiess nur, die Kommunikation sei nicht gut. Ich glaube aber nicht, dass ich etwas anderes gemacht habe als die 19 Jahre davor.»

Das sagt Swiss-Ski zur Nesa-Entlassung

Warum wurde Jvano Nesa gekündigt? Weshalb war es keine Option, ihn in anderer Form weiterzubeschäftigen – so wie Speed-Gruppentrainer Stefan Abplanalp? Kann Swiss-Ski Nesas Eindruck, es hätten sich neben der Piste zwei Gruppen innerhalb des Trainerteams gebildet, bestätigen? Blick schickte diese Fragen dem Verband. Alpin-Direktor Hans Flatscher läusst sich in der Antwort wie folgt zitieren:

«Wir haben uns nach der umfassenden Saisonanalyse für Veränderungen im Trainerstab des Speed-Teams entschieden. Silvan Epp übernimmt von Stefan Abplanalp den Job des Gruppentrainers, Laurent Praz ersetzt Jvano Nesa. Die Veränderungen erfolgen einerseits mit Blick auf die Heim-WM in Crans-Montana als dem kurzfristigen grossen Ziel, anderseits mit Blick auf die mittelfristige Zukunft und den laufenden Generationenwechsel.»

Und weiter:

«Dass Stef als Cheftrainer des Skicross-Teams und Jvano als Trainer bei Ski Valais dem Schweizer Skisport erhalten bleiben, freut uns sehr. Nachdem er während so vieler Jahre einen wichtigen Beitrag in verschiedenen Swiss-Ski-Rollen vom C-Kader bis zum Weltcup geleistet hat, kehrt Jvano nun zu Ski Valais zurück. Für das System sind solche Transfers von Trainern und Know-how zurück an die Basis enorm wertvoll.»

Ski-Trainer Jvano Nesa (rechts, hier mit Jasmina Suter) wurde von Swiss-Ski entlassen.
keystone-sda.ch

Warum wurde Jvano Nesa gekündigt? Weshalb war es keine Option, ihn in anderer Form weiterzubeschäftigen – so wie Speed-Gruppentrainer Stefan Abplanalp? Kann Swiss-Ski Nesas Eindruck, es hätten sich neben der Piste zwei Gruppen innerhalb des Trainerteams gebildet, bestätigen? Blick schickte diese Fragen dem Verband. Alpin-Direktor Hans Flatscher läusst sich in der Antwort wie folgt zitieren:

«Wir haben uns nach der umfassenden Saisonanalyse für Veränderungen im Trainerstab des Speed-Teams entschieden. Silvan Epp übernimmt von Stefan Abplanalp den Job des Gruppentrainers, Laurent Praz ersetzt Jvano Nesa. Die Veränderungen erfolgen einerseits mit Blick auf die Heim-WM in Crans-Montana als dem kurzfristigen grossen Ziel, anderseits mit Blick auf die mittelfristige Zukunft und den laufenden Generationenwechsel.»

Und weiter:

«Dass Stef als Cheftrainer des Skicross-Teams und Jvano als Trainer bei Ski Valais dem Schweizer Skisport erhalten bleiben, freut uns sehr. Nachdem er während so vieler Jahre einen wichtigen Beitrag in verschiedenen Swiss-Ski-Rollen vom C-Kader bis zum Weltcup geleistet hat, kehrt Jvano nun zu Ski Valais zurück. Für das System sind solche Transfers von Trainern und Know-how zurück an die Basis enorm wertvoll.»

Man spürt: Nesa ist gekränkt. Im Gegensatz zu Abplanalp habe Swiss-Ski keine Optionen für einen Verbleib in anderer Funktion geboten. «Das schmerzt am meisten. Einerseits betont Swiss-Ski immer, dass man das Know-how im System halten möchte. Und dann das.»

«Es gab eine Spaltung innerhalb des Trainerteams»

Wurde Nesa seine enge Bindung zu Abplanalp zum Verhängnis? «Ich weiss es nicht. Aber es gab schon eine Spaltung innerhalb des Trainerteams. Am Berg arbeiteten wir gut zusammen, daneben bildeten sich jedoch zwei Gruppen. Das fand ich schade.»

Nesa beginnt im Sommer einen neuen Job bei Ski Valais. «Ich freue mich, wieder Nachwuchsfahrer ausbilden zu können. Die Entlassung bei Swiss-Ski ist hart. Aber ich hatte es im Verband insgesamt sehr gut und bin auch sehr dankbar dafür.»

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