Ski-Check zum Wochenende
Harsche Kritik für Rennabsagen und ein Kuh-rioser Unfall

Das letzte Rennwochenende vor dem Weltcupfinale ist Geschichte. Wer ein Lebenszeichen sendet, wieso die Rennabsagen für Kritik sorgen und wer der grosse Verlierer ist, erfährst du im Ski-Check.
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Neureuthers Kritik

Während die Abfahrt auf der WM-Piste von 2023 bei strahlendem Sonnenschein durchgeführt werden konnte, sind die beiden Super-Gs in Courchevel (Fr) dem schlechten Wetter zum Opfer gefallen. Weil bereits die Super-Gs in Beaver Creek (USA) und Garmisch (De) abgesagt werden mussten, wird es in diesem Winter höchstens sieben Rennen in dieser Sparte geben. Deutschlands Ski-Papst spricht deshalb kritische Worte bezüglich der Programmgestaltung in Frankreich aus: «Ursprünglich war der erste Super-G in Courchevel ja am Freitag programmiert. Aber aufgrund der schlechten Wettervorhersagen für Samstag und Sonntag wurde die Abfahrt auf den Freitag vorgeschoben. Ich kann das nicht verstehen, weil in diesem Winter ja bereits zwei Super-Gs abgesagt wurden. Es wäre in diesem Fall sportlich fairer gewesen, wenn die Abfahrt für den Super-G geopfert worden wäre.»

Felix Neureuther hat kein Verständnis für die Programmänderung in Frankreich.
Foto: Sven Thomann

Der grosse Verlierer

Die Tatsache, dass sich Marco Odermatt in Courchevel (Fr) den grossen Kristall für den Gesamtweltcup sowie die kleinen Abfahrts- und Super-G-Kugeln gesichert hat, überstrahlt eine grosse Enttäuschung im Schweizer Männer-Team. Franjo von Allmens Zimmerkollege Lars Rösti durfte sich nach dem sechsten Rang bei der Abfahrt in Crans-Montana VS grosse Hoffnungen auf eine Top-25-Klassierung in der Gesamtwertung und der damit verknüpften Teilnahme am Weltcupfinale in Kvitfjell (No) machen. Bis am Freitag fungierte der gelernte Schreiner auf dem 24 Gesamtrang. Doch die Abfahrt in Courchevel ist Rösti total missglückt (Rang 40). Somit beendet der 28-Jährige die Weltcupsaison in der Königsdisziplin auf dem 26 Platz und verpasst die Finalteilnahme um 11 Punkte.

Lars Rösti verpasst das Ticket für die letzten Saisonrennen um 11 Punkte.
Foto: AP

Gnade vor Recht? Zwei Schweizerinnen zittern

Sie verpassten in Are (Sd) die Punkteränge deutlich, haben keinen Jugendbonus mehr und müssen um ihre Zukunft kämpfen: Slalom-Spezialistin Aline Danioth (28) und Riesenslalom-Fahrerin Simone Wild (30). Beide erfüllen die Kriterien von Swiss-Ski für einen Kaderstatus nicht und müssen wohl auf Gnade der Selektionäre hoffen. Während Wild bereits die letzte Saisonvorbereitung auf eigene Faust bestritt, wäre dies für Danioth neu. Viermal riss sie sich das Kreuzband, immer kam die Urnerin zurück. Nun steht auch ihre Ski-Zukunft in den Sternen.

Aline Danioth droht den Kaderstatus zu verlieren.
Foto: Sven Thomann

Das starke Lebenszeichen

Arnaud Boisset wurde vor zwei Jahren als eine der heissesten Weltcup-Aktien gehandelt, als er in einem Winter drei Top-10-Klassierungen und den dritten Rang beim finalen Super-G in Saalbach (Ö) eingefahren hat. Doch im Dezember 2024 stürzte der Walliser in Beaver Creek (USA) böse ab. Bei seinem Crash beim Harrier hat er eine schwere Hirnerschütterung erlitten. Danach sah es zeitweise danach aus, dass Boisset durch den heftigen Schlag auf den Kopf an Reaktionsvermögen eingebüsst hätte – nach weiteren Stürzen in Kitzbühel (Ö) und Crans-Montana VS hat der Salomon-Pilot die letzte Saison abgebrochen. Und in diesem Winter waren Boissets Zeiten so schlecht, dass er zwischenzeitlich in den Europacup degradiert wurde. Seit der Meiringer Marco Kohler in Kitzbühel einen Kreuzbandriss erlitten hat, wird Boisset aber wieder regelmässig im Weltcup eingesetzt. Und auf der technisch anspruchsvollen Abfahrt in Courchevel hat der Speed-Spezialist aus Martigny ein sehr starkes Lebenszeichen abgegeben – Boisset ist mit der Startnummer 36 auf den 13 Rang gefahren!

Arnaud Boisset nach seiner starken Fahrt in Courchevel.
Foto: AP

«Höre auf, mich zu stressen»

Sue Piller (21) ist eine der Schweizer Aufsteigerinnen des Winters. In ihrer ersten Weltcup-Saison holte sie sechsmal Weltcuppunkte, fuhr in Spindlermühle sensationell auf Rang 6 und durfte zu Olympia. Nachdem sie in Are 27. wird, lässt die Riesenslalom-Spezialistin Luft ab. «Die letzten Wochen und Monate durfte ich meinen Traum leben. Dafür bin ich unglaublich dankbar. Aber gleichzeitig habe ich es überhaupt nicht zu schätzen gewusst.» Sie habe zu fest auf die Ergebnisse geschaut. «Ich bin definitiv nicht cool geblieben», so Piller. Dass sie das Weltcupfinale in Lillehammer (No) knapp verpasst hat, schmerzt. Ihr Rezept? «Jetzt höre ich auf, mich zu stressen und fange an, das Leben zu schätzen und mir Zeit und Raum zu geben.»

Sue Piller blickt dankbar auf die letzten Wochen und Monate zurück.
Foto: Zamir Loshi

Kuh-Unfall zwingt Suter zu einer Pause

16, 12 und 16: Das waren die besten Weltcupplatzierungen von Jasmina Suter (30) in diesem Winter. Doch seit Ende Februar ging nichts mehr. Der Grund? Sie verrät ihn auf Instagram: «Kurz vor den Rennen in Andorra wurde ich von einer Kuh am Kopf getroffen.» Dies sei kein Witz, erklärt sie mit einem lachenden Smiley. «Mein Kopf braucht jetzt etwas Zeit, um sich zu erholen, also mache ich eine kleine Pause.» Gut möglich, dass man Suter erst wieder bei den Schweizer Meisterschaften in St. Moritz GR Mitte April am Start sehen wird.

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Plaschys Musterschüler

Der Oberwalliser Giuliano Fux hat sich bei der Junioren-WM im norwegischen Narvik Gold im Slalom Gold erkämpft. Fux hat bei «Ski Valais» die Schule von Slalom-Altmeister und SRF-Experte Didier Plaschy durchlaufen. «Giuliano ist ein begnadeter Skifahrer, der bereits im U-16 Alter mit dem FIS-Riesenslalom-Ski mit dem dreissig Meter Radius gefahren ist, während ein Grossteil seiner Jahrgänger mit den viel leichteren 24 Meterradius-Latten unterwegs war.» Und im Gegensatz zu vielen anderen Ski-Talenten hat Fux kein Sportgymnasium besucht, stattdessen hat er im Betrieb von seinem Vater eine Lehre aus Plattenleger absolviert.

Giuliano Fux jubelt an der Junioren-WM über Slalom-Gold.
Foto: Screenshot FIS TV

Keine Schweizer Kugel

In fünf der letzten sechs Wintern gab es für die Schweizerinnen mindestens eine Kristallkugel. Zuletzt hamsterte Lara Gut-Behrami (34) drei Saisons in Folge mindestens eine. Weil Camille Rast (26) beim Riesenslalom in Are ausscheidet, ist der letzte Funke Hoffnung auf einen Disziplinensieg erloschen. Immerhin: Beim Weltcupfinale sind der Gesamtweltcup, die Abfahrt und der Super-G noch offen.

In den letzten drei Saison ist Lara Gut-Behrami jeweils zu mindestens einer Kugel gefahren.
Foto: Sven Thomann

Kristoffersen führt Gespräche

Wechselt er nach Österreich, oder bleibt er doch in Norwegen? Diese Frage stellen sich seit ein paar Wochen die Fans von Henrik Kristoffersen. Der Edeltechniker aus der Region Oslo, welcher seit rund zehn Jahren im Salzburgerland wohnt, hat Ende Januar nach dem Nachtslalom in Schladming angekündigt, «dass ich in Zukunft Österreicher sein möchte.» Fix ist, dass der 32-Jährige die österreichische Staatsbürgerschaft erhalten wird. Und weil er im Gegensatz zu Norwegen (dort gehört die Werbefläche auf dem Kopf dem Teamsponsor) in Österreich seinen Helm für viel Geld einem persönlichen Sponsor verkaufen könnte, denkt Kristoffersen auch an einen Verbandswechsel. Der Alpinchef der Österreicher hat sich auch schon mit einem norwegischen Kollegen über einen Transfer unterhalten. Gemäss Blick-Informationen führt Kristoffersen aktuell aber auch wieder Gespräche mit dem norwegischen Verband. Falls der Slalom-Weltmeister von 2023 vielleicht doch die Erlaubnis erhält, seinen Kopf selber vermarkten zu können, würde er wohl bis zu seinem Karriereende unter der norwegischen Fahne weiterfahren.

Henrik Kristoffersen führt Gespräche über seine Zukunft.
Foto: keystone-sda.ch

Supertalent trocknet alle ab

In diesem Winter wurde viel von Giada d’Antonio (16, It) gesprochen – zu Recht. Die Tochter einer Kolumbianerin und eines Italieners zeigte bei FIS-Rennen beeindruckende Leistungen. Fast vergessen ging dabei Anna Trocker (17). Dabei zeigt die Südtirolerin, dass sie mindestens ebenso begabt ist. Ihr vorläufiges Meisterstück lieferte sie beim Slalom an der Junioren-WM in Narvik (No) ab. Nachdem sie im Riesenslalom bereits Gold holte, deklassiert sie im Slalom alle. Der zweitplatzierten Leonie Raich (21, Ö) nimmt sie 2,29 Sekunden ab: Die Dritte – Aada Kanto (21, Fi) verliert 3,78 Sekunden. Die Schweizerin Juliette Fournier (18) wird Vierte. Ihr Rückstand: 4,20 Sekunden. Trocker wird damit in Hafjell (No) beim Weltcupfinale in beiden technischen Disziplinen zu sehen sein. «Das ist der schönste Lohn überhaupt», sagt sie.

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Odermatt und Co. geben neben der Piste Gas
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Rennen in Courchevel abgesagt:Odermatt und Co. geben neben der Piste Gas
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