Seine Ex-Frau starb in kanadischer Lawine
Kestenholz-Drama weckt bei Russi böse Erinnerungen

Der Lawinentod von Snowboard-Legende Ueli Kestenholz bewegt auch Bernhard Russi tief. Der Blick-Kolumnist verlor einst seine frühere Frau auf dieselbe tragische Weise.
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Ueli Kestenholz: Die Schweizer Snowboard-Legende wurde nur 50 Jahre alt und hinterlässt seine Frau und zwei Kinder.
Foto: keystone-sda.ch
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Bernhard RussiBlick-Kolumnist

Ueli Kestenholz ist tot! Bei diesen niederschmetternden Worten stockt uns allen der Atem. Bitte, das darf nicht wahr sein. Eine Ohrfeige wie aus dem Nichts an unser Leben. Ein Angriff auf die menschlichen Fähigkeiten, ausgerechnet auf einen der Besten.

Das Leben, die Natur und das Schicksal haben zugeschlagen. Um uns zu zeigen, wie zerbrechlich wir sind? Oder um in Erinnerung zu rufen, dass nicht alles unendlich ist.

Wahrscheinlich haben wir alle irgendwann, irgendwo und irgendwie eine solche niederschmetternde Nachricht erhalten, verdauen und schliesslich akzeptieren müssen.

Meine frühere Frau kehrte nie mehr aus dem kanadischen Schnee zurück

Auch ich. Warum habe ich vor 30 Jahren meiner früheren Frau Michèle geraten, anstelle von Golf-Ferien in Florida nach Kanada zu fliegen, um ihr Element, das ihr Leben bedeutete, im Pulverschnee zu geniessen. Sie machte eine letzte Fahrt. Es war eine zuviel. Sie ist nie mehr zurückgekehrt.

Die Natur, der Berg, das Element Schnee zeigen uns immer wieder, dass sie stärker sind als wir Menschen, auch als unsere Besten.

Leser filmt die Suchaktion nach Ueli Kestenholz (†50)
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Kurz nach der Lawine:Leser filmt die Suchaktion nach Ueli Kestenholz (†50)

Ueli war einer dieser Besten. Draussen in der Natur, oben in den Bergen, im Schnee, auf dem schmalen Grat der Herausforderung, wo das Gelingen nur unweit vom Misslingen entfernt ist.

Ein grossartiger, interessanter, lieber Mensch mit einzigartigen Talenten. Es gab wohl nichts zwischen den Lüften, Bergen und Tälern, das er nicht ausgetestet und weiterentwickelt hat. Ganz nahe an der Kontrolle der Natur und den physikalischen Gesetzen.

Kestenholz sagte unser Speedriding-Projekt dreimal ab

Er überzeugte mich, mit ihm zu «Speedriden». Wir hatten drei Projekte, drei Termine und dreimal hat er gesagt: «nein, heute nicht!» Wir, die wir weiter weg sind, fragen uns: Warum braucht der Mensch solche Grenzerfahrungen?

Ueli tat all das nicht, um zu sterben, sondern um zu leben. Im Wissen, dass die Gefahren überall lauern. So wie der Bergsteiger, der Basejumper, der Taucher oder im eisigen Steilhang: der Abfahrer. Der Mensch, der sich bei Tempo 140 km/h immer aerodynamischer macht, damit Fahren zum Fliegen wird.

Oder wie Ueli, den Berg dort runterzufahren, wo keine Spuren sind. Dort, wo der Mensch am nächsten mit dem Element und der Natur verbunden ist.

Ist es vielleicht auch, weil wir wissen, dass wir das Leben ohnehin nicht kontrollieren können? Und unsere Besuchszeit auf der Welt so gut wie möglich gestalten wollen? Ueli lässt bei uns allen eine Leere zurück, die uns auch zum Durchatmen und Nachdenken animieren soll.


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