Ueli Kestenholz verliert Leben in Lawinenunglück
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Nach aktiver Karriere:Kestenholz fokussierte seither auf Freeriding und Film

Fabien Rohrer über den Tod von Kestenholz (†50)
«Letzte Woche war Ueli noch bei mir zu Hause»

Der Tod von Ueli Kestenholz erschüttert den Schweizer Sport. Die Snowboard-Legenden Fabien Rohrer und Gian Simmen über den tödlichen Unfall ihres Freundes.
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Feuchtfröhliche Ankunft am Flughafen Zürich-Kloten: Ueli Kestenholz (M.) und Gian Simmen (r.) nach der Rückkehr von Nagano (15. Februar 1998).
Foto: KEYSTONE

Darum gehts

  • Snowboard-Pionier Ueli Kestenholz am 11. Januar 2026 bei Lawinenunglück verstorben
  • Olympia 1998: Gold für Simmen, Bronze für Kestenholz in Japan
  • Kestenholz gewann zweimal X-Games-Gold im Boardercross und war Freerider
Die künstliche Intelligenz von Blick lernt noch und macht vielleicht Fehler.
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Daniel LeuStv. Sportchef

Die Schweizer Sport-Szene steht nach dem tragischen Tod von Snowboard-Pionier Ueli Kestenholz (†50) unter Schock. Auch Gian Simmen (48) und Fabien Rohrer (50) können nicht fassen, was am 11. Januar passiert ist.

«Vergangene Woche war Ueli noch bei mir zu Hause», erzählt Rohrer auf Blick-Anfrage, «er holte für seinen Sohn Kai Snowboard-Sachen ab. Als ich wenige Tage später von einem engen Freund erfahren habe, dass Ueli tödlich verunglückt ist, spürte ich nur noch eine grosse Leere in mir. Ich kann bis jetzt nicht fassen, was vorgefallen ist.»

Von Nobodys zu Stars

Wie Rohrer kannte auch Simmen Kestenholz schon seit Jahrzehnten. 1998 an den Olympischen Spielen in Japan ging der Stern der beiden so richtig auf. Simmen gewann damals in der Halfpipe Gold und Kestenholz im Riesenslalom Bronze. Simmen: «Wir reisten als Nobodys nach Nagano und kehrten als Stars zurück.»

Vor allem an die Rückreise in die Schweiz kann sich Simmen noch genau erinnern. «Wir durften das erste Mal in unserem Leben Business Class fliegen und wurden von den Swissair-Angestellten wie Könige behandelt. Unmittelbar nach der Landung in Kloten kam die Stewardess zu uns und sagte: ‹Herr Kestenholz, Herr Simmen, Sie dürfen zuerst aussteigen, die Presse wartet schon auf Sie.› Kaum war die Flugzeugtüre offen, schauten wir in ein gigantisches Blitzlichtgewitter. Mit grossen Augen und Schulter an Schulter liefen wir dann gemeinsam zur Eingangshalle, in der extrem viele Leute auf uns gewartet hatten. So etwas hatten wir zuvor noch nie erlebt.»

Kestenholz, Simmen und Rohrer zählten damals zu der Generation, die Snowboarden in der Schweiz salonfähig gemacht hatte. Simmen: «Wir waren zwar alles Freaks. Doch durch unsere Erfolge wurde der Snowboardsport einer breiteren Öffentlichkeit bekannt.»

Obwohl die drei in unterschiedlichen Disziplinen unterwegs waren, verstanden sie sich auf Anhieb bestens. Rohrer: «Wir Freestyler mochten damals die Alpin-Snowboarder nicht so sehr. Doch mit Ueli war es anders. Er war der Einzige, den wir schon damals akzeptiert haben, weil er auch ein Cooler war.» Simmen ergänzt: «Ueli war eben nicht nur Alpin-Snowboarder. Später gewann er an den X-Games im Boardercross zweimal Gold, und er war auch ein genialer Freerider.»

«Auf ihn konnte man sich stets verlassen»

Auch die eine oder andere legendäre Party haben die drei miteinander gefeiert. «In der Bolgenschanze in Davos gaben wir an den Beachpartys jeweils mächtig Gas», erzählt Simmen, «sagen wir es mal so: Ueli und ich waren nicht ganz unschuldig daran, dass einmal die ganze Schanze unter Wasser stand.»

Nach ihren Karriereenden sind sich die drei immer mal wieder begegnet. Simmen: «Im letzten Winter sind wir gemeinsam im Snowpark Grindelwald ein paar Runden gefahren und führten auf dem Sessellift schöne Gespräche. Das letzte Mal gesehen habe ich Ueli um den Jahreswechsel, ebenfalls in Grindelwald. Da haben wir uns kurz zugewinkt.»

Kestenholz sei ein aussergewöhnlicher Mensch gewesen. «Auf ihn konnte man sich stets verlassen, sowohl als Sportler als auch als Mensch», erzählt Rohrer, «er war eine Kämpfernatur und sehr diszipliniert, einfach ‹en guete Siech›.» Simmen: «Ueli war sehr aufrichtig und ehrlich. Er hat immer etwas gesagt, wenn ihm was nicht gepasst hat, das habe ich sehr geschätzt. Und er hat es geliebt, draussen zu sein, in der Natur und in den Bergen.»

Nun wurde Kestenholz seine Leidenschaft für die Berge zum Verhängnis. Rohrer: «Ueli ging nie unnötige Risiken ein, doch wir waren uns immer bewusst, dass die Fehlertoleranz beim Freeriden sehr klein ist. Die Natur kann einem jederzeit einen Strich durch die Rechnung machen. Genau das ist nun leider bei Ueli passiert.»

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