Darum gehts
- Camille Rast wird beim Olympia-Riesenslalom in Cortina nur Zwölfte
- Gold für Brignone nach schwerem Beinbruch, Shiffrin wird Elfte
- Rast verpasst Medaille um 37 Hundertstel, kritisiert einfache Strecke
Wird Olympia noch zur Liebesbeziehung für Camille Rast (26)? Es sieht nicht so aus. Zumindest nicht an diesem strahlend schönen Sonntag in Cortina. Rast steht im Zielraum. Nicht am Boden zerstört, aber ernüchtert.
Rang 12 im Riesenslalom. Nur Rang 12. Dann sagt sie einen bemerkenswerten Satz: «Ich bin schon froh, wenn Olympia bald vorbei ist», sagt sie.
37 Hundertstel fehlen zur Medaille. Das klingt nach wenig – und ist es im Weltcup oft auch. Doch Olympia ist nicht Weltcup. Die Tofana-Piste taugt für Speedrennen. Für Technik weniger. Der Start liegt tiefer als bei der WM vor fünf Jahren. Statt über den steileren Slalom-Zielhang führt der Kurs in einem weiten Bogen ins Ziel. «Da geht es teilweise bergauf», sagt Julia Scheib (27).
Die Österreicherin spricht Rast aus dem Herzen – und wohl auch Alice Robinson (24, Neus). Die drei gewannen sieben der acht Weltcup-Riesenslaloms. In Cortina gehen sie leer aus: Scheib Fünfte, Robinson Achte. Und eben: Rast Zwölfte.
Brignones nächstes Märchen-Kapitel
Die drei Supertechnikerinnen hätten es lieber anders gehabt. Schwieriger. Auch der Schweizer Frauen-Cheftrainer Beat Tschuor sieht das Problem. Der Hang sei «sehr attraktiv», sagt er. «Aber leider fehlte die nötige Grundpräparation mit dem Wasserbalken. Das hätte den Unterschied machen können», sagt er. Die Folge? «Wir hatten sehr einfachen Schnee.» Das bestätigen die Fahrerinnen.
Christian Höflehner, einst Ski-Profi, heute Rennchef bei Atomic, ordnet ein: «Hang, Kurssetzung, Schneebeschaffenheit – jede Fahrerin mag etwas anderes.» Und schmunzelt: «Für Thea Stjernesund war es heute der beste Hang aller Zeiten.» Die Norwegerin wird Zweite – gemeinsam mit Sara Hector (33).
Gold geht an Federica Brignone (34). Zehn Monate nach einem schweren Beinbruch schreibt sie das nächste Kapitel ihres Comebacks. Rast lobt: «Ich war im Sommer bei Fede. Ihr Bein sah gar nicht gut aus. Sie ging durch die Hölle. Ich freue mich sehr für sie.»
Brignone selbst spricht von einem Wunder, meint aber auch: «Ich würde beide Goldmedaillen eintauschen, wenn mir dafür diese Verletzung erspart geblieben wäre.
Rast will Stock an die Hand kleben
Zurück zu Rasts Olympia-Ambitionen. Auch im Slalom sind die Aussichten gedämpft. «Es ist wie bei einer Juniorinnen-Strecke. Alles flach, alles sehr kurz. 44 Sekunden. Es ist schwer, eine Differenz zu machen.» Experten erwarten ein enges Rennen. Rast sagt: «Schade, dass wir nicht auf dem steileren WM-Hang nebenan fahren. Aber ich werde alles versuchen.»
Ein weiteres Handicap kommt hinzu. Beim freien Fahren blieb sie mit dem rechten Daumen im Schnee hängen. Seither trägt sie eine Stütze. «Ich werde meine Hand an den Stock kleben und versuchen, ihn nicht zu verlieren.»
Was für sie spricht: Die Form stimmt. Und sie weiss, was sie braucht. «Etwas mehr Distanz zwischen den Toren. Rhythmus. Zwischendurch ein Bruch. Mal direkter, dann wieder weniger.» Ihr Trainer Denis Wicki würde das wohl liefern. Ob die Kurssetzer Klaus Mayrhofer (Ö) und Sascha Sorio (Sd) es auch tun, bleibt offen.
8. Olympiarennen ohne Medaille: Shiffrin bleibt aber cool
Übrigens: Superstar Mikaela Shiffrin bleibt ohne erneut Medaille. Es ist ihr achtes Olympiarennen in Serie – sechs in Peking, zwei in Cortina. Sie wird Elfte, sieben Hundertstel vor Rast. Von einem Olympia-Trauma, das ihr manche andichten, will sie nichts wissen. Zumindest sagt sie es nicht. «Ich nehme viel Positives mit. Vor einem Jahr war ich an einem ganz anderen Punkt.»
Und zum angeblich zu einfachen Rennen? Shiffrin bleibt nüchtern: «Natürlich war es technisch nicht so schwierig. Aber am Semmering im Dezember brach die Piste, es war gefährlich. Das hatten wir hier nicht. Und am Ende gewinnen sehr, sehr gute Skifahrerinnen.»
