Es ist eine Geschichte wie aus dem Märchenbuch. Ein aus bescheidenen Verhältnissen stammender Bursche erobert nach dem viel zu frühen Ableben seines Papas im Rekordtempo den Olymp. In diesem Fall handelt es sich jedoch nicht um eine Fabel. Es ist die reale Story von Franjo von Allmen.
Einer, der diese märchenhafte Entwicklung von Anfang an miterlebt hat, ist Beat Gerber aus Därstetten im Simmental. Er hatte auf dem Bau einst mit Franjos Vater zusammengearbeitet. Und weil auch seine Tochter in ihrer Kindheit eine ambitionierte Skifahrerin war, fuhr Gerber zeitweise jeden Sonntag zu einem Jugendrennen im Berner Oberland, bei dem eben auch der Franjo aus Boltigen am Start stand.
«Es war nicht so, dass Franjo mir bei diesen Leki-Cup-Wettkämpfen besonders aufgefallen wäre», erinnert sich Gerber. «Es war zwar schnell erkennbar, dass er eine riesige Freude am Skifahren hat, aber Franjo hat nicht wie einst Beat Feuz jedes Jugendrennen im Bernbiet gewonnen.»
Der Goldjunge mit dem veralteten Velo
Dass dieser von Allmen ein ganz besonderer Bursche ist, hat Gerber erst ein paar Jahre später in einer vom Berner Oberländer Skiverband organisierten Velowoche in der Toskana bemerkt. Gerber erzählt: «Obwohl Franjo am einen oder anderen Abend ordentlich Bier getrunken hatte, zeigte er sich am Morgen danach auf der Bike-Tour in einer beeindruckenden Verfassung. Er war auch koordinativ so gut, dass er locker zwei Kilometer nur auf dem Hinterrad fahrend zurückgelegt hat.»
Und das alles, obwohl von Allmen materialmässig deutlich unterlegen war. Nach dem Tod seines Vaters hatte der Zimmermann-Lehrling kaum Geld. «Er konnte sich kein richtig gutes Fahrrad leisten. Deshalb hat mein Kollege Simon Zmoos mit dem Inhaber von Thömus Veloshop dafür gesorgt, dass Franjo ein anständiges Bike bekommt.»
Die Millionen vom verstorbenen Apotheker
Dass der talentierte, aber ziemlich mittellose Jüngling ab dem 17. Lebensjahr seine Skikarriere überhaupt fortsetzen konnte, war zum einen auf ein Crowdfunding zurückzuführen, das von seiner Heimatgemeinde lanciert wurde. Und Beat Gerber war daran beteiligt, dass von Allmen zusätzliche finanzielle Unterstützung bekommen konnte: «Anlässlich einer Schweizermeisterschaft in St. Moritz fragte ich Annalisa Gerber, für mich die heimliche Swiss-Ski-Chefin, ob sie Franjo von Allmen kennen würde. Als sie Nein sagte, versicherte ich ihr, dass der junge Mann eines Tages richtig gut werden würde. Sie liess sich überzeugen. Danach hat Annalisa mit ihren Stiftungen Franjo stark geholfen.»
Gerber, die langjährige Swiss-Ski-Marketingfrau, verwaltet neben der Pension Schneesport auch die Dr. Heinz Grütter-Jundt Stiftung. «Der 2014 verstorbene Dr. Grütter war ein wohlhabender Apotheker, der in jungen Jahren bei Skirennen gegen den grossen Karl Molitor angetreten war. Als der Schweizer Skirennsport 2005 in einer tiefen Krise steckte, wollte dieser Dr. Grütter mithelfen, dass die Schweiz wieder die Skination Nummer 1 wird.» Mit Grütters Millionen wurde eine Stiftung gegründet, von der auch von Allmen und viele andere junge Ski-Talente enorm profitieren konnten. Nach dem Gewinn der drei Goldmedaillen bei den Olympischen Spielen dürfte von Allmen in finanzieller Hinsicht für sein Leben ausgesorgt haben.
