Darum gehts
Es war ein Paukenschlag: Mit nur einer Stimme Vorsprung (65:64) setzt sich der Liechtensteiner Alexander Ospelt (58) gegen Amtsinhaber Johan Eliasch (64) durch und übernimmt die Führung der FIS.
Die Wahl ist das Ende eines Machtkampfs, der längst ausser Kontrolle geraten war. Im Zentrum: massive Kritik an Eliasch. Auch Superstar Marco Odermatt (28) äusserte im Vorfeld Kritik.
Swiss-Ski hatte Eliasch zuvor offen infrage gestellt, es war gar von finanziellen Warnsignalen die Rede. Die Botschaft der grossen Skinationen war klar: So konnte es nicht weitergehen. Jetzt soll Ospelt aufräumen. Und genau darauf hoffen auch die Schweizer Athleten.
«Es war zu viel Negativität»
Odermatt hat die Wahl mitverfolgt. «Ich glaube, es ist gut, so wie es ist», sagt der fünffache Gesamtweltcupsieger. Mit einem Schmunzeln fügt er aber an: «Auf eine andere Art wäre es vielleicht auch spannend gewesen, wenn es richtig geknallt hätte und eine ganz neue Tour gestartet wäre oder weiss der Gugger was – aber so ist es sicher besser.»
Er lacht. Im Nachhinein klingt es schon fast wieder absurd: Doch die grossen Verbände wie Swiss-Ski und der österreichische Verband hatten bei einem Eliasch-Verbleib tatsächlich damit gedroht, die Flaggschiffe wie Wengen und Kitzbühel aus dem Weltcup zu entfernen und eine eigene Alpin-Meisterschaft zu lancieren.
Vor allem aber brauche es jetzt Stabilität: «In den letzten Jahren war viel zu viel Kritik und Negativität in den Medien. Da etwas Ruhe reinzubringen, wäre schön.»
Der Sport im Zentrum
Auch Riesenslalom-Crack Thomas Tumler (36) begrüsst den Wechsel deutlich, auch wenn er die Entwicklungen nur am Rand verfolgt hat. «Ich bin froh, dass es zu einer Änderung kommt», sagt er. Für ihn ist klar: «Es ist wichtig, dass Alex Ospelt Präsident ist. So sind wir in der richtigen Richtung unterwegs.»
Seine Erwartung an die neue FIS-Führung formuliert er unmissverständlich: Der Sport müsse wieder ins Zentrum. «Die ganze FIS-Familie soll wieder näher zusammenkommen und nicht von grossen Mächten gesteuert werden.»
Auch Odermatt äussert seine Wünsche an Ospelt. «Das Altbewährte soll bewahrt werden. Und trotzdem soll er neue Chancen ausarbeiten, die nachhaltig sind.»
Kein Befürworter von Südamerika
Eine neue Chance wäre beim neuen FIS-Präsidenten Ospelt eine, die den Skisport schon länger begleitet: die Idee eines möglichen Weltcup-Starts in Südamerika. Noch ist das kein konkreter Entscheid, sondern vielmehr ein Vorschlag, der immer wieder diskutiert wird – und auch bei den Athleten angekommen ist.
Marco Odermatt ist sich unsicher. «Ich habe mir das noch nicht im Detail überlegt», sagt er. «Es kann spannend sein, aber es wäre ein riesiger Aufwand so früh in der Saison.» Denn die ersten Rennen wären dann nicht wie gehabt im Oktober, sondern bereits im August oder September. «Wenn wir dort starten, müssten wir praktisch Mai, Juni, Juli schon durchtrainieren. Und der Break während diesen Monaten tut uns eigentlich allen sehr gut. Deshalb bin ich da nicht der grosse Befürworter.»