Darum gehts
- Atle Lie gewinnt die kleine Kristallkugel im Slalom
- An den Olympischen Spielen stapft er nach dem Out im zweiten Lauf in den Wald
- Nun gibts in der Heimat für den Norweger ein Happy End
Die Szene ist um die Welt gegangen. An den Olympischen Spielen scheidet Atle Lie McGrath (25) als Halbzeitführender im Slalom aus. Der Frust sitzt tief. Der Norweger schleudert die Skistöcke weg, entledigt sich seiner Ski und stapft stinksauer in Richtung Wald. Während Loïc Meillard (29) im Ziel Gold bejubelt, ist er am Tiefpunkt.
Neben dem Out muss McGrath in dieser Zeit auch noch einen privaten Schicksalsschlag verdauen. Am Eröffnungstag der Winterspiele verstirbt sein Grossvater. Er hat ihn immer unterstützt und gefördert, plötzlich ist er nicht mehr da. «Ich weiss nicht, wie ich Olympia ohne dich schaffen soll», trauert McGrath auf Instagram. Obwohl es sich so unwichtig anfühlt, startet er. Denn: «Es ist das, was du dir für mich gewünscht hättest.»
Er will seinen Opa stolz machen und wird zur tragischen Figur. Nun gibts für den norwegischen Sympathieträger das grosse Happy End. Er krönt sich zu Hause zum besten Slalomfahrer des Winters. Und wieder gibts eine Szene, die ans Herz geht. McGrath duelliert sich mit seinem Jugendfreund Lucas Pinheiro Braathen (25) um die Kugel. Entschieden wird das Ganze, als der Brasilianer im zweiten Lauf nach wenigen Toren ausscheidet. Als Braathen im Ziel ankommt, umarmen sich die beiden. Und McGrath lässt seine Emotionen raus.
«Alles ist hochgekommen»
Wohl auch, weil es vor der Entscheidung ein Déjà-vu gibt. Denn wie bei Olympia setzt ein französischer Trainer den Kurs. «Alles ist hochgekommen», verrät er gegenüber SRF. Und fügt an, dass er den Olympia-Frust dank Familie und Freunden sowie seinem Mentaltrainer verarbeitet hat. Die letzten Stunden der Saison bezeichnet McGrath als brutal. Umso cooler sei es, dass er nun die Kugel habe. Vor allem, weil er auch im Weltcup dreimal ausscheidet.
Auf der anderen Seite stehen drei Siege. Einen davon feiert er im Januar in Wengen BE. Im Ziel trällert McGrath «W.Nuss vo Bümpliz» und erobert die Fanherzen. Gleichzeitig übernimmt er erstmals in seiner Karriere die Führung in der Slalom-Wertung. Zwischenzeitlich muss er sie wieder an seinen Jugendfreund abtreten, nun haben in Hafjell beide Grund zum Strahlen. «Es ist Wahnsinn, dass wir in der gleichen Saison eine Kugel gewinnen», meint McGrath. Denn Braathen schnappt sich diejenige im Riesenslalom.