Darum gehts
Janine Mächler (21) steht am Slalom-Start. Sie ist fokussiert, freut sich, will endlich losfahren. Doch dann spielt ihr Herz verrückt, hat einen Anfall, pumpt mit über 230 Schlägen pro Minute. «Diese Herzrhythmusstörungen sind mühsam. Der Körper wird extrem beansprucht. Jede Bewegung ist viel strenger», so Mächler.
Ein Rennen mit Herzrasen? Für Mächler war das Realität. Die Anfälle traten nicht bei jedem Wettkampf auf, manchmal auch im Konditionstraining. «Ich hatte schon lange das Gefühl, dass etwas nicht stimmt.» Schliesslich suchte sie einen Arzt auf.
Die Diagnose: gutartige Herzrhythmusstörungen. Lebensgefährlich waren sie nicht. Trotzdem entschied sich Mächler für einen Eingriff. «Ich wollte das Problem lösen – auch mit Blick auf die Zukunft. Wenn ich mal nicht mehr so fit bin wie jetzt, könnte das mit dem Kreislaufsystem schwierig werden.»
«Störungen sollten nicht zurückkommen»
Die Operation dauerte rund eine Stunde. Über eine Vene in der Leiste führten die Ärzte einen Katheter bis zum Herz. Dort lösten sie die Herzrhythmusstörung gezielt aus, um den Ursprung zu finden. Anschliessend verödeten sie das fehlerhafte Gewebe. «Ich war die ganze Zeit wach und konnte alles auf dem Bildschirm mitverfolgen.»
Schon fünf Tage später stand Mächler wieder im Training. Eine Reha brauchte sie nicht. Heute ist die Zürcherin vor allem erleichtert. «Die Störungen sollten nicht mehr zurückkommen.» Und tatsächlich: Das Herz «stolperte», wie sie es nennt, seither kein einziges Mal mehr. «Komisch – ich hatte mich fast schon daran gewöhnt. Aber so ist es natürlich viel schöner.»
Mächler kämpft schon lange mit Rückenproblemen
Nach einem schwierigen Weltcup-Winter ohne Punkte blickt Mächler wieder nach vorne. Auch ihre Rückenprobleme von früher hat sie im Griff – auch wenn sie wohl nie ganz verschwinden werden. «Ich bin sehr fit und kann schmerzfrei in die Vorbereitung starten.»
In der Weltcupgruppe 3 trainiert sie mit den beiden Slalom-Stars Camille Rast (27) und Wendy Holdener (33).
Am 14. November beginnt die neue Saison im finnischen Levi. Dann will Mächler nicht mehr gegen ihr Herz kämpfen – sondern nur noch gegen die Stoppuhr.