Mega-Andrang bei Brignone-Termin in Cortina
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Riesige Italo-Euphorie:Mega-Andrang bei Brignone-Termin in Cortina

Brutale Schmerzen, keine Party
Brignone spricht über das Drama hinter ihrem Gold-Märchen

Nach zwei Goldmedaillen in Cortina feiert Ski-Star Federica Brignone ihren Triumph. Zehn Monate nach ihrem schweren Unfall kämpfte sie sich zurück – jetzt denkt sie ans Verreisen und an die nächste Operation.
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Vorhang auf für Ski-Tigerin Federica Brignone: Einen Tag nach ihrem Riesen-Gold gibt sie Auskunft. Vor allem die italienischen Journalisten kommen in Scharen.
Foto: Sven Thomann

Darum gehts

  • Federica Brignone gibt einen Tag nach ihrem Riesen-Triumph Einblick in ihr Seelenleben
  • Schwere Verletzungen 2025: doppelter Beinbruch und Kreuzbandriss überwunden
  • Goldmedaillen wiegen zusammen 1 kg, Hals schmerzt laut Brignone
Die künstliche Intelligenz von Blick lernt noch und macht vielleicht Fehler.

Wenn man in Italien etwas gut kann, dann das: Champions feiern. «Grazie Tigre» steht auf dem grossen Screen, als Federica Brignone (35) zum Mediengespräch in der Casa Italia erscheint. «Danke, Tigerin».

Die Begrüssung des Moderators? Sie ist eine Huldigung. Da kommt die Ski-Göttin. Die Ausserirdische. Die Unsterbliche. So der Tenor. Pathos pur. Wobei: Wenn eine Überhöhung passt, dann jetzt.

Brignone trägt zwei Goldmedaillen um den Hals. «Die sind zusammen ein Kilo schwer, mein Hals schmerzt bereits», sagt sie. Gold im Super-G, Gold im Riesenslalom. Und dies zehn Monate nach ihrem Horror-Unfall. Die Diagnose damals: Doppelter Schien- und Wadenbeinbruch sowie Kreuzbandriss. «Es ging für mich nur darum, wieder normal laufen zu können. Skifahren war weit weg.» Olympia sowieso.

«Ich habe keine Reha, kein Training, keine Therapie verpasst»

Eine Operation folgte der anderen. «Meine grösste Stärke war, dass ich mein Schicksal akzeptiert habe. Ich habe immer nach vorne geschaut», erzählt sie. Tränen, Schweiss, Rückschläge – aber auch Fortschritte. «Ich habe keine Reha, kein Training, keine Therapie verpasst. Arbeit, nur Arbeit – 24 Stunden am Tag. Aber ich blieb positiv.»

Irgendwann dachte sie doch an Cortina. «Das Unmögliche hat mich motiviert.»

Brignone, die Ski-Tigerin, zeigte in Cortina ihre Krallen. Nun aber ist sie müde. Gefeiert habe sie kaum noch. «Ich bin nicht mehr 18 Jahre alt», sagt sie und schmunzelt. Dann wird Brignone ernst: «Es ist heute kein positiver Tag. Es geht meinem Bein nicht gut. Ich hatte keine Therapie, kein Eis – es war zu viel los.» Ihr Medienbetreuer bringt eine Kartonkiste – Brignone stellt den Fuss drauf. So wird das Bein entlastet.

Brignone will dorthin, wo sie niemand kennt

Und was bringt die Zukunft? Sicher: mindestens eine weitere Operation. Die Schrauben im Schienbein müssen weg. «Aber erst nach der Saison. Der Knochen muss noch zusammenwachsen.» Zum Arzt muss sie trotzdem bald. «Mal schauen, ob was kaputt ging in den letzten Tagen.»

Brignone wird versuchen, die Saison zu Ende zu fahren. Das Weltcupfinale ist ein Ziel. «Aber am liebsten würde ich jetzt verreisen. Ganz weit weg, wo mich niemand kennt.» Sie werde bei Medienanfragen künftig häufiger Nein sagen, betont sie.

Daheim, in La Salle im Aostatal, soll aber alles bleiben wie sonst. «Ich will meine Ruhe haben. Aber auch mit den Menschen reden. So wie vorher, als ich diese Goldmedaillen noch nicht hatte.»

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