Darum gehts
- Alexander Astridge (19) vertritt die Vereinigten Arabischen Emirate bei Olympia
- Er lernte Skifahren in der Halle «Ski Dubai» und trainiert in Italien
- Die Skihalle in Dubai wurde 2005 eröffnet und hat zwei Pisten
Das Lächeln auf dem Gesicht von Alexander «Alex» Astridge (19) ist riesig. Sein Akzent klingt, als käme er aus Cambridge in Grossbritannien. Er ist jedoch Staatsbürger der Vereinigten Arabischen Emirate, in die er mit seinen Eltern als sechsmonatiges Baby eingewandert war. Er lacht, als er den Klang seiner Aussprache erklärt: «Es ist so, dass ich alle meine Schuljahre an einer britischen Schule in Dubai absolviert habe. Aber mein Vater ist Neuseeländer und meine Mutter Italienerin.»
Der Zufall will es also, dass er mit gerade einmal 19 Jahren in seinem Mutterland an seinen ersten Olympischen Spielen teilnehmen wird. «Aber das spielt für mich keine grosse Rolle», sagt er. «Es ist hingegen schön, dass meine Grossmutter mich von Rom aus im Fernsehen sehen kann.» Eine weitere geografische und familiäre Besonderheit von Astridge ist, dass er Verwandte in Klosters GR hat. «Deshalb wollte meine Mutter, dass ich Skifahren lerne, falls ich einmal mit ihnen in den Urlaub fahren sollte», sagt er.
Mit dem Bau der Skihalle in Dubai änderte sich alles
In Bormio gibt es jedoch nur ein Land, dessen Farben er mit Stolz trägt und dessen Flagge er bei der Eröffnungsfeier zeigt: die Vereinigten Arabischen Emirate, die er als Erster bei den Winterspielen vertritt. «Ich bin weiss, aber ich repräsentiere die ganze Nation», sagte er. Teammanager Ibrahim Khadem stimmt zu: «Das ist ein aussergewöhnlicher Moment! Wir sind vor allem hier, um so viel Erfahrung wie möglich zu sammeln, damit wir unser Abenteuer im alpinen Skisport fortsetzen können.»
Der Verbandsmitarbeiter erklärt uns die Geschichte des Sports in seinem Land: «Es gibt drei Generationen», sagt Ibrahim Khadem. «Die erste Generation sind Leute wie ich, die noch nie vom Skifahren gehört haben und es in ihrer Jugend nicht ausprobieren konnten. Die zweite Gruppe ist die, für die es ein Hobby geworden ist. Und, die dritte, die das Glück hat, an Wettkämpfen teilzunehmen.» Teenager Astridge gehört zu den Letzteren.
Für den Skisport in den Vereinigten Arabischen Emiraten gab es einen Schlüsselmoment: den Bau von «Ski Dubai» im Jahr 2005. Die Piste, die in einem Einkaufszentrum liegt, sorgte bei ihrer Eröffnung für viel Aufsehen.
In Italien reifte Astridge zum olympia-fähigen Fahrer
Der spätere Olympiateilnehmer hat dort bereits im Alter von drei Jahren das Skifahren gelernt. «Meine erste Erinnerung kommt zwei Jahre später», erinnert er sich. «Mein Trainer wollte, dass ich mit meinen Skiern den Hang hinaufklettere. Das war zu schwer und ich fing an zu weinen.» Doch dieser Trainer, sein Name ist Mohamed Moulay, ist bis heute an seiner Seite.
Als Bester seines Alters war Astridge gezwungen, ins Exil zu gehen, um seine Entwicklung fortzusetzen. Im Einkaufszentrum gibt es nur zwei Pisten: eine für das Training und eine für den Wettkampf. «Ski Dubai ist auf die kommerzielle Seite des Skisports ausgerichtet», erklärt der junge Athlet. «Ja, es ist unglaublich, dass man an jedem Tag und zu jeder Zeit fahren kann. Aber ich musste dann mit einem italienischen Team in der Lombardei arbeiten.» Die Hälfte des Jahres fährt er Ski, die andere Hälfte ist er in Dubai, um sein Studium an der Universität, International Business Management, fortzusetzen. Dabei trainiert er weiterhin im Einkaufszentrum.
«Die Schneequalität ist besser als anderswo, da es keinen Wind gibt und die Umgebungstemperatur immer bei -4 Grad liegt», wagt Ibrahim Khadem zu behaupten. Sein Olympia-Skifahrer schränkt ein: «Der Schnee ist etwas weicher als in den Bergen, aber er ist eindeutig skifahrbar. Der Beweis dafür ist, dass ich mich für die Olympischen Spiele qualifiziert habe», sagt er lachend.
Als Pionier wird Astridge wahrscheinlich nicht der letzte Vertreter der Vereinigten Arabischen Emirate an den Olympischen Winterspielen sein.