Darum gehts
- Gregor Deschwanden verpasst Medaillen-Doppelpack auf der Grossschanze
- Trotz Glücksbringer von erstem Trainer Herbert Heer – er erinnert sich zurück
- Ex-Teamkollege verrät, wie Deschwanden am morgen jeweis so drauf war
Diesmal war Gregor Deschwanden (34) vorbereitet. Das Material für die Medaillenzeremonie hatte der Luzerner eingepackt. Nach seinem Bronze-Coup am Montagabend stand er ohne passende Kleider da, seine Teamkollegen mussten aushelfen.
Vielleicht hätte er die Ausrüstung erneut zu Hause lassen sollen. Denn auf der Grossschanze verpasste Deschwanden den Medaillen-Doppelpack. Da half auch der besondere Glücksbringer auf dem Tisch seines ersten Trainers Herbert Heer nicht.
Ein grosser Schluck Alkohol
Dieser fieberte von zu Hause aus mit. «Ich habe extra eine spezielle Williams-Schnapsflasche nach vorne genommen», erzählt er lachend. «Da sind Goldplättchen drin. Das musste doch ein gutes Omen sein.» War es für einmal nicht.
Den noch am Montag funktionierte der Schnaps-Trick wunderbar. Als Deschwanden nach dem ersten Durchgang plötzlich auf Medaillenkurs lag, stellte Heer die Flasche vorsorglich auf den Tisch. Als Bronze feststand, wurde angestossen. «Meine Frau und ich haben einen zünftigen Schluck genommen.»
Wie für die ganze Sport-Schweiz kam der Erfolg auch für Heer überraschend. «Ich war überhaupt nicht nervös, weil ich nie damit gerechnet hätte.» Dass Deschwanden dereinst an den Olympischen Spielen eine Medaille gewinnen würde, zeichnete sich in jungen Jahren nicht wirklich ab.
So etwas wie Skispringen in der Turnhalle
Heer erinnert sich an den kleinen Gregor, der bei ihm im Skiclub Horw die Freude an der Bewegung entdeckte. Er begleitete jeweils seine Geschwister, welche zehn und mehr Jahre älter sind. «Gregor ist am Rand herumgeturnt.»
Riesige Freudensprünge machte Deschwanden, als er mit fünf Jahren seinen ersten Pokal gewann. Der Luzerne triumphierte beim «Schwändi Cup», der aus zehn verschiedenen Disziplinen bestand. Geehrt wurde das Kind, welches innerhalb eines Jahres am meisten Fortschritte machte. «Solche Erfolge motivierten Gregor.»
Seine ersten Skisprung-Versuche folgten dann in der Turnhalle. Heer montierte eine Holzbank schräg an der Sprossenwand. Mit einem kleinen Tuch oder Teppich rutschten die Kinder hinunter und mussten so weit wie möglich springen. «Das gefiel Gregor unheimlich gut. Dort entstand wohl seine Skisprung-Begeisterung. Er hatte aber keine aussergewöhnlich starke Sprungkraft.»
Olympia-Held kommt verschlafen ins Training
Diese entwickelte er erst später. Weshalb Weltmeister Andreas Küttel einmal sagte: «Gregor ist eines der grössten Kängurus im Skisprung-Zirkus.» Dabei versuchte sich Deschwanden in seiner Jugend zwischenzeitlich auch als Nordisch Kombinierer. «Doch das mit der Ausdauer war noch nie seins», erklärt Heer.
Deschwanden setzte deshalb voll auf die Karte Skispringen. Dabei profitierte er davon, dass die Wettkämpfe eher gegen Abend stattfinden. «Am Morgen kam er teilweise sehr verschlafen ins Training. Ich bin mir fast sicher, dass er noch keine fünf Minuten wach war», erinnert sich Ex-Teamkollege Dominik Peter lachend.
Ging es in Richtung Wettkampf, kam dann eine Qualität von Deschwanden zum Vorschein, die ihn bis heute auszeichnet. «Während das ganze Team vor Nervosität richtig zappelig war, sass er ganz ruhig da.»
Eltern drückten vor Ort die Daumen
Dank dieser Gelassenheit stellte Deschwanden im zweiten Durchgang einen Schanzenrekord auf. Was ihm die Bronzemedaille einbrachte. Nach diesem historischen Erfolg warteten alle gespannt, was er auf der Grossschanze zeigen würde.
Seine Eltern drückten ihm vor Ort die Daumen. Die grossartige Leistung vom Montag konnte Deschwanden aber nicht wiederholen. «Es waren zwei solide Sprünge. Doch das reicht auf diesem Niveau einfach nicht», sagt der 13. Platzierte. Trotzdem gehört der Luzerner zu den grossen Gewinnern dieser Olympischen Spiele.
