Hier springt Deschwanden zu olympischem Bronze
0:32
Inklusive Schanzenrekord:Hier springt Deschwanden zu olympischem Bronze

800 Kilometer bei Nacht und Nebel
Die verrückte Story hinter Deschwandens Bronze-Coup

Sein Olympia-Märchen verdankt Gregor Deschwanden seinem Servicemann. Dieser fuhr stundenlang Auto bei schlechter Sicht, damit der Schweizer die perfekten Ski an den Füssen hatte.
Kommentieren
1/5
Gregor Deschwanden hat es geschafft. Der Schweizer sicherte sich seine erste Olympia-Medaille.
Foto: Keystone

Darum gehts

  • Gregor Deschwanden sprang dank speziellen Ski zu Olympia-Bronze
  • Wachsmann Björn Schneider holte diese extra aus Norddeutschland
  • Er schlief nur drei Stunden auf der 800 Kilometer langen fahrt
Die künstliche Intelligenz von Blick lernt noch und macht vielleicht Fehler.
RMS_Portrait_AUTOR_1051.JPG
Nicola AbtReporter Sport

Servicemann Björn Schneider hält sich lieber im Hintergrund auf. In seiner Box, umgeben von eingespannten Skisprungski und unzähligen Dosen Wachs, fühlt er sich am wohlsten. Im Olympia-Märchen von Gregor Deschwanden (34) spielt er jedoch eine so entscheidende Rolle, dass er für einmal ins Rampenlicht gehört.

Denn nach dem ersten Training in Predazzo kam im Schweizer Team kurzzeitig Hektik auf. Trainer Martin Künzle rief Schneider an und wollte wissen, ob ein bestimmtes Paar Ski vor Ort sei.

«Mein Sperrbildschirm ist mein Lebensmotto»
1:49
Das verrät Ragettlis Handy:«Mein Sperrbildschirm ist mein Lebensmotto»

Der Deutsche musste ihn enttäuschen. «Der ist bei mir zu Hause. Schliesslich können wir nicht jeden Ski immer mitnehmen», so seine Antwort. Damit hätte die Sache erledigt sein können. Doch Schneider tickt anders.

Die Schweizer sind die Tempo-Könige

Der Servicemann setzte sich noch am selben Tag ins Auto und fuhr los in Richtung Deutschland. Hin und zurück waren das läppische 800 Kilometer. Erschwerend kamen Regen, Nebel und Stau hinzu. «Es war eine strenge Fahrt», erklärt Schneider. Zwischendurch legte er eine kurze Pause ein. Drei Stunden Schlaf mussten reichen. Dann ging es wieder weiter. Und das alles für ein Paar Ski.

Warum dieser ganze Aufwand? «Dieses Modell war etwas anders gebaut», erklärt er. Mehr gibt Schneider nicht preis. Er hat sein Handwerk im Langlaufzirkus gelernt und behält seine Erfolgsrezepte für sich. «Das ist Top Secret!» Was auch immer Schneider tut, es scheint zu funktionieren.

So schnell wie Felix Trunz (19) und Deschwanden raste niemand auf den Schanzentisch zu. Der Schweizer Teamleader segelte mit den neuen Ski an den Füssen zum Schanzenrekord. Die nächtliche Autofahrt, der Schlafmangel und die Strapazen waren vergessen. «Ich bin einfach nur überglücklich.»

Cheftrainer will jetzt noch mehr

Als die Bronzemedaille feststand, verlor selbst der sonst so kontrollierte Schneider kurz die Fassung. «Mir kamen die Tränen. Es war ein unglaublicher Moment. Schön zu sehen, dass wir für unsere Arbeit belohnt wurden.» Dann schiebt er mit einem Lächeln nach: «Jetzt gibt es sicher ein kleines Bierchen.»

Auch Cheftrainer Bine Norcic dürfte noch ein wenig gefeiert haben. Der Slowene umarmt alle, die in Griffweite sind. «Jetzt holen wir auch auf der Grossschanze noch eine Medaille», sagt er mit leuchtenden Augen. Das passende Material dazu haben die Schweizer ganz bestimmt.

In diesem Artikel erwähnt
Was sagst du dazu?
Heiss diskutiert
    Meistgelesen