Darum gehts
- Adelboden erlebt am 9. Januar einen stillen nationalen Trauertag
- Um 14 Uhr hielt das Dorf für eine Gedenkminute inne
- Soldaten arbeiten die ganze Nacht, Schneemassen werden ununterbrochen abtransportiert
Wo sonst Partystimmung herrscht, liegt am Freitag eine ungewohnte Ruhe über Adelboden BE. Einen Tag vor dem grossen Ski-Wochenende herrscht sonst ausgelassene Vorfreude auf die Skistars. Diesmal ist das Weltcupdorf fast menschenleer, die Stände bleiben wegen des Trauertags geschlossen. Statt vielen Fans sind vor allem Helfer und Arbeiter unterwegs, die sich auf die Rennen vorbereiten.
Am Chuenisbärgli wird pausenlos Schnee weggeführt, Pistenmaschinen drehen Runde um Runde. Ein Angehöriger der Armee schildert gegenüber Blick, dass die Armee die ganze Nacht im Einsatz stehen wird, um die Strecke rennbereit zu halten. Aber auch diese Arbeit ruht am Freitag kurz.
Eine Minute, in der alles stillsteht
Um Punkt 14 Uhr hält das Dorf wie die ganze Schweiz inne. Für eine Gedenkminute steht alles still, nur die Kirchenglocken sind zu hören. Auch die wenigen Gäste, die sich in Adelboden aufhalten, nehmen sich diesen Moment. «Wir waren im Hotel und sind kurz ruhig geworden», sagen Fans gegenüber Blick. «Das gehört heute einfach dazu.» Viele versuchen, das Beste aus der Situation zu machen. «Wir sind seit Jahren hier, wir kennen Adelboden BE bei jedem Wetter und in jeder Lage», sagen sie. «Heute ist anders, aber wir gehen respektvoll damit um.»
Den ganzen Tag über bleibt die Stimmung zurückhaltend. Es ist kalt, immer wieder setzt Schneefall ein, zwischendurch kämpft sich die Sonne kurz durch die Wolken. Touristenbusse fehlen, Musik aus den Bars ist keine zu hören. Wer unterwegs ist, spricht leise, bleibt kurz stehen, schaut Richtung Berg, wo die Vorbereitungen ununterbrochen weiterlaufen. «Man merkt, dass die Leute verstanden haben, dass heute kein normaler Weltcup-Tag ist», ist von mehreren Seiten zu hören.
Wenn der Gedanke an zu Hause nahegeht
Besonders emotional wird es bei einer Helferin. Als sie auf den Tag angesprochen wird, stockt kurz die Stimme. «Ich habe zwei Kinder zu Hause», sagt sie. «Der Vorfall geht einem schon nahe.» Trotzdem ist sie froh, hier zu sein und ihren Beitrag zu leisten. Die Arbeit im Hintergrund des Grossevents helfe auch, die Gedanken etwas zu ordnen.
Ein Ort für Ruhe und Gedanken
Einen wichtigen Raum nimmt an diesem Tag die Kapelle im Boden, nahe beim Zielbereich, ein. Dort wurde ein Ort der Stille eingerichtet, mit Kerzen, gedämpftem Licht und Sitzplätzen. Ein Seelsorge-Team ist vor Ort, spricht mit Gästen, bietet Getränke an, hört zu. In einem Raum unten im Keller liegt ein Gedenkbuch auf, in das Besucherinnen und Besucher Botschaften für die Angehörigen der Opfer von Crans-Montana schreiben können. Der Raum wird immer wieder aufgesucht. Leise, ohne Hektik. Das Angebot bleibt das ganze Rennwochenende bestehen.
Arbeiten am Berg, Stille im Dorf
Während unten im Dorf die Ruhe dominiert, läuft oben am Chuenisbärgli der Betrieb weiter. Schnee wird abtransportiert, Netze kontrolliert, Infrastruktur vorbereitet. Die Helfer arbeiten konzentriert, fast geräuschlos. Adelboden wirkt an diesem Freitag wie zweigeteilt: oben volle Einsatzbereitschaft, unten nachdenkliche Stille.