Pistencrew kämpft für Top-Bedingungen
Am Chuenisbärgli droht wieder ein Wetter-Chaos

Dreieinhalb Tage vor dem Weltcup-Riesen am Chuenisbärgli leistet die Pisten-Crew einen riesigen Effort. Und doch stehen die Adelbodner vor gröberen Problemen.
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Deutschlands Ski-Papst Felix Neureuther hat zuletzt den neuen FIS-Trend, Weltcuppisten mit weniger Wasser zu präparieren, kritisiert.
Foto: Sven Thomann

Darum gehts

  • FIS-Trend zu weniger mit Wasser präparierten Pisten sorgt für Kontroversen
  • Adelbodner ignorieren Trend und setzen auf bewährte harte Pisten
  • Wetterprognosen sagen für 10. Januar 2026 viel Neuschnee voraus
Die künstliche Intelligenz von Blick lernt noch und macht vielleicht Fehler.
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Marcel W. PerrenSki-Reporter

Der neuste FIS-Trend löst die grösste Kontroverse im Olympia-Winter aus: Dass die Entscheidungsträger des internationalen Ski-Verbands die Weltcuppisten mit weniger Wasser präparieren wollen, findet der ehemalige Kitzbühel- und Adelboden-Triumphator Hans Knauss (Ö, 54) gut. «Wenn die Rennstrecken weniger Eis beinhalten, werden die Athleten und ihre Servicemänner ihr Material weniger aggressiv abstimmen. Die erfreuliche Folge davon könnte sein, dass es weniger schwere Stürze gibt.»

Deutschlands Ski-Papst Felix Neureuther (41, 13 Weltcupsiege) sieht das ganz anders: «Beim Weltcupslalom der Frauen am Semmering (Ö) hat es übermässig viele Ausfälle gegeben, weil die Strecke mit zu wenig Wasser präpariert wurde. Der Grundstock war so schlecht, dass die Piste eingebrochen ist, als es ein paar Tage vor dem Rennstart ordentlich Neuschnee gegeben hat.»

Adelbodner bleiben ihrer Linie treu

Toni Hari, der seit drei Jahrzehnten am Adelbodner Chuenisbärgli als Pistenchef tätig ist, hat den unrühmlichen Slalom am österreichischen Semmering im TV gesehen. «In Adelboden haben wir logischerweise den Anspruch, dass wir bei unseren Weltcuprennen eine sehr viel bessere Piste haben werden als am Semmering», hält Hari fest.

Deshalb lässt sich der Bergbauer bei der Präparation am Chuneisbärgli trotz des neuen FIS-Trends nicht von seiner bisherigen Linie abbringen. Hari hat auch in diesem Winter so viel Wasser eingesetzt, bis die Piste mit dem steilen Zielhang richtig hart und kompakt war. Der Österreicher Christian Höflehener, der früher Hermann Maier trainiert hat und heute als Rennchef agiert, freut sich über die Linientreue von Hari und seiner Pistencrew. «In Adelboden haben wir in den letzten Jahren ausnahmslos eine Top-Piste vorgefunden, obwohl es oft viel zu warm war und kaum Schnee hatte.»

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Höflehner lobt die Arbeit der Berner Oberländer noch weiter: «Die Adelbodner bringen für die Pistenpräparation ein gigantisches Know-How mit. Deshalb finde ich es super, dass sie sich von niemanden beeinflussen lassen und an ihrem Konzept festhalten.»

Besorgniserregende Prognosen

Obwohl sich die Rennstrecke am Chuenisbärgli wenige Tage vor dem am Samstag angesetzten Riesenslalom in einem Top-Zustand präsentiert, sind die Adelbodner alles andere als sorgenfrei. Der Grund: Die Meteorologen sagen fürs Wochenende sehr viel Neuschnee voraus

Im Vorjahr wurde das Programm aufgrund der Wetterprognosen umgedreht. Der Slalom wurde auf den Samstag vorverlegt, der Riesen wurde auf den Sonntag verschoben, weil die Sicht im oberen Abschnitt am Vortag zu schlecht gewesen wäre. Drängt sich dieses Szenario auch in diesem Jahr auf? Swiss-Ski-Cheftrainer Tom Stauffer glaubt derzeit nicht daran: «Der aktuelle Wetterbericht sagt für den Sonntag noch mehr Schnee voraus als für den Samstag. Somit würde eine Programmänderung momentan überhaupt keinen Sinn machen.»

Freitagsprogramm abgesagt

Bereits am Dienstag gibt das Renn-OK ein Änderung des Programms am Freitag bekannt. Die hat aber nichts mit dem Wetter zu tun, sondern mit der Tragödie in Crans-Montana, bei der über 40 Menschen ihr Leben verloren. Bundespräsident Guy Parmelin hat am Freitag einen Nationalen Trauertag ausgerufen, daran wird sich auch Adelboden beteiligen. «Ski Weltcup Adelboden zeigt sich tief betroffen vom Unglück in Crans-Montana», schreibt das OK auf Instagram. Der Trauertag stehe im Zeichen der Anteilnahme, daher entfalle das Programm, schreiben sie weiter. 

«An den Renntagen liegt der Fokus auf dem Skisport, inklusive dem geplanten Rahmenprogramm – mit Momenten des Gedenkens und des Zusammenhalts», wird das Statement abgeschlossen. 

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