Darum gehts
- Berner Oberländer Skiwochen beginnen nach Trauertag für Crans-Montana-Opfer am 8. Januar
- Adelboden verzichtet auf Party-Programm, gedenkt Opfer würdevoll mit Stille
- Skiwochen versammeln jährlich Tausende, Tradition und Gemeinschaft im Fokus
Tag 1 nach dem nationalen Trauertag für die Opfer von Crans-Montana ist gleichzeitig der Auftakt zu den Berner Oberländer Skiwochen. Müssen Schweizer Ski-Fans nun ein schlechtes Gewissen haben, wenn sie diese Woche in Adelboden und nächste Woche in Wengen feiern, lachen und das Leben geniessen – so kurz nach der schlimmen Feuer-Tragödie im Wallis?
Müssen sie nicht. Trauer und Lebensfreude schliessen sich nicht aus. Sie existieren nebeneinander. Wer den Verstorbenen Respekt zollt, innehält, Anteilnahme zeigt, darf trotzdem weiteratmen, weiterleben, weitermachen. Sport war immer schon auch ein Ventil für Emotionen, ein Treffpunkt für Gemeinschaft, ein Ort, wo Sorgen für Stunden leiser werden.
Adelboden und Wengen stehen für Tradition, für Wintersport, für Zusammenhalt. Auch für Familien, Freunde, Generationen, die sich Jahr für Jahr an der Strecke und im Zielraum treffen. Wenn dort Fahnen wehen, Kuhglocken läuten und Menschen jubeln, ist das kein Zeichen von Vergessen oder Gleichgültigkeit. Es ist ein Zeichen von Normalität – und Normalität ist nach Tragödien kein Verrat, sondern ein Bedürfnis.
Das Leben geht weiter, ob wir wollen oder nicht. Und es sei auch festgehalten: Die Adelbodner haben am Freitag ein starkes Zeichen gesetzt und auf das übliche Party-Programm verzichtet, um in Würde der Verstorbenen und Verletzten zu gedenken.
Gerade in schweren Zeiten darf Sport verbinden, Kraft geben und Hoffnung spenden. Feiern in Wengen und Adelboden heisst nicht, Crans-Montana zu verdrängen. Es heisst, dem Leben die Stirn zu bieten.