Darum gehts
- Werner Schlegel schildert seine Probleme im ESAF-Schlussgang
- Der Toggenburger zeigte sich überrascht vom Verhalten seines Gegners
- Vor dem grossen Finale machte Schlegel seinen Freund Ott mächtig stolz
Bis heute blieb eine Frage rund ums ESAF unbeantwortet. Fans und Experten rätseln noch immer, warum im Schlussgang nicht offensiver gekämpft wurde. Dank des Gestellten krönte sich Armon Orlik (30) zum Schwingerkönig. Etwas mehr als ein halbes Jahr später liefert Schlussgänger Werner Schlegel Antworten.
Der Toggenburger verweist dabei auf die vielen gemeinsamen Trainingsstunden mit Samuel Giger (28). Zudem standen sie sich zwei Wochen vor dem ESAF im Schwägalp-Schlussgang gegenüber. Auch dieser Kampf endete ohne Resultat. «Sämi weiss bei jeder kleinsten Bewegung von mir, was kommt, und umgekehrt», erklärt Schlegel. Und trotzdem hat ihn etwas überrascht.
Freund verzweifelte am Platzrand
Seine Taktik bestand nämlich im Grundsatz darin, erst einmal abzuwarten. Diese passive Art passt eigentlich so gar nicht zu Schlegel. Sie wäre aber wohl aufgegangen, wenn Giger mitgespielt hätte.
Ein unüberlegter Angriff, und der gelernte Zimmermann wäre für einen Konter bereit gewesen. Doch diesen Gefallen tat ihm der Unspunnen-Sieger nicht. «Ich dachte, Sämi würde etwas offensiver kämpfen.»
Das Umschalten in den kompromisslosen Angriffsmodus gelang Schlegel während des Ganges dann nicht mehr. «Ich hätte mehr machen müssen», zeigt sich der neunfache Kranzfestsieger selbstkritisch.
Während Schlegel im Sägemehl nach Lösungen suchte, verzweifelte sein guter Freund Damian Ott am Platzrand. «Ich war brutal nervös. Es ging mir nicht gut», sagt der Kilchberger-Sieger.
Ott von Schlegel-Frage überrascht
Einige Minuten zuvor durfte er mit Schlegel in die Arena einlaufen. «Für mich war das eine riesige Ehre, und es machte mich sehr stolz. Damit hätte ich nicht gerechnet», erklärt Ott. Denn obwohl sich die beiden seit Teenager-Jahren kennen, ging am ESAF jeder seinen eigenen Weg.
Nachdem sich Ott den begehrten Kranz gesichert hatte, fragte ihn Schlegel, ob er ihn zum Sägemehlring begleiten würde. Jeder Schlussgang-Teilnehmer durfte jemanden auswählen. «Ich wollte eine sehr vertraute Person an meiner Seite und am Platzrand», erklärt Schlegel.
Schnell einmal abgehakt
Gemeinsam marschierten sie in die mit 56'500 Menschen gefüllte Arena ein. Die Route kannte Schlegel bereits, doch dieses Mal waren alle Augen auf den Schlussgang-Teilnehmer gerichtet. Sonderlich beeindruckt hat das Schlegel aber nicht. «Ich dachte, die Kulisse wirkt noch einmal mehr auf einen ein. Es war nicht so intensiv, wie ich es mir vorgestellt hatte.»
Auch der Ausgang des Schlussgangs entsprach nicht seiner Vorstellung. «Ich mag es Armon gönnen, aber klar hätte ich den Titel lieber selbst gewonnen.» Lange trauerte Schlegel dieser verpassten Chance jedoch nicht nach. «Ich habe mir den Schlussgang noch einmal angesehen, aber nicht wochenlang analysiert.»
Zeit zum Grübeln blieb dann auch fast keine. Nach den Empfängen flog Schlegel mit mehreren Schwingkollegen in die USA. Mit an Bord sass natürlich auch Kollege Ott.