Darum gehts
- Armon Orlik stellt den Schlussgang – verliert aber das Fest
- Der Schwingerkönig traf nach elf Jahren wieder einmal auf seinen Bruder
- Weil Curdin einen Vorsprung hatte, gewann er das Schwingfest
Es ist nur ein Rangschwingfest. Es gibt keine Kränze. Ein gestellter Schlussgang ist also eigentlich halb so wild. Könnte man meinen. Doch wenn man Schwingerkönig Armon Orlik (30) nach dem verpassten Sieg am Bündner Frühjahresschwingfest beobachtete, erhielt man einen völlig anderen Eindruck.
Wie bereits im ersten gestellten Gang duellierte sich der Titelträger auch im finalen Kampf des Tages mit seinem Bruder Curdin (33), der für die Berner schwingt. Ganze elf Jahre mussten die Schwing-Fans auf dieses Duell warten. Für diese speziellen Momente waren mehrere Orlik-Familienmitglieder nach Untervaz GR angereist.
Taktischer Vorteil bei Curdin
Allen voran Mutter Helena, welche die Kämpfe ihrer Söhne aus einigen Metern Entfernung verfolgte. «Das war etwas ganz besonders», erzählte sie. Eine riesige Anspannung verspürte die Mitte-Politikerin jedoch nicht. «Vor drei Jahren wäre ich noch deutlich nervöser gewesen. Mittlerweile habe ich ein noch viel grösseres Vertrauen in meine Söhne.»
Zur Beruhigung des Pulses trug sicherlich auch die Ausgangslage vor dem Schlussgang bei. Denn egal, wie es ausgehen würde, der Sieg war der Familie Orlik sicher. Weil Curdin einen Vorsprung hatte, reichte ihm ein Gestellter zum Sieg.
Entsprechend zurückhaltend ging er in den Schlussgang. «Ich wollte keinen Fehler machen», erklärte er. Für ihn wie auch für Armon sei das Aufeinandertreffen etwas Besonderes gewesen.
Wunsch der Mutter wurde erfüllt
Während Curdin sich gerne daran zurückerinnern wird, dürfte Armon dies mit etwas Wehmut tun. Nach dem Schlussgang zog er sich die Kappe tief ins Gesicht, stapfte kommentarlos in Richtung Garderobe und verschwand. Der König war richtig angefressen. Was für seinen riesigen Ehrgeiz spricht.
Einige Minuten später kehrte Orlik auf den Festplatz zurück. «Man will nie als Verlierer vom Platz und gegen den Bruder noch einmal weniger», erklärte er seine Reaktion. Diesen Sieg wollte Orlik auch deshalb so fest, weil sein Schwingklub den Wettkampf organisierte.
Gründe fand er unter anderem bei den fehlenden Maximalnoten. Abschliessend meinte er: «Heute war nicht mein bester Tag.» Mutter Helena war trotzdem stolz. Zudem hat sich ihr Wunsch erfüllt. «Ich hoffte, dass sich niemand verletzt.» Deshalb reiste sie zufrieden nach Hause. Im Gegensatz zu ihrem Sohn Armon.