Darum gehts
- Schwinger und Geschichtsstudent Marius Frank ist ein Fan der Römer
- Mittlerweile gehört der Solothurner zu den stärksten Sägemehlathleten
- In seinen Jungschwingertagen plagte ihn starkes Lampenfieber
Julius Cäsar hätte grosse Freude an Marius Frank (21) gehabt. Mit 1,97 Metern Körpergrösse, 115 Kilo Kampfgewicht und seiner furchtlosen Art bringt der Solothurner vieles mit, was einst auch den römischen Feldherrn beeindruckt hat. Im Amphitheater von Augusta Raurica wirkt Frank in seiner Rüstung deshalb fast wie ein echter Legionär.
Doch seine Kämpfe trägt der Geschichts- und Sportstudent nicht mit Schild und Schwert aus, sondern im Sägemehl. Dort gehört Frank mittlerweile zu den stärksten Schwingern des Landes. Im vergangenen Sommer feierte der Solothurner am Aargauer Kantonalen seinen ersten Kranzfestsieg, einige Wochen später gelang ihm die Kranz-Premiere am ESAF in Mollis GL.
Familiäre Verbindung zum Schwingen
Dass Frank einmal Kampfsport betreiben würde, zeichnete sich schon früh ab. Zunächst deutete allerdings vieles darauf hin, dass aus ihm ein Karatekämpfer wird. «Wie ich genau zum Karate kam, weiss ich gar nicht mehr. Wahrscheinlich habe ich es in Filmen oder im Fernsehen gesehen», erzählt Frank.
Weil es im Nachbardorf ein Karatezentrum gab, versuchte er sich in der asiatischen Kampfkunst. Merkte aber bald, dass das nichts für ihn ist. «Man musste immer nur Technik üben. Mir fehlte der richtige Kampf.» Deshalb meldete ihn seine Mutter beim Schwingklub an.
Frank ist diesbezüglich familiär vorbelastet: Die Brüder seiner Mutter standen einst selbst für den Schwingklub Kerzers im Sägemehl. Onkel Martin Etter gewann sogar zweistellig Kränze. «Im Sägemehl konnte ich mich austoben und richtig kämpfen. Das gefiel mir deutlich besser.» Obwohl das erste Training auch mit viel Schmerzen verbunden war.
Selbstzweifel und Lampenfieber
Frank musste fast ausschliesslich gegen ältere Schwinger antreten. «Ich lag sehr oft auf dem Rücken», erinnert er sich. Ein grosses Jungschwingertalent war er nicht. Meist klassierte er sich irgendwo im vorderen Drittel – aber nie ganz vorne. «Ich glaubte nicht, dass ich es zum Eidgenossen schaffen würde.»
In dieser Zeit stand sich Frank oft selbst im Weg. «Ich hatte extrem Lampenfieber und glaubte zu wenig an mich.» In der Nacht vor den Schwingfesten konnte er oft kaum schlafen. Stattdessen kreisten seine Gedanken um mögliche Gegner und allfällige Niederlagen.
Am Schwingfest selbst wurde die Nervosität dann noch grösser. «Sobald mein Name runtergelesen wurde, begann es in meinem Kopf zu rotieren.» Besonders schlimm sei es gewesen, wenn er gegen einen Gegner antreten musste, gegen den er zuletzt verloren hatte. «Ich dachte dann sofort: Wenn ich wieder verliere, sehen das alle.»
Im Kampf selbst wurde er dadurch gehemmt. «Ich traute mich zu wenig und hatte Angst vor Fehlern.» Nach Niederlagen flossen teilweise sogar Tränen. Mit rund 15 Jahren machte Frank dann sportlich einen Schritt nach vorne.
Essen, essen und noch mehr essen
Er trainierte häufiger, gewann erste Schwingfeste und merkte langsam, dass mehr möglich ist. Gleichzeitig kämpfte er körperlich mit seinem Wachstum. Innerhalb kurzer Zeit schoss er zehn bis zwölf Zentimeter in die Höhe, blieb aber extrem dünn.
Weil Frank neben den vier Trainingseinheiten pro Woche fast immer mit dem Velo unterwegs war, verbrannte er eine Menge Kalorien. «Gewicht zuzunehmen war härter als das Training im Sägemehl. Auch wenn ich keinen Hunger mehr hatte, musste ich weiter essen.»
Frank verstellt sich nicht mehr
Neben seinen körperlichen Fortschritten gelang ihm vor gut zwei Jahren ein weiterer entscheidender Entwicklungsschritt hin zu einem Spitzenschwinger. Frank erkannte, dass er sich auf dem Schwingplatz verstellte. «Ich sah die anderen immer bös schauen und dachte, ich müsse das auch machen.»
Dabei sei er privat eigentlich ein lockerer Typ. «Heute versuche ich, auf dem Schwingplatz gleich zu sein wie neben dem Platz.» Einen Mentaltrainer brauchte er für diese Erkenntnis nicht. Dass er in diesem Bereich aber irgendwann professionelle Unterstützung holt, schliesst Frank nicht aus.
Sägemehlschlachten statt Gladiatorenkämpfe
Eine mentale Herausforderung war auch seine bisherige Saison. Frank konnte trotz grossen Erwartungen noch kein Kranzfest gewinnen. «Die bisherigen Auftritte waren gut. Es fehlt aber noch die Krönung in Form eines Sieges.» Am Aargauer Kantonalen am Sonntag gehört er einmal mehr zu den Siegesanwärtern.
Aktuell beschäftigt ihn jedoch nicht nur seine Leistung im Sägemehl: Frank büffelt für die Prüfungen seines Geschichtsstudiums. Er möchte einmal am Gymnasium unterrichten. Besonders faszinieren ihn die Römer und Julius Cäsar. «Warum genau, kann ich gar nicht sagen, aber sie haben mich schon immer sehr interessiert.»
Spannend wird auch sein, zu beobachten, wie sich Frank in den kommenden Jahren entwickelt. Wenn er seinen Weg nach oben fortsetzt, könnte er eines Tages Spuren hinterlassen, die weit über seine Generation hinausreichen – so wie das Cäsar einst getan hat.