Darum gehts
- Roland Knutti fordert nach Stoos-Schwinget eine Einteilungs-Revolution
- Ex-Trainer von Wenger kritisiert Gästepaarungen im ersten Gang
- Knutti schlägt neue Einteilungszusammensetzung mit Technischem Leiter des Verbands vor
Roland Knutti ist stinksauer. Der ehemalige Trainer von Schwingerkönig Kilian Wenger fordert nach dem Stoos-Schwinget nichts weniger als eine Einteilungs-Revolution. «Was da passiert ist, war eine Katastrophe. So verlieren die Bergkranzfeste ihren Stellenwert», poltert der Berner Oberländer gegenüber Blick.
Auslöser seines Ärgers sind unter anderem die Spitzenpaarungen des ersten Gangs. Der Technische Leiter der Innerschweizer, Stefan Muff, setzte mit Werner Schlegel gegen Nick Alpiger sowie Sinisha Lüscher gegen Damian Ott gleich auf zwei Gästeduelle. Für Knutti ein No-Go.
So kam es zur umstrittenen Einteilung
Der gelernte Zimmermann sass einst selbst drei Jahre in der Einteilung. «Die Spitzenpaarung hätte Werner Schlegel gegen Michael Gwerder lauten müssen», so sein Verdikt. Gwerder stand in dieser Saison bereits dreimal im Schlussgang eines Kranzfests.
Zudem gewann er das Ob- und Nidwaldner Kantonalschwingfest. Für Knutti war Gwerder damit der logische Gegner für Schlegel. Muff hatte anders entschieden und begründet seine Wahl gegenüber Blick so: «In den Spitzenpaarungen sollten die Kräfteverhältnisse ausgeglichen sein.»
Weil mehrere Eidgenossen zurückgetreten seien und mit Lukas Bissig sowie Marc Lustenberger zwei wichtige Schwinger gefehlt hätten, sei die Spitze der Innerschweizer etwas dünn besetzt gewesen. «Deshalb habe ich mich für Gästepaarungen entschieden.»
Mit dieser Erklärung kann Knutti wenig anfangen. «Sind die Innerschweizer plötzlich so schwach?», fragt er provokativ. Für ihn sei Gwerder der Beweis, dass durchaus ein einheimischer Schwinger für die Spitzenpaarung bereitgestanden hätte.
Mehrere Eidgenossen haben versagt
Für zusätzlichen Ärger sorgte bei Knutti die Einteilung im fünften Gang. Mit Elias Lüscher erreichte ein Schwinger den Schlussgang, der zuvor lediglich gegen einen Eidgenossen angetreten war und gegen diesen verloren hatte. «Das darf nicht passieren», sagt Knutti. «Ein Schwinger mit einem solchen Notenblatt hat im Schlussgang nichts verloren.»
Muff verweist diesbezüglich auf die vielen Eidgenossen, welche ihre Schlussgangs-Chance durch gestellte Gänge oder fehlende Maximalnoten verpasst haben. «Wenn mehrere Eventualitäten nicht eintreffen, steht halt plötzlich ein Überraschungsmann im Schlussgang», sagt er.
Für Knutti ist das allerdings keine ausreichende Erklärung. «Mit 90 Schwingern hat man genügend Zeit, verschiedene Szenarien durchzuspielen und entsprechend einzuteilen. Auch für Lüscher hätte sich weiter hinten noch ein Eidgenosse finden lassen.»
Eine klare Forderung – für mehr «Fairness»
Knutti will allerdings nicht nur kritisieren. Der 18-fache Kranzgewinner präsentiert auch gleich einen Lösungsvorschlag. Geht es nach dem Berner Oberländer, sollen die Spitzenpaarungen an allen Bergkranzfesten künftig nicht mehr vom Technischen Leiter des organisierenden Teilverbands festgelegt werden.
Diese Aufgabe soll stattdessen der Technische Leiter des Eidgenössischen Schwingerverbands übernehmen. «Der hat einen neutralen Blick darauf», sagt Knutti. Auch die Zusammensetzung der Einteilungskomitees möchte er ändern. Heute verfügen die Einheimischen jeweils über die Mehrheit. Auf dem Stoos standen drei Innerschweizer am Tisch, dazu je ein Vertreter der Nordost- und der Nordwestschweizer.
Wenn die Einheimischen wollen, dann bringen sie jede ihrer Wunschpaarungen durch. Künftig sollen deshalb die Technischen Leiter aller beteiligten Teilverbände in der Einteilung sitzen. Den Vorsitz soll der Technische Leiter des Eidgenössischen Schwingerverbands übernehmen. Kommt es zu einem Patt, hätte dieser den Stichentscheid. «So wäre es fair. Ich hoffe schwer, dass sich diesbezüglich bald etwas ändert», sagt Knutti.