Die Schlussgänge
Werner Schlegel ist haushoher Favorit im Stoos-Schlussgang gegen Elias Lüscher. Und wird dieser Rolle gerecht. Nach nicht einmal einer Minute hat er den Überraschungsmann auf dem Rücken. Und feiert nach dem Schwarzsee-Triumph 2024 seinen zweiten Sieg bei einem Bergkranzfest.
Beim Oberländischen marschiert Michael Moser mit fünf Siegen in den Schlussgang. Dort trifft er auf Matthieu Burger und weiss, dass ihm ein Gestellter reicht. Er startet vorsichtig, geht aber bald einmal in die Offensive. Einen ersten gefährlichen Angriff wehrt Burger noch ab, kurz darauf gelingt ihm das nicht mehr. Er landet auf dem Rücken.
Die Schlussranglisten
Die Siegerstimmen
Werner Schlegel: «Ich freue mich mega. Mein Start in den Tag war verhalten, aber danach konnte ich voll loslegen. Die gesamte Leistung macht es aus – dass ich vielseitig war, am Boden wie auch mit einem Gelegenheitsschwung gewinnen konnte. Diese Vielseitigkeit versucht man zu trainieren. Vor dem Schlussgang habe ich gesagt, dass ich nur noch verlieren kann. Lüscher hatte seine Berechtigung im Schlussgang, das darf man nicht auf die leichte Schulter nehmen.» Angesprochen auf den verletzten Teamkollegen Giger: «Es ist immer blöd wenn sich jemand verletzt. Aber schlussendlich musst du ein wenig auf dich schauen. Wir hätten ihn gerne dabei gehabt – gute Besserung falls du zuschaust. Als Mannschaft haben wir das Beste herausgeholt.»
Michael Moser: «Freude haben an dem was man macht – dann kommt es meistens gut. Auch den Fleiss und etwas Talent braucht es, damit man so gut wird. Aber das Wichtigste ist, dass man das macht, was einem Freude macht.»
Das fast perfekte Fest
Schon länger ist bekannt, dass Michael Moser nicht nur als grosses Talent gilt, sondern den Beweis dafür immer wieder liefert. So auch in Gstaad. Die ersten vier Gänge gewinnt er mit Plattwurf, bodigt unter anderem den eigentlichen Berner Teamleader Fabian Staudenmann. Einzig im 5. Gang gegen Melchior Huber verpasst er die Maximalnote. So schrammt er am perfekten Fest mit 60,00 Punkten vorbei, hat am Ende des Tages sackstarke 59,75 Punkte auf dem Konto.
Die Titelverteidiger
Fabian Staudenmann ist der König des Oberländischen. In den letzten drei Jahren hat er das Fest jeweils gewonnen. Nun tritt er an, um diese Serie fortzusetzen. Auch auf dem Stoos wäre er der Titelverteidiger – da die Berner dort in diesem Jahr nicht zu Gast sind, hatte er keine Chance, als Vorjahressieger wieder anzutreten.
Der grossee Abwesende
Eigentlich hätte auch Unspunnensieger Samuel Giger auf dem Stoos in die Zwilchhosen steigen wollen. Doch unter der Woche muss er seine Teilnahme absagen. Er hat sich im Training an der Schulter verletzt und muss mehrere Wochen pausieren. Das Saisonhighlight Kilchberger Schwinget soll aber nicht in Gefahr sein. Seine Teamkollegen kompensieren seine Abwesenheit optimal – Werner Schlegel und Damian Ott sorgen für einen Nordostschweizer Doppelsieg.
Der Überraschungsmann
Lüscher im Schlussgang? Das ist für den Stoos-Schwinget durchaus im Bereich des Möglichen. Immerhin tritt Sinisha Lüscher als Mitfavorit an. Am Ende ist es zwar sein Nachname, der im Schlussgang-Duell auftaucht, aber nicht er selber. Denn Sinisha Lüscher verpasst den letzten Kampf des Tages im Gegensatz zu seinem Namensvetter Elias Lüscher. Der siebenfache Kantonalkranzer verliert einzig gegen Eidgenosse Marius Frank, stellt gegen Aron Kiser und gewinnt dreimal platt gegen Simon Stampfli, Elias Epp und Bruno Suter. «Das habe ich nicht erwartet», sagt er ins SRF-Mikrofon über die Schlussgang-Quali. Sein Ziel sei gewesen, um den Kranz mitzuschwingen. «Ich kanns nicht fassen.» Für ihn ist das Duell mit Werner Schlegel ein besonderes. «Ich schaue ihm gerne zu, er ist ein Vorbild», so Lüscher. Am Ende verliert er innert kürzester Zeit. Er dürfte es verkraften – immerhin hat er nun ein zweites Sternchen hinter seinem Namen.
Die kurzfristigen Absagen
Severin Schwander hat sich Ende Mai an den Adduktoren verletzt. Am Samstag teilt er via Instagram mit, dass die Verletzung noch nicht genug verheilt ist, um ins Sägemehl zurückzukehren. Deswegen verpasst er das Oberländische. Gleiches gilt für Fabio Hiltbrunner, der wegen einer kleinen Blessur Forfait geben muss.
Der neue Sieger
Weil Samuel Giger, der Sieger von 2024, verletzt fehlt, ist schon bei Festbeginn klar, dass es am Ende des Tages einen neuen Stoos-Sieger geben wird. Mit Sven Schurtenberger, Werner Schlegel und Marcel Bieri tritt ein Trio an, das schon einmal im Schlussgang stand und dem Sieg nahe kam. Einer von ihnen schafft es erneut in den letzten Kampf des Tages: Werner Schlegel. Und dieses Mal lässt er sich den Triumph nicht mehr nehmen.
Die willkommene Abkühlung
Nicht nur die Schwinger im Sägemehl schwitzen, sondern auch die Zuschauer, die in der prallen Sonne auf der Tribüne sitzen. In Gstaad gibts für sie eine Abkühlung. Wenn die Sägemehlringe gewässert werden, wird der Wasserschlauch danach auch noch kurz in Richtung Publikum gehalten.
Der zweite Stern
Joel Suter gehört zu den Überraschungen auf dem Stoos. Nach dem 4. Gang liegt er punktgleich mit Werner Schlegel und Christian Bucher auf Platz 1. Gegen Marius Frank ist er anschliessend aber chancenlos und verpasst den Schlussgang. Dennoch beendet er das Fest auf einem Spitzenplatz. Denn im 6. Gang übertölpelt er Lukas Heinzer und legt ihn platt aufs Kreuz. Damit holt er sich den ersten Bergkranz seiner Karriere – und hat künftig zwei Sternchen hinter seinem Namen.
Der Abbruch
Nach drei Gängen hat Adrian Walther zwei Gestellte und einen Sieg auf dem Konto. Am Nachmittag kehrt er nicht mehr ins Sägemehl zurück. EIne Verletzung zwingt ihn dazu, das Fest abzubrechen. Was genau passiert ist, ist bisher nicht bekannt.
Der Schockmoment
Nach der Mittagspause greift Sven Schurtenberger mit Kilian Kolb zusammen. Die beiden liefern sich ein attraktives Duell – bis das Schwingen plötzlich zur Nebensache wird. Schurtenberger zeigt an, dass es ihm nicht gut geht. Er ist plötzlich ganz wackelig auf den Beinen, hat Kreislaufprobleme. Und kippt um. Sofort eilen Sanitäter herbei und kümmern sich um ihn. Für ihn endet das Fest vorzeitig. Mit der Bahre wird er aus der Arena getragen und später mit dem Helikopter für weitere Abklärungen ins Spital geflogen.
Der beinahe erneute Gstaad-Sieger
2013 hat das Oberländische letztmals in Gstaad stattgefunden. Der Sieger damals: Bernhard Kämpf. Auch 13 Jahre später schwingt er noch um den Sieg mit. Nach fünf Gängen ist er auf Rang 3 klassiert – den Schlussgang verpasst er um einen halben Punkt. Am Ende des Tages wird er starker Zweiter.
Die gerissene Serie
In den letzten drei Jahren hiess der Sieger am Oberländischen immer Fabian Staudenmann. Dieses Mal verpasst er die Titelverteidigung, seine Serie reisst. Es ist das zweite Mal, dass ihm das in diesem Jahr passiert. Schon beim Mittelländischen hätte er zum vierten Mal in Folge gewinnen können und hat diesen Triumph verpasst.
Das Missgeschick
Viel trinken ist beim sommerlichen Wetter wichtig. Kinder transportieren während dem 6. Gang Getränkekisten auf einem Harassenwagen. Dann passiert das Missgeschick, der Wagen kippt. Und wer eilt sofort herbei, um ihn wieder zu beladen? Nick Alpiger. Während andere nur zuschauen, hilft er den Kindern. Eine nette Geste mitten im Wettkampf.
Die 23 Eidgenossen
Marius Frank bekommt in dieser Saison immer wieder Eidgenossen vorgesetzt. In den neun bisherigen Festen hat er 21-mal mit einem zusammengegriffen. Und auch auf dem Stoos wird der 21-Jährige nicht verschont. Mit Marcel Bieri und Silvan Appert kommen zwei weitere dazu. Gegen beide stellt er.
Die komplettierte Sammlung
Vor zwei Jahren wollte Damian Ott schon auf dem Stoos antreten, Knieprobleme verhinderten dies. Nun kommt er mit etwas Verspätung zu seiner Premiere bei dem Bergfest. Und er ist lange dabei im Kampf um den Schlussgang. Letztlich reichts nicht. Aber Ott holt den Kranz – und komplettiert damit seine Sammlung. Nun hat er von jedem Bergfest mindestens einmal Eichenlaub daheim.
Die Bedingungen
Sonnenschein und blauer Himmel dazu sommerliche Temperaturen. Die beiden Feste gehen bei perfekten Bedingungen über die Bühne.
So geht es weiter
In einer Woche steht das nächste Bergfest auf dem Programm. Am Sonntag findet der Schwarzsee Schwinget statt.