Darum gehts
Tolle Alpiger-Aktion
Mit seiner ungewöhnlichen Schwingweise liefert Nick Alpiger immer wieder Gesprächsstoff (siehe unten). Teilweise wird er dafür auch kritisiert. Was jedoch sehr oft untergeht, ist sein äusserst anständiges Verhalten abseits der Sägemehlringe. Ein jüngstes Beispiel ereignete sich auf dem Stoos: Als einigen Kindern die Harassen mit Getränken am Sägemehlrand umfielen, war der dreifache Eidgenosse sogleich zur Stelle. Er half ihnen, alle Flaschen wieder ordentlich in die Kisten zu platzieren. Was als peinlicher Moment begann, endete für die Kinder in einem besonderen Erlebnis.
Geschenk aus den USA
Damit hatte Pascal Schönenberger nicht gerechnet. Vergangenen Donnerstag erreichte das OK-Mitglied des Schwägalp-Schwingets ein Paket aus den USA. Darin befanden sich mehrere T-Shirts mit einem Post-it und einem Namen darauf. Da realisierte Schönenberger, was es damit auf sich hat. Im vergangenen Herbst war er gemeinsam mit den Spitzenschwingern Werner Schlegel, Damian Ott und Marcel Räbsamen in die USA gereist. Auf ihrer Rundreise absolvierten sie in Newark, Kalifornien, ein Schwingfest. Die dort ansässigen Auslandschweizer hatten so viel Freude, dass sie der ganzen Reisegruppe nun T-Shirts geschickt haben. Darauf steht «Joe Suter Construction».
Dieser ist aus dem Muotathal in die USA ausgewandert und hat regelmässig Schwinger aus der Schweiz bei sich untergebracht. So auch Schwingerkönig Jörg Abderhalden. Vor einigen Jahren ist Suter gestorben. Seither führen sein Sohn Herb und seine Tochter Silvia diese Tradition weiter. Als die Schwinger bei ihnen waren, fragten sie nach deren Kleidergrösse. Nun ist klar, was der Plan dahinter war. «Als ich das Geschenk sah, hat mich das sehr gefreut», erzählt Schönenberger, der mit den Amerikanern im regelmässigen Austausch steht. «Sie verfolgen, wenn immer möglich, alle Kranzfeste.» Deshalb wird ihnen auch nicht entgangen sein, dass ihr ehemaliger Gast Schlegel auf dem Stoos triumphiert hat.
Neuer Service
Ein Novum im Schwingsport: Ab sofort können Fans sämtliche Schwingfeste live über die ESV-Homepage mitverfolgen – vom Nachwuchs- bis zum Kranzfest. Möglich macht dies das neue Ranglistenprogramm, das 2023 eingeführt wurde. Zuvor waren verschiedene Systeme im Einsatz, deren Technologie abgelöst werden musste. Die neue Lösung liefert Resultate in Echtzeit und dient zugleich als Datenquelle für Medien, Liveticker und grafische Einblender. Damit bietet der ESV den Schwingfans einen schnelleren, transparenteren und umfassenderen Service als je zuvor.
Der Eidgenossen-Rücktritt
Am Abendschwinget in Sumiswald ist eine Karriere zu Ende gegangen. Konrad Steffen hat mit 32 Jahren seine Zwilchhosen an den Nagel gehängt. Er geht als 18-facher Kranzgewinner – darunter der Eidgenössische 2022. Sein letztes Fest beendet er mit drei Siegen und drei Gestellten auf Rang 5. Steffen ist bereits der fünfte Eidgenosse, der 2026 seine Karriere beendet. Vor ihm haben diesen Schritt bereits König Joel Wicki, Sven Hofer, Thomas Sempach und Dominik Zangger gemacht. Damit bleiben 57 aktive Eidgenossen.
Einteilungs-Diskussionen
Aus Innerschweizer Sicht fällt die Bilanz des Stoos-Schwingets positiv aus. Sieben Kränze, dazu mehrere starke Auftritte junger Schwinger. «Ich bin sehr zufrieden», sagt der Technische Leiter Stefan Muff. Herausgestochen aus dem Kollektiv ist Elias Lüscher, der sensationell in den Schlussgang einzog. Damit erwischte er die Einteilung etwas auf dem falschen Fuss. «Wenn mehrere Eventualitäten nicht eintreffen, steht halt plötzlich ein Überraschungsmann im Schlussgang», erklärt Muff. Von einem Fehler der Einteilung will der Technische Leiter nichts wissen. Schliesslich hätten Eidgenossen wie Bieri, Strebel oder Ott mit einem Sieg den Einzug in den Schlussgang aus eigener Kraft schaffen können.
Bereits im Vorfeld hatte die Einteilung für Gesprächsstoff gesorgt. Muff entschied sich im ersten Gang gleich für zwei Spitzenpaarungen zwischen Gästen. Nicht alle konnten diesen Entscheid nachvollziehen. Muff begründet seine Wahl so: «In den Spitzenpaarungen sollten die Kräfteverhältnisse ausgeglichen sein. Weil mehrere Eidgenossen zurückgetreten sind und mit Lukas Bissig sowie Marc Lustenberger zwei wichtige Schwinger nicht antraten, war unsere Spitze etwas dünn besetzt. Deshalb habe ich mich für Gästepaarungen entschieden.»
Ungewöhnliche Schläge
Das absolute Spitzenduell beim Stoos-Schwinget enttäuschte. Werner Schlegel und Nick Alpiger lieferten sich einen ereignislosen Kampf, der im Anschluss dennoch für Diskussionen sorgte. Vor allem eine Aktion Alpigers irritierte die Zuschauer und auch Schlegel selbst. «So etwas habe ich noch nie erlebt», erklärte er nach seinem Festsieg. Alpiger hatte ihm während des Kampfes mehrfach auf den Oberarm geschlagen. Dafür hat Schlegel nur ein müdes Lächeln übrig. «Von so Sachen lasse ich mich natürlich nicht aus der Fassung bringen.» Tatsächlich zog Schlegel sein Ding durch und triumphierte verdient.
Befreiung für Orlik-Nachfolger
Die Vorbereitung auf sein Heimfest verlief für Josias Müller alles andere als ideal. Einen Tag vor dem Bündner-Glarner Schwingfest in Scuol musste der Bündner noch seine letzte LAP-Prüfung absolvieren. Fast fünf Stunden dauerte der schriftliche Test. «Es war sehr streng», sagt Müller nach seinem Kranzgewinn am Bündner-Glarner. Der angehende Elektroinstallateur absolviert seine Lehre bei der Firma Equans in Chur.
Entsprechend gross ist die Erleichterung nach den abgeschlossenen Prüfungen. «Ich bin froh, ist das Lernen vorerst vorbei. Das ist eine Befreiung. Nun kann ich mich wieder stärker auf den Schwingsport fokussieren.» Ob sich der Aufwand ausbezahlt hat, erfährt Müller in rund zwei Wochen. Dann sollte feststehen, ob er die Lehrabschlussprüfung bestanden hat. Das Bündner-Glarner gewann übrigens sein Vorbild König Armon Orlik. Macht Müller so weiter, könnte er der nächste ganz böse Bündner werden.
Der beste Erfolg
Michael Moser wird kommenden Monat 21 Jahre alt. Aktuell ist er der stärkste Schwinger. Trotz seines jungen Alters zeigt er starke Leistungen. Beim Oberländischen feiert Moser den sechsten Kranzfestsieg seiner Karriere. So gut wie in Gstaad war er davor noch nie. Mit 59,75 Punkten schrammt der Eidgenosse an der Perfektion vorbei. Und übertrifft sein bisheriges Bestresultat vom Oberaargauischen 2026 und Berner Kantonalen 2025 (je 59,50) um einen Viertelpunkt. Dahinter folgen der Triumph beim Oberaargauischen 2025 mit 58,75 und derjenige beim Emmentalischen 2024 mit 58,25. Die tiefste Gesamtpunktzahl, die Moser zum Festsieg reichte, stand vergangenes Jahr am Nordostschweizer auf dem Notenblatt: 58,00.
Das Handynetz-Problem
Das Bündner-Glarner Schwingfest auf der Motta Naluns fand auf 2150 Metern statt. Doch nicht nur die dünne Luft bereitete den Schwingern Probleme. In der Garderobe gab es kein Handynetz. Genauer gesagt betraf das jene mit einem Sunrise-Abo. Deshalb hatten die Schwinger mit einem Vertrag bei der Swisscom plötzlich einige Kollegen mehr. Schliesslich wollten die Athleten wissen, wann ihr nächster Einsatz bevorstand und wie viele Paarungen bis dahin noch im Sägemehl standen. Dank dieser improvisierten Informationszentrale blieben die Schwinger bestens informiert. Der Speaker musste jedenfalls nur selten einen fehlenden Athleten ausrufen.
Die Kilchberg-Champions
Beim Saisonhighlight Kilchberger Schwinget treten Samuel Giger, Damian Ott und Fabian Staudenmann als Titelverteidiger an. An diesem Wochenende stehen nur zwei von ihnen im Einsatz. Eigentlich hätte auch Giger am Stoos-Schwinget teilnehmen wollen. Doch der Unspunnensieger wird von einer Schulterverletzung ausgebremst und muss pausieren. Wann er wieder ins Geschehen eingreift, ist offen. Ott zeigt auf dem Stoos einen starken Auftritt. Den Einzug in den Schlussgang verpasst er nur knapp. Zum Verhängnis wird ihm, dass er bei seinen drei Siegen bis zum 5. Gang nur einmal die Maximalnote holt. Daneben stellt er zweimal mit Note 9,00 – am Ende wird er Zweiter. Und komplettiert damit seine Sammlung – er hat nun von jedem Bergfest mindestens einen Kranz daheim. Diesen Rang belegt auch Fabian Staudenmann beim Oberländischen. Nach drei Triumphen in Serie wird er bei diesem Fest entthront. Und das von dem Mann, der ihm die erste Saisonniederlage zufügt: Michael Moser.