«Gott hat mir im Spital gesagt, dass es mit dem ESAF klappt»
Schwing-Brüder finden im Glauben Halt und Kraft

Beim letzten ESAF sicherten sich sowohl Matthieu als auch Etienne Burger den Kranz. Nun erzählen die Brüder, wie der Glaube sie durchs Leben trägt.
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Matthieu Burger (oben) erlebte zuletzt ein schwieriges Jahr.
Foto: keystone-sda.ch

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Matthieu Burger gewann trotz Verletzung seinen zweiten eidgenössischen Kranz
  • Der Glaube gibt ihm Kraft: Gott versprach ihm Erfolg nach seiner Operation
  • Auch sein Bruder Etienne überzeugte und stieg zum Eidgenossen auf
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Nicola AbtReporter Sport

Sein ESAF-Traum drohte zu platzen. Matthieu Burger (24) lag im Spital, frisch operiert, und haderte mit seinem Schicksal. «Im ersten Moment war alles scheisse», sagt der Eidgenosse rückblickend.

Und dann passierte etwas, das der gläubige Christ wohl nie mehr vergessen wird. «Gott hat mir im Spital gesagt, dass das mit dem ESAF klappt. Er meinte, ich werde Erfolg haben.» Wie genau dieser Erfolg aussehen würde, wusste Burger nicht. «Aber es gab mir Stabilität und ein gutes Gefühl.»

Knapp vier Monate später bodigt Burger im achten Gang Roger Bürli und sichert sich seinen zweiten eidgenössischen Kranz. Sekunden zuvor hat schon Bruder Etienne (22) gejubelt. Er gewinnt sein erstes Eichenlaub an einem ESAF. «Das war eine riesige Erlösung und gleichzeitig völlig verrückt», sagt Etienne.

Mutterkühe und Ackerbau

Beide sind nach dem Mammut-Wochenende in Mollis GL ausgelaugt. «Wir waren völlig am Ende», sagt Matthieu. Statt lange zu feiern, geht es früher als gewohnt nach Hause – zurück auf den elterlichen Hof im Seeland.

Dort arbeiten sie seit einigen Jahren Seite an Seite. Mutterkühe und der Ackerbau bestimmen ihren Alltag. Dazu kommen im Sommer Tiere aus der Region auf ihren Betrieb in die Ferien.

Ein Ruhetag ist Pflicht

Die Rollen auf dem Bauernhof sind klar verteilt. «Ich bin eher der Typ für die Tiere», sagt Etienne. Matthieu hingegen fühlt sich im Ackerbau wohler. Weil sie sich derart gut ergänzen, sind die Zukunftspläne bereits gemacht. «Irgendwann wollen wir den Betrieb übernehmen.» Ob zu zweit oder mit dem dritten Bruder, ist noch offen.

Neben der Leidenschaft für die Landwirtschaft und den Schwingsport verbindet sie auch ihr Glaube. Er ist im Alltag der Burger-Brüder fest verankert. Sie beten täglich und besuchen wenn immer möglich am Sonntag die Kirche.

Wenn das wegen eines Schwingfests nicht geht, wird der Ruhetag einfach verschoben. «Einmal in der Woche machen wir Sonntag», sagt Matthieu. «Auch wenn das ein Montag ist.» Der Glaube ist für sie kein Lippenbekenntnis. «Wenn du gläubig bist, versuchst du, so gut wie möglich nach der Bibel zu leben. Aber wir sind auch Sünder und nicht besser als andere.»

«Warum lässt Gott das zu?»

Einen ersten Kontakt zum Glauben erhielten sie durch ihre Eltern. Früher ging die ganze Familie regelmässig in die Kirche. Mit den Jahren wurde daraus kein «Müssen» mehr, sondern «eine feste Überzeugung».

Matthieu entfernte sich zwischenzeitlich vom Glauben. «Es gab eine Phase, da wollte ich nichts mehr damit zu tun haben.» Zurück blieb ein Gefühl, das ihn nicht losliess. «Ich spürte eine spirituelle Leere.»

Er fand zurück und mit dem Glauben eine neue Klarheit. «Ich habe gemerkt, dass das Leben einfacher ist, wenn man mit Jesus unterwegs ist.» Das bedeutet nicht, dass alles reibungslos läuft. «Ich habe mich ja trotzdem verletzt», sagt er und denkt zurück an die Zeit im Spital. «Im ersten Moment fragte ich mich schon: Warum lässt Gott das zu?»

Nächster starker Auftritt am Samstag?

Mittlerweile hat er eine Antwort auf diese Frage gefunden. «Ich bin daran gewachsen, konnte viel lernen. Alles hat seinen Grund.» Obwohl die Verletzung bereits über ein Jahr her ist, fühlt sich Matthieu noch immer nicht wie zuvor. Körperlich fehlt noch etwas bis zu seiner Topform.

Trotzdem gelang ihm mit Rang zwei am Emmentalischen ein hervorragender Saisonstart. Auch sein Bruder Etienne überzeugte mit Rang vier. Beide sind bereit für das Seeländische. Vor heimischem Publikum wollen sie erneut brillieren und hoffen, dass sie danach noch etwas mehr Energie im Tank haben als nach dem kräftezehrenden ESAF in Mollis.

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