Darum gehts
- Joel Ambühl holt nur 308 Tage nach einem Kreuzbandriss in Mollis den nächsten Kranz
- Er gewann bereits Ende Juni ein Abendschwinget in Baar
- Der Luzerner vertraut seinem Knie zwar, doch er denkt auch auf dem Platz darüber nach
Als sich Joel Ambühl am Sonntagmorgen des ESAF 2025 in Mollis das rechte Kreuzband reisst, sitzt der Schock tief. Schon 2024 hatte er sich am gleichen Knie verletzt. Für viele ist deshalb schnell klar: Den Eidgenossen wird man in der aktuell laufenden Saison kaum mehr im Sägemehl sehen.
Doch der 27-Jährige trotzt allen Prognosen. Nur 308 Tage nach der bitteren Verletzung feiert er Anfang Juli am Innerschweizer Schwing- und Älplerfest in Arth SZ sein Comeback an einem Kranzfest – und holt da auf Anhieb den begehrten Kranz.
Jetzt folgt die nächste Prüfung
Nach dem geglückten Comeback wartet am Sonntag bereits der nächste Härtetest. Auf der Rigi bestreitet Ambühl sein erstes Bergkranzfest seit dem jüngsten Kreuzbandriss. Die Aufgabe ist happig: Inklusive Ambühl werden ganze 30 Eidgenossen auf der Königin der Berge gegeneinander antreten.
Für die Innerschweizer kommt seine Rückkehr genau darum zum richtigen Zeitpunkt. Ambühl zählt beim ISV zu ihren wichtigsten Trümpfen und soll mithelfen, gegen die starke Konkurrenz aus Bern und der Nordwestschweiz möglichst viele Kränze zu gewinnen.
«Zehn Monate sind ambitioniert»
Dass die Rückkehr so schnell gelang, kam nicht von ungefähr. «Ich hatte keine Komplikationen und habe der Genesung fast alles untergeordnet», erzählt Ambühl Blick. Neben unzähligen Stunden in der Reha investierte er auch mental viel.
Bereits eine Woche vor dem ISAF konnte er so sein operiertes Knie am Abendschwinget in Baar ZG erstmals wieder unter Wettkampfbedingungen testen. Das Rangschwinget, das genau 299 Tage nach dem Kreuzbandriss stattfand, gewann er dabei auf Anhieb.
Ganz verschwunden sind die Gedanken an das operierte Knie trotzdem noch nicht. Ambühl gegenüber Blick: «Viele sagen immer, man dürfe nie daran denken. Das kann ich aber fast nicht glauben. Ich akzeptiere, dass der Gedanke manchmal auch im Sägemehl kommt. Dann sage ich mir einfach: Ich habe in der Reha alles gemacht, damit das Knie hält, und darauf vertraue ich.»
Vierfach-Kreuzbandpatient Reichmuth staunt
Beim Comeback in Arth SZ verfolgt ausgerechnet einer Ambühls Rückkehr ganz genau, der sich mit Kreuzbandverletzungen bestens auskennt: Ex-Schwinger Pirmin Reichmuth (30). Der vierfache Kreuzbandpatient zeigt sich beeindruckt von Ambühls Tempo der Rückkehr. «Weniger als 300 Tage für ein Kreuzband – das ist sehr, sehr schnell. Normalerweise spricht man von ungefähr einem Jahr», sagt der studierte Physiotherapeut bei seiner Feuertaufe als SRF-Experte.
Reichmuth weiss aber auch, dass über eine Rückkehr nicht nur Ärzte und Physiotherapeuten entscheiden. Im TV sagt er: «Der Sportler hat seinen eigenen Kopf. Man muss ihn ein bisschen machen lassen. Er wird schon spüren, ob es funktioniert.»