Jetzt hat es im Wankdorf fünf Sägemehl-Ringe
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Auf dem Kunstrasen:Jetzt hat es im Wankdorf Sägemehl-Ringe

Heisse Diskussionen nach Wankdorf-Erfahrung
Sind feste Stadien die Zukunft des Schwingsports?

Das Experiment Wankdorf ist geglückt. Schwinger, Funktionärinnen und Zuschauer ziehen ein positives Fazit. Es gibt nur einige wenige Nachteile.
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Das Wankdorf-Fussballstadion in Bern verwandelte sich am letzten Sonntag in eine Schwing-Arena.
Foto: keystone-sda.ch

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • 27'000 Schwingfans erlebten das Berner Kantonale im Wankdorf-Stadion
  • Kritik: Fussballfeldform erschwert Nähe, aber Stimmung und Komfort überzeugten
  • Folgt bald wieder einmal ein ESAF in einem Fussballstadion?
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Nicola AbtReporter Sport

Wer ein Schwingfest besucht, ist mittendrin statt nur dabei. Hautnah erlebt man die letzten Vorbereitungen der Athleten, spürt die Anspannung, sieht den tropfenden Schweiss. Und das alles Sekunden vor dem Kampf und aus wenigen Metern Entfernung. Der Blick über die kräftigen Schultern: Er fasziniert.

Vergangenes Wochenende am Berner Kantonalen nahmen die 27'000 Schwingfest-Besucher für einmal in einer ungewohnten Umgebung Platz. Das Fussballstadion der Berner Young Boys wurde kurzerhand in eine Schwing-Arena umfunktioniert.

Wie die Gladiatoren im antiken Rom tauchten die Schwinger aus dem Bauch der Arena auf, marschierten zum Sägemehlring, bestritten ihren Kampf und tauchten mehrheitlich sogleich wieder in die kühlen Katakomben ab.

In der Südwestschweiz unrealistisch

Die Begegnungen zwischen Athleten und Fans waren deshalb auf ein Minimum beschränkt. Dafür bot das Stadion andere Vorteile: kurze Wege, gedeckte Tribünen, Schattenplätze und eine Infrastruktur, von der viele Organisatoren sonst nur träumen können.

Ob das Wankdorf damit zum Vorbild für die Zukunft wird? Darüber wird in Schwingerkreisen seit Sonntag intensiv diskutiert. Für König Armon Orlik überwiegen die Vorteile. «Ich finde es toll, wenn bestehende Infrastrukturen genutzt werden können. Die Kulisse war grossartig.»

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Ganz ähnlich beurteilt Christian Kolly die Premiere. «Es ist eine tolle Abwechslung», sagt der technische Leiter der Südwestschweizer. Gleichzeitig mahnt er zur Zurückhaltung. «Bei uns wäre ein Fussballstadion derzeit schlicht zu gross. Dafür haben wir zu wenig Zuschauer. Und man darf keinen Druck auf kleinere Veranstalter ausüben.» 

Hühnerhautmoment vor dem Schlussgang

Auf dem Festgelände waren unterschiedliche Meinungen zu hören. Die meisten fanden nur lobende Worte. Einziger Kritikpunkt: Ein Fussballfeld hat nicht die ideale Form für eine Schwingarena, weshalb die Zuschauer weiter vom Geschehen entfernt seien als gewohnt.

Die Stimmung litt allerdings nicht darunter – im Gegenteil. Als Fabian Staudenmann vor dem Schlussgang ins Wankdorf einlief und von 27'000 Zuschauern mit Applaus empfangen wurde, sorgte das für einen Hühnerhautmoment.

Ein riesiger Pluspunkt

Auch Schwingerkönig Matthias Sempach zeigt sich begeistert. «Für mich war es eines der besten Schwingfeste der letzten Jahre. Ich habe mich im Stadion sehr wohlgefühlt.» Gerade für die Besucher sieht Sempach Vorteile. «Von meinem Platz bis zum Verpflegungsstand oder auf die Toilette musste ich nur rund 50 Meter laufen.»

Hinzu kamen die vielen Schattenplätze. «Gerade bei dieser Hitze war das ein riesiger Pluspunkt.» Die Schwinger schätzten das ebenfalls, genauso wie den angenehmen Weg zu den Sägemehlringen. Sie mussten sich nicht durch die Menschenmassen kämpfen.

Es gibt einen Nachteil

Das Stadion-Konzept wird im kommenden Jahr auch am Luzerner Kantonalen ausprobiert. Dieses findet in der Fussballarena des FC Luzern statt. Schwinger-Boss Fridolin Beglinger begrüsst das. «Vor allem wegen der bestehenden Infrastruktur», sagt er.

Stromanschlüsse, Wasserleitungen, Tribünen oder sanitäre Anlagen sind bereits vorhanden. Vieles, was auf der grünen Wiese zuerst aufgebaut werden muss, steht in einem Stadion schon bereit. Das spart Zeit und Aufwand. Einen Nachteil sieht Beglinger allerdings: «Man ist zeitlich nicht sehr flexibel. Das kann zu Terminkollisionen führen.»

Ein Schritt in Richtung Redimensionierung?

Genau das passierte in diesem Sommer. Weil das Wankdorf nur an wenigen Daten verfügbar war, fand das Berner Kantonale am gleichen Wochenende wie das Innerschweizer Teilverbandsfest statt. Im nächsten Jahr wird das Berner Kantonale dann im Visana-Stadion in Thun ausgetragen. 

Ob in Zukunft – wie 1977 im Basler St. Jakob-Park oder 1998 im Berner Wankdorf – wieder ein Eidgenössisches in einer solchen Arena stattfindet? Nach den positiven Erfahrungen vom Sonntag scheint diese Frage aktueller denn je. Es wäre ein Schritt in Richtung Redimensionierung, die in Schwingerkreisen immer wieder gefordert wird.

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