«Wenn man so lange dabei war, wird man nie wieder normal»
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Kampfrichter-Boss Ackermann:«Wenn man so lange dabei war, wird man nie wieder normal»

«Ging in Richtung Morddrohung»
Kampfrichter-Boss gibt schockierende Einblicke

Nach dem ESAF geriet Kampfrichter-Chef Peter Ackermann ins Kreuzfeuer. Nun erzählt er, wie heftig die Kritik war und weshalb er gegen Ex-Schwinger Pirmin Reichmuth schiesst.
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Am ESAF standen die Kampfrichter mehr im Zentrum, als ihnen recht war.
Foto: Claudio Thoma/freshfocus

Darum gehts

  • Kampfrichter-Boss Peter Ackermann steht seit dem ESAF 2025 massiv unter Druck
  • Er schildert, wie die Zeit danach war – heftige Kritik prasselte auf ihn ein
  • Ackermann weisst zudem ein Gerücht über eine mögliche Degradierung zurück
Die künstliche Intelligenz von Blick lernt noch und macht vielleicht Fehler.
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Nicola AbtReporter Sport

Peter Ackermann schüttelt immer wieder den Kopf. Die letzten Monate setzten dem Kampfrichter-Boss stark zu. «Ich wollte alles hinschmeissen», sagt er. Rund ein halbes Jahr ist seit dem ESAF in Mollis GL vergangen. Zur Ruhe gekommen ist Ackermann seither nicht. Während Schwingerkönig Armon Orlik für seine Leistung gefeiert wurde, erhielten die Kampfrichter reihenweise Ohrfeigen verpasst. 

Experten und Fans ärgerten sich über mehrere Entscheide. Aus ihrer Sicht wurde Joel Wicki um ein gültiges Resultat gebracht. Schlussgang-Teilnehmer Werner Schlegel verlor einen Gang, obwohl niemand mehr Griff hatte. Und Fabian Staudenmann erhielt trotz eines vermeintlichen Plattwurfs keine Maximalnote.

Das führte zur Eskalation

Mit der sportlichen Kritik konnte Ackermann umgehen. «Wir haben sicher nicht alles richtig gemacht», sagt er. Doch dabei blieb es nicht. «Was danach geschah, war teilweise unter aller Sau.» Besonders heftig traf es Kampfrichter Ivo Zwingli. Er verweigerte Wicki das Resultat und wurde damit zum Gesicht der Kontroverse.

Was folgte, ging weit über sportliche Diskussionen hinaus. Zwingli wurde heftig attackiert. «Wenn es ins Private geht und seine Firma in den Dreck gezogen wird, sind Grenzen überschritten», sagt Ackermann. Einige Tage nach dem ESAF äusserte sich Zwingli in der Linth-Zeitung zu den umstrittenen Szenen. 

Er erklärte seine Sicht der Dinge. Für Ackermann war dieser Schritt rückblickend problematisch. «Der Artikel liess das Ganze eskalieren», sagt Ackermann. Die Diskussionen wurden danach emotionaler. Die Kritik nahm weiter zu. Auch die persönlichen Angriffe häuften sich.

Heftige Kritik – unter der Gürtellinie

Dass solche Reaktionen kein Einzelfall sind, weiss Ackermann spätestens seit dem Kilchberger Schwinget 2021. Damals jubelte Samir Leuppi im fünften Gang zu früh. Weil der Kampfrichter das Resultat noch nicht gab, ging der Kampf weiter. Leuppi verpasste letztlich den Sieg und den Schlussgang. 

Danach entlud sich der Frust im Netz – auch gegen Ackermann persönlich. «Ich erhielt Nachrichten, die in Richtung Morddrohung gingen. Das hat mich fassungslos gemacht.» Auch nach dem ESAF sah sich der Kampfrichter-Chef wieder mit Hass-Kommentaren konfrontiert.

Gerücht über mögliche Degradierung

Als sich die Lage langsam zu beruhigen schien, sorgte eine weitere Aussage für neue Unruhe. Der ehemalige Spitzenschwinger Pirmin Reichmuth (30) forderte im Blick eine lebenslange Sperre für Zwingli.

Auch darüber kann Ackermann nur den Kopf schütteln. «Ich weiss nicht, was ihn da geritten hat. Er war schliesslich auch nicht immer ein Vorbild – gerade wenns ums Griff-Fassen ging.»

Gegen Ende des Jahres geisterten dann Gerüchte über eine Degradierung von Zwingli durch die Schwing-Szene. Diese weist Ackermann bestimmt zurück. «Er hat unzählige richtige Entscheide getroffen. Ihn an den wenigen Fehlern aufzuhängen, wäre falsch.» 

Kritischer Blick auf Kampfrichter-Revolution

Um die Fehlerquote weiter zu senken, kommt es auf die neue Saison hin zu Anpassungen. Künftig werden zusätzliche Tablet-Helfer eingesetzt. Sie übernehmen administrative Aufgaben. Die Kampfrichter sollen sich stärker auf das Geschehen im Sägemehl konzentrieren können.

Zudem wird der Einsatz von Headsets getestet, um die Kommunikation zu verbessern. «Ich bin eher skeptisch und erwarte keinen riesigen Effekt. Aber vielleicht täusche ich mich.»

Genauso kritisch gibt er sich auch beim neuen Modell mit zwei Kampfrichtern im Sägemehl und nur noch einem am Tisch. «Ich frage mich, wie das auf engen Plätzen wie dem Brünig funktionieren soll.» 

In einer Krise abtreten? Sicher nicht!

Weiterhin nicht zur Diskussion steht eine Lohnerhöhung für die Kampfrichter. Staudenmann forderte das im Blick-Interview als Zeichen von Wertschätzung. «Mit mehr Geld wird die Qualität nicht besser. Im schlimmsten Fall zieht man Leute an, die aus falschen Gründen kommen.»

Im Lauf des Gesprächs spürt man die Leidenschaft, die Ackermann noch immer für seinen Job empfindet. Aufhören war deshalb für ihn trotz allem nie eine echte Option. «Wenn es einmal schwierig wird, läuft man nicht einfach davon!»

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