Darum gehts
- Schwingerkönig Joel Wicki beendete am Sonntagabend seine Karriere
- Damit endete auch die Zusammenarbeit mit Trainer Daniel Hüsler
- Dieser verrät, dass er vor zwei Jahren einen Schlaganfall erlitten hat
Die Erfolgsgeschichte von Schwingerkönig Joel Wicki (28) und Athletiktrainer Daniel Hüsler begann mit einer grossen Portion Skepsis. Es war vor mehr als zehn Jahren, als Esther Wicki mit ihrem Sohn bei Hüsler vorstellig wurde. Sie hörte davon, dass im von Hüsler geführten «Sport-Rock-Café» mit den modernsten Trainingsmethoden gearbeitet wird.
Zu diesem Zeitpunkt hatte Wicki bereits an diversen Jungschwingertagen triumphiert. Trotzdem war Hüsler skeptisch. «Ich glaubte, dass er für den ganz grossen Wurf zu kurz gewachsen sei», erinnert sich der Drittplatzierte des ESAF 1992 in Olten.
Gleichzeitig imponierte ihm die Einstellung von Wicki. «Als ich ihn gefragt habe, was er eines Tages erreichen will, antwortete er, ohne mit der Wimper zu zucken: ‹Schwingerkönig!›» Der Rest ist Geschichte.
Hüsler wollte so oder so kürzertreten
Was mit einem Engagement als Athletiktrainer in Teenagerjahren begann, entwickelte sich zu einer richtig dicken Freundschaft. Die auch nach dem Rücktritt von Wicki bestehen bleibt. «Wir haben so viele tolle Momente zusammen erlebt, das wird uns für immer verbinden.»
Am meisten fehlen werden Hüsler die harten Trainings. «Das war schon bei meinem Rücktritt als Schwinger so.» Erst liegen nach brutalen Einheiten alle am Boden – wenig später sitzt man beim Kaffee und hat es lustig. «Das sind jeweils tolle Momente.»
Der Willisauer hatte bereits im Herbst für sich entschieden, dass er die Betreuerrolle in dieser Form nicht weiter ausüben wird. «Ich war bei jedem Training von Joel dabei. Das ist brutal intensiv. Nun möchte ich wieder mehr Zeit mit meiner Familie verbringen.»
Probleme beim Autofahren
Hüsler bot Wicki an, gewisse Dinge weiterhin im Hintergrund zu erledigen. Doch der König spürte, dass sein Körper diese gewaltige Belastung nicht mehr verkraften konnte. Deshalb geht ihre Erfolgsgeschichte nun zu Ende.
Das hätte aber genauso gut auch bereits vor zwei Jahren passieren können. Dass es nicht so weit kam, verdankt Hüsler viel Glück. Zum einschneidenden Zwischenfall kam es auf der Rückfahrt von einem Schwingfest. «Ich sass im Auto, als plötzlich Lähmungserscheinungen auftraten», erzählt er. Hüsler rief sofort einen befreundeten Chefarzt an, der in der Nähe arbeitete.
Als er ihm seine Symptome schilderte, forderte dieser ihn auf, das Auto sofort abzustellen. Doch weil das Spital nur noch wenige Minuten entfernt war, fuhr Hüsler weiter – mit dem Chefarzt am Telefon. Dort stellte sich heraus, dass er einen Schlaganfall erlitten hatte. «Das ist mir brutal eingefahren. Weil dir in solchen Momenten bewusst wird, wie schnell es vorbei sein kann.»
Viele Gespräche mit viel Kaffee
Danach überlegte sich Hüsler lange, ob er die intensive Zusammenarbeit mit Wicki noch weiterführen wolle. Da er sich von diesem Schock-Erlebnis aber glücklicherweise bestens erholte, unterstützte der Willisauer seinen Schützling zwei weitere Jahre.
Nun ist aber endgültig Schluss. Bereits im Dezember teilte ihm Wicki seinen Entscheid mit. «Es war ein schleichender Prozess. Wir haben immer mal wieder einen Kaffee getrunken und darüber gesprochen.»
So richtig emotional wurde es deshalb nie. Vielmehr dominiert bei beiden die Vorfreude auf den neuen Lebensabschnitt.