Darum gehts
- Schwingerkönig Joel Wicki verkündet im «Sportpanorama» seinen Rücktritt
- Mit nur 28 Jahren zieht der Luzerner einen Schlussstrich unter seine Karriere
- Er gewann seinen ersten Kranzfestsieg mit 18 Jahren und fünf Monaten
Um 18.04 Uhr verfällt die gesamte Innerschweiz in Schockstarre. Schwingerkönig Joel Wicki (28) verkündet im «Sportpanorama» seinen Rücktritt. «Der Entscheid ist mir nicht leichtgefallen. Ich habe viel Zeit gebraucht. Nun freue ich mich aber auf einen neuen Lebensabschnitt.», erklärt der Luzerner.
Nach Pirmin Reichmuth (30) verliert der grösste Teilverband damit innerhalb kurzer Zeit auch sein zweites Aushängeschild. Dabei war zuletzt wieder Hoffnung aufgekeimt. Ein Rücktritt wurde allenfalls im Herbst erwartet.
Als diese Nachricht ausblieb, wuchs der Optimismus bei den Wicki-Fans. Dieser wurde nun auf brutale Art und Weise zerschlagen. «Nach dem ESAF hatte ich plötzlich Rückenschmerzen. Ich wusste nicht, woher das kam. Da fragte ich mich erstmals ernsthaft, ob ich das in Zukunft noch will», so der vierfache Stoos-Sieger.
Das Markenzeichen des Königs
Wicki führte sowohl am Mittagstisch als auch beim Abendessen intensive Zukunftsdiskussionen mit seinen Liebsten. «Teilweise schaute ich mir Videos aus meinen stärksten Phasen an. Das hat mich dann wieder motiviert.»
Doch nach einigen Trainings kam Wicki zum Schluss, dass es Zeit für ein neues Kapitel ist. «Der Körper war nicht mehr bereit, voll ans Limit zu gehen.» Obwohl Wicki bereits mit 28 Jahren zurücktritt, darf er auf eine grandiose Karriere zurückblicken. Er erreichte Dinge, die ihm so niemand zugetraut hätte.
Schliesslich war er mit seinen 1,83 Metern den Konkurrenten deutlich unterlegen. Doch schon früh deutete sich an, dass der Weg von Wicki einmal nach ganz oben führen könnte.
Der kleinste König seit Schläpfer
Mit 18 Jahren und fünf Monaten feierte er am Schwarzsee seinen ersten Kranzfestsieg. Die offensive Schwingart wurde zu seinem Markenzeichen. Dabei profitierte er von einer einzigartigen Explosivität, die er seinem Freund und Coach Daniel Hüsler zu verdanken hat.
Doch bevor sich Wicki die Königskrone aufsetzen lassen durfte, musste er sich mit dem Titel König der Herzen begnügen. Nach einem grandiosen Wettkampf unterlag er im Schlussgang des ESAF 2019 in Zug Christian Stucki (41).
Drei Jahre später reiste Wicki als Erstgekrönter nach Pratteln BL – und machte sich unsterblich. Im Schlussgang bodigte er Matthias Aeschbacher (33). Damit kürte sich Wicki zum kleinsten König seit Ernst Schläpfer (1,82 m, ESAF-Sieger 1980/1983). Einen weiteren Bubentraum erfüllte er sich im vergangenen Sommer. Erstmals triumphierte Wicki beim Bergklassiker auf dem Brünig.
Er bleibt dem Schwingsport treu
Nun also der Rücktritt und die Frage: Was kommt danach? Während diese bei anderen Schwingern äusserst interessant wäre, beantwortet sie sich bei Wicki von allein.
Denn neben dem Schwingsport führt Wicki seit mehreren Jahren einen Landwirtschaftsbetrieb sowie ein Baggerunternehmen. Nun kann er sich wieder voll darauf konzentrieren.
Wicki verlässt den Schwingplatz – aber nur als Athlet. «Ich selber habe unendlich viel profitiert, deshalb gebe ich gerne auch etwas zurück.» In Zukunft will er sich in der Jugendförderung engagieren. Immerhin das ist eine positive Meldung für die Innerschweiz.