Darum gehts
- Joel Wicki beendet seine Karriere mir nur 28 Jahren
- Der Schwingsport verliert einen Charakterkopf
- Sogar seine Feinde werden ihn bald vermissen
Der Schwingsport verliert mit dem Rücktritt von Joel Wicki (28) weit mehr als einen König. Mit ihm geht ein Vorbild, ein Spektakel-Garant – und eine Reizfigur. Der Luzerner polarisierte wie nur wenige Spitzenschwinger.
Und das, weil Wicki von Beginn an konsequent seinen eigenen Weg ging. Auf dem Schwingplatz hatte er oft Scheuklappen an. Tunnelblick statt Small Talk und Autogramme. Er brauchte schliesslich jeden Tropfen Energie, um sich mit seinen 1,83 Metern gegen die anderen Sägemehl-Riesen durchzusetzen. Das wirkte auf manche arrogant.
Wicki war nie ein König zum Anfassen – anders als sein Vorgänger Christian Stucki. Selbst wenn er sich einmal dazu durchrang, etwa in einem viralen Video mit Gen-Z-Vokabular, wirkte das alles andere als natürlich. Es passte nicht zu ihm.
Solche Charaktere verschwinden immer mehr
Deshalb wird Wicki wohl so schnell verschwinden, wie er gekommen ist. Als Teenager eroberte er die Schwing-Szene im Sturm mit seiner kompromisslos offensiven Schwingart. Nun dürfte er sich auf seinen Bauernhof in Sörenberg zurückziehen und die Ruhe geniessen.
Er wird auf jeden Fall fehlen. Auch den Berner Fans, die mit seiner Art bis zum Schluss nicht warm wurden. Denn Charakterköpfe wie Wicki werden rar. Und seien wir ehrlich: Sich über jemanden zu ärgern, gehört im Sport genauso dazu wie das Anfeuern der eigenen Athleten.