Darum gehts
- Samir Leuppi verpasst 2026 Kilchberger Schwinget wegen einer Schulterverletzung
- 2021 kostete eine Fehlentscheidung des Kampfrichters Leuppi den Schlussgang
- Fünf Jahre später denkt Leuppi noch immer über den verpassten Traum nach
Samir Leuppi (33) fällt auf die Knie und schlägt immer wieder ins Sägemehl. Rundherum jubeln die Zürcher Fans. Der Lokalmatador glaubt, soeben den wichtigsten Kampf seiner Karriere gewonnen zu haben. Doch dann realisiert Leuppi, dass etwas nicht stimmt.
Die Pfiffe von den Zuschauerrängen werden lauter. Das Duell gegen Bernhard Kämpf geht weiter – und endet gestellt. Fast fünf Jahre später sagt Leuppi zu Blick: «Diesen Kampf vergesse ich nie mehr. Ich werde mein Leben lang der Fast-Schlussgang-Teilnehmer am Kilchberger sein.»
Das Problem mit dem «Gut»
Es ist Leuppis erster Kilchberger als Schwinger und einer seiner besten Tage im Sägemehl. «Ich fühlte mich selten so gut wie damals.» Der Eidgenosse wird vom Heimpublikum getragen. Auch seine Liebsten sind vor Ort. «Sie haben mich beflügelt.»
Nach vier Gängen liegt er auf Schlussgang-Kurs. Dann folgt die Szene, die ihn bis heute beschäftigt. Leuppi bringt Kämpf mit einem Kurz zu Boden und setzt nach. Beide Schulterblätter seines Gegners landen im Sägemehl. Leuppi hört ein «Gut», löst den Griff und beginnt zu jubeln. Doch der Kampfrichter gibt das Resultat nicht.
Seine Begründung gegenüber Leuppi: Er habe beim entscheidenden Moment keinen Griff mehr gehabt. Das vermeintliche «Gut», das Leuppi zum Loslassen bewegt hat, kam offenbar von einem Zuschauer. «Ich habe extra noch nachgedrückt. Woher das ‹Gut› kam, war mir in diesem Moment egal. Ich weiss nicht, was ich hätte anders machen müssen.»
Ex-Schwinger-Boss gesteht Fehler ein
Nach dem vermeintlichen Sieg findet Leuppi nicht mehr zurück in den Kampfmodus. Sein Schlussgang-Traum platzt. «Für mich brach eine Welt zusammen.» Besonders bitter: Leuppi sollte später erfahren, dass sein Jubel durchaus berechtigt gewesen wäre.
In den Tagen danach schaut sich der damalige Technische Leiter Stefan Strebel die TV-Bilder mehrmals an. Er kam zum Schluss, dass «eine krasse Fehlentscheidung des Kampfrichters ihm die Teilnahme im Schlussgang gekostet hat». Strebel rief Leuppi an und entschuldigte sich persönlich. Eine Geste des inzwischen verstorbenen Funktionärs, die Leuppi sehr geschätzt hat.
Mentale Schwäche im falschen Moment
Die Enttäuschung über den verpassten Traum blieb allerdings. Bereits unmittelbar nach dem fünften Gang brachen die Emotionen aus Leuppi heraus. «Ich sass mit meiner Freundin abseits auf einer Wiese und weinte.» Auch in den Tagen danach fliessen Tränen.
Leuppi legt sein Handy weg und will keine Interviews geben. «Ich versuchte, alles runterzuschlucken.» Heute sagt er selbstkritisch: «Mental war ich nach der Entscheidung im fünften Gang zu schwach. Ich konnte diese nicht abhaken und normal weiterschwingen.» Vielleicht hätte er Kämpf so noch ein zweites Mal bezwingen können.
Nie mehr Kilchberger Schwinget für Leuppi
Mit dem verantwortlichen Platzkampfrichter hätte sich Leuppi gerne einmal ausgetauscht. «Leider hat dieses Gespräch bis heute nicht stattgefunden.» Böse ist er ihm nicht. «Kampfrichter sind Menschen. Wir alle machen Fehler», sagt er. Ganz losgelassen hat den Polizisten der letzte Kilchberger Schwinget trotzdem nie.
Noch heute wird Leuppi nervös, wenn ein Schwinger nach einem knappen Resultat den Griff löst und bereits jubelt. «Mir bleibt dann fast das Herz stehen. Ich denke immer: Hoffentlich wurde das Resultat wirklich gegeben.» Fünf Jahre später hätte Leuppi nun eine zweite Chance auf Zürcher Boden erhalten.
Doch eine Schulterverletzung zwingt den tragischen Helden des letzten Kilchberger zum Verzicht auf das Saisonhighlight. Damit bleibt sein denkwürdiger Auftritt 2021 sein erster und zugleich letzter. Eine Frage wird Leuppi deshalb wohl für immer begleiten: Was wäre gewesen, wenn?