Darum gehts
- Beim Aargauer Kantonalen sorgte eine Kampfrichter-Entscheidung für Aufregung
- Sinisha Lüscher wurde dadurch um den Schlussgang gebracht
- Nick Alpiger profitierte davon und gewann dann das Fest
Zunächst wird in der Arena in Rohr AG kräftig applaudiert. Doch nur Sekunden später kippt die Stimmung. Pfiffe und Buhrufe dominieren beim Aargauer Kantonalen! Sofort greift die Speakerin ein und ermahnt das Publikum. Dieses schüttelt jedoch weiter den Kopf. «Ich versteh die Welt nicht mehr», schreit einer. Was ist passiert?
Verantwortlich für die verärgerte Stimmung ist eine Entscheidung der Kampfrichter. Publikumsliebling Sinisha Lüscher (20) kämpft gegen Kaj Hügli (29) um den Einzug in den Schlussgang. Bei einem Sieg wäre dem Eidgenossen der Platz im finalen Kampf des Tages sicher. Und tatsächlich legt er seinen Gegner mit beiden Schulterblättern im Sägemehl platt auf den Rücken.
Lüscher mit starken Worten
Doch der Kampfrichter winkt ab und bittet die beiden Athleten, neu zu greifen. Er hat das Duell bereits vor dem Siegeswurf unterbrochen, da die Schwinger zu nah am Platzrand waren. Ein Entscheid zugunsten der Sicherheit der Athleten – der in diesem Fall zu früh kam? Diese Frage stellen sich nach dem Kampf alle.
Für die Fans von Lüscher ist der Fall klar: «Ihm wurde die Schlussgang-Teilnahme geklaut!» Lüscher selbst zeigt in diesem schwierigen Moment wahre Grösse. «Ich kann den Entscheid des Kampfrichters verstehen. Er wollte, dass Kai in Sicherheit ist und nicht neben das Sägemehl fällt», erklärt er.
Dann zeigt Lüscher aber doch noch, wie fest ihn der verpasste Schlussgang ärgert. «Es ist extrem bitter. Der Kampfrichter sagte dann ‹Halt›, als ich nach innen ziehe. Im ersten Moment war es für mich natürlich Scheisse. Aber im Schwingen passieren solche Fehler. Das gilt es zu akzeptieren.»
Harte Einteilung für Einheimischen
Während Lüscher die Enttäuschung verarbeitete, freuten sich Alpiger und seine Anhänger. Dank des umstrittenen Gestellten zog der Aargauer doch noch in den Schlussgang ein. Das gelang ihm, obwohl er im fünften Gang gegen Lars Voggensperger gestellt hatte. Eine Einteilung, die für viel Unmut sorgte.
Denn der auswärtige Lüscher erhielt mit Hügli eine einfachere Aufgabe als der einheimische Topfavorit – was viele nicht verstanden. Ohne das «Halt» des Kampfrichters im Lüscher-Gang wäre es am Aargauer zu einem reinen Solothurner Schlussgang gekommen.
So aber lebte der Traum vom Heimsieg. Und wurde um 17.37 Uhr dann doch noch Realität. Alpiger bodigte Marius Frank und feierte damit die perfekte Hauptprobe für das Stoos-Schwinget am kommenden Sonntag. Dann wird sich zeigen, wie stark Alpiger, Lüscher und Co. wirklich sind.