Die Schlussgänge
Zehnter oder erster Festsieg – diese Frage stellt sich vor dem Bruder-Duell zwischen Lario und Dorian Kramer im Schlussgang des Walliser Kantonalen. Beide wissen, sie müssen gewinnen, wollen sie den Triumph. Und sie verstecken sich nicht. Erst greift Lario an, dann sucht auch Dorian sein Glück. Nach rund vier Minuten fällt die Entscheidung. Lario Kramer legt seinen jüngeren Bruder platt aufs Kreuz. Bevor er sich feiern lässt, umarmen sich die beiden – ein emotionaler Moment. Damit feiert er seinen zehnten Festsieg – sein Bruder fällt auf Schlussrang 5 zurück.
Nach rund vier Minuten geht ein Raunen durchs Publikum des Aargauer Kantonalen. Marius Frank lanciert einen gefährlichen Angriff, bringt Nick Alpiger an den Rand der Niederlage. Aber der Aargauer kann sich ausdrehen und retten. Kurz darauf lanciert Alpiger einen Angriff – dieser wird ebenfalls abgewehrt. Auch danach ist einiges los zwischen den beiden. Die Hälfte der maximal zwölf Minuten Gangdauer ist längst abgelaufen. Je länger das Duell dauert, desto mehr schwinden die Kräfte. Die beiden liefern sich ein intensives Duell – welches letztlich im Bodenkampf entschieden wird. Alpiger drückt Frank auf den Rücken und verhindert die erfolgreiche Titelverteidigung.
Die Schlussranglisten
Die Siegerstimme
Lario Kramer: «Es ist immer schön, ein Schwingfest zu gewinnen. Vor dem Schlussgang ist es bisschen nebensächlich gewesen – weil es gegen meinen Bruder ging. Wir sind ein Team, unterstützen uns gegenseitig und kennen uns sehr gut. Der Schlussgang war extrem speziell. Der Sieg bedeutet mir enorm viel, ein Kranzfestsieg ist für mich nicht selbstverständlich.»
Nick Alpiger: «Jeder Gang war ein Schlüsselgang. Ich bin sehr froh, darf ich hier schwingen. Es ist wunderschön zu sehen, wie stark die Nordwestschweizer sind, wie viele um den Sieg kämpfen.»
Die verpasste Chance
Weil die Einteilung Nick Alpiger und Marius Frank am Aargauer Kantonalen in den Schlussgang schickt, wird Oliver Hermann der erste Festsieg seiner Karriere quasi auf dem Silbertablett serviert. Er trifft auf Enea Grob. Und beisst sich an ihm die Zähne aus. Anstatt den geforderten Plattwurf zu zeigen, muss er sich mit einem Gestellten begnügen. Und wird damit nicht zum Kranzfestsieger.
Die Titelverteidiger
Vor Jahresfrist hat Lario Kramer das Walliser Kantonale gewonnen. Er tritt zur Titelverteidigung an. Beim Aargauer Kantonalen hat letztes Jahr Marius Frank gejubelt. Auch er ist erneut am Start. Beide ziehen erneut in den Schlussgang ein. Während Kramer seinen Titel verteidigen kann, gelingt das Frank nicht.
Das verhinderte Kuriosum
Bevor Nick Alpiger und Marius Frank in Aarau für den Schlussgang ins Sägemehl schreiten, zeigt ein Blick auf die Rangliste, dass es einen Sieg im Duell braucht, um das Fest zu gewinnen. Würden die beiden stellen, gäbe es ein Kuriosum sondergleichen. Denn gleich sieben Schwinger führen punktgleich: Benno Heinzer, Kaj Hügli, Pascal Joho, Aaron Rüegger, Robin Studinger sowie die beiden Eidgenossen Tim Roth und Joel Strebel. Sie würden sich den Festsieg teilen – und Benno Heinzer würde den Muni mit in die Innerschweiz nehmen. So weit kommt es letztlich nicht, weil Alpiger Frank bodigen kann.
Das Bruder-Duell
Lario Kramer (27) wird beim Walliser Kantonalen seiner Favoritenrolle gerecht und zieht trotz Gestellten im 5. Gang auf souveräne Art und Weise in den Schlussgang ein. Dort trifft er auf einen Gegner, den er sehr gut kennt: seinen jüngeren Bruder Dorian Kramer (26). Zweimal hat es dieses Duell schon gegeben – allerdings noch nie bei einem Kranzfest. Sowohl 2021 als auch 2022 hat Lario seinen Bruder auf den Rücken gelegt. Und auch im dritten Kramer-Duell gibt es das gleiche Resultat.
Die ungewohnte Szene
Tiago Vieira sorgt am Morgen für verdutzte Gesichter im Aargau. Nach einem ersten Angriff steht er auf und verlässt die Arena. Wohin er geht, ist zunächst unklar. Ebenso was ihn dazu bewegt. Einige Minuten später kehrt er zurück und setzt sein Auftaktduell fort. Es endet gestellt. Gegenüber Tele M1 liefert er die Erklärung für seinen plötzlichen Abgang. «Ich musste ganz dringend aufs WC.» So etwas hats wohl noch nie gegeben. Auch Vieira muss schmunzeln, als er anfügt: «Heute ist es 25 Jahre, dass ich schwinge, aber das ist mir noch nie passiert.» Für den 34-Jährigen ist es der letzte Auftritt im Sägemehl, er beendet mit dem Aargauer Kantonalen seine Karriere. «Mein Ziel ist es, den Tag zu geniessen und es noch ein letztes Mal so richtig aufzusaugen.» Zum Abschluss seiner Karriere bodigt er Joshua Nussbaumer, so stehen drei Siege und drei Gestellte zu Buche. Die Fans feiern Vieira noch einmal – dann hängt er die Zwilchhose symbolisch an den Nagel.
Die kurzfristige Absage
Eigentlich hätte Andreas Döbeli nach fast einjähriger Verletzungspause beim Aargauer Kantonalen sein Comeback geben wollen. Doch am Sonntagmorgen fehlt sein Name in den Spitzenpaarungen wieder. Der Grund: Döbeli ist krank. «Ich bin seit Donnerstagnacht am kränkeln (Fieber und Kopfweh) und bringe die Energie aktuell nicht hin», teilt der Eidgenosse mit. Unter diesen Voraussetzungen würde für ihn ein Comeback keinen Sinn machen. «Ich muss mich körperlich und mental bereit fühlen, um wieder in den Wettkampf zurückzukehren.»
Das Comeback
Joel Strebel hat sich im April einen Innenbandriss zugezogen. Nun gibt er bei seinem Heim-Kantonalen das Comeback. Und macht einen starken Eindruck. Am Morgen gibts einen Gestellten und zwei Blitzsiege. Daran kann er am Nachmittag nicht mehr ganz anknüpfen. Er landet im Duell mit Marius Frank auf dem Rücken
Der Zaungast
Unter den Zuschauern beim Aargauer Kantonalen ist auch ein Ex-Mister-Schweiz. Renzo Blumenthal ist eingeladen worden und hat sich spontan dazu entschieden, aus dem Bündnerland anzureisen. «Ich bin ein Schwing-Fan», sagt er gegenüber Tele M1. In jungen Jahren sei er auch selber in die Zwilchhosen gestiegen. Und wem drückt er die Daumen? «Mir gefallen Nick Alpiger und Sinisha Lüscher – die verfolge ich.»
Die Dernière
Am Samstag hat Andy Murer mit den Spitzenplätzen am Urner Kantonalen nichts zu tun. Er verpasst einen Kranz deutlich. Dennoch wird er gefeiert – denn er verabschiedet sich von seinem Heimpublikum. Für ihn ist es das letzte Innerschweizer Fest seiner Karriere. Am nächsten Tag verabschiedet er sich von seinem zweiten Heimpublikum. Denn der Innerschweizer wohnt inzwischen im Wallis. Und das Walliser Kantonale ist das finale Fest seiner Karriere. Er beendet es mit einem Plattwurf, der ihm den 26. Kranz seiner Karriere bringt. Danach wird er noch einmal gefeiert – und hängt die Zwilchhose symbolisch an den Nagel.
Das Missgeschick
Zum fünften Mal in diesem Jahr treffen im 1. Gang des Aargauer Kantonalen Sinisha Lüscher und Nick Alpiger aufeinander. Ein Duell hat Alpiger gewonnen, dreimal trennten sie sich ohne Sieger. Und in Aarau Rohr? Auch da gibts einen Gestellten – inklusive Missgeschick von Lüscher. Als er sich kriechend in Richtung Platzrand rettet, verliert er einen Schuh. Bevor wieder in der Mitte gegriffen werden kann, muss er ihn deswegen erst wieder anziehen.
Die Bedingungen
Am Morgen ist es noch etwas kühl, aber sobald die Sonne auf die beiden Schwing-Arenen scheint, wird es angenehm warm. Sowohl in Naters als auch in Aarau Rohr geht das Fest bei schönem Wetter über die Bühne.
So geht es weiter
Kommendes Wochenende gehen vier Feste über die Bühne. Am Samstag steigen das Bündner-Glarner sowie das Jurassische Schwingfest. Tags darauf steht mit dem Stoos das erste Bergfest des Jahres auf dem Programm. Zeitgleich findet das Oberländische statt.
Der Schwing-Sonntag im Ticker
AG: Alpiger triumphiert
Schlussgang – Marius Frank und Nick Alpiger schenken sich im Schlussgang nichts. Beide suchen die Offensive, beide greifen an. Denn sie wissen, nur ein Sieg reicht für den Triumph. Nach rund acht Minuten fällt die Entscheidung. Im Bodenkampf drückt Alpiger seinen Gegner auf den Rücken.
AG: Kuriosum möglich
Stellen Nick Alpiger und Marius Frank im Schlussgang, haben wir nicht einen, nicht zwei, nicht drei sondern gleich sieben Festsieger! Ob es zu diesem Kuriosum kommt, wird sich bald zeigen. Der Schlussgang läuft.
VS: Lario Kramer triumphiert
Schlussgang – Im Bruder-Duell suchen beide ihr Glück. Letztlich ist es Lario Kramer, der seinen jüngeren Bruder Dorian aufs Kreuz legt. Danach gibts einen emotionalen Moment, die beiden umarmen sich und geniessen den Moment.
AG: Lüscher und Roth siegen
6. Gang – Auch in Aarau rückt der Schlussgang näher. Sinisha Lüscher bodigt Adrian Reinhard zum Abschluss, Tim Roth tut gleiches mit Niklaus Scherer, während Joel Strebel Franz-Toni Kenel bezwingt und Adrian Odermatt Luis Hasler ins Sägemehl bettet.
AG: Schlussgang steht fest
Lange hat es gedauert, nun ist klar, wer den letzten Kampf des Tages bestreiten wird. Nick Alpiger und Marius Frank greifen zusammen. Oliver Hermann, der ebenfalls dafür infrage gekommen wäre, trifft auf Enea Grob. Mit einem Sieg hat er die Chance, Co-Sieger zu werden – oder den alleinigen Triumph zu erben.
VS: Schlussgang rückt näher
6. Gang – In Naters rückt der Schlussgang immer näher. Zahlreiche Schwinger haben ihren letzten Gang bereits hinter sich gebracht. Leon Pellet bodigt Nathaël Cardniaux, Steve Duplan bezwingt Hugo Schläfli und Romain Collaud legt Antoine Ducry aufs Kreuz.
Keinen Sieger gibts zwischen David Aebersold und Silvan Zbinden, NIcolas Sturny und Luc Varone sowie Christoph Baeriswyl und Mickaël Matthey.
Derweil bringt Andy Murer den letzten Kampf seiner Karriere hinter sich. Zum Abschluss gibts noch einmal eine Maximalnote. Diese holt er sich gegen Fabio Portmann.
Die Ausgangslage vor dem Schlussgang: Es muss ein Sieg her, sonst steht Romain Collaud bereit, um den Sieg zu erben.
AG: Trio kommt für Schlussgang infrage
5. Gang – Nach vier Minuten brandet Jubel in der Arena auf. Sinisha Lüscher hat Kaj Hügli vermeintlich auf dem Rücken. Aber der Kampfrichter gibt das Resultat nicht, er hat den Kampf bereits vorher unterbrochen, weil es für ihn zu nah an den Platzrand ging. Dieser Entscheid sorgt für Unmut – Pfiffe und Buhrufe hallen über den Platz. Die Speakerin ermahnt die Zuschauenden, dass sich das für ein Schwingfest nicht gehört. In den verbleibenden zwei Minuten gelingt kein entscheidender Angriff mehr, das Duell endet gestellt. Lüscher verpasst damit den Schlussgang.
Mit einem Plattwurf kann Marius Frank das Ticket für den letzten Kampf des Tages lösen. Er lanciert gegen Aaron Rüegger einen Angriff nach dem anderen – und sieht alle abgewehrt. Erst kurz vor Schluss gelingts ihm doch noch, seinen Gegner zu bodigen. Die Maximalnote verpasst er allerdings.
So sind der Solothurner Frank sowie die beiden Aargauer Hermann Oliver und Nick Alpiger nach fünf Gängen an der Spitze der Rangliste. Und die Einteilung entscheidet, wer sie in den Schlussgang schickt.
AG: Roth verpasst Schlussgang – Alpiger zittert
5. Gang – Joel Strebel bleibt bei seinem Comeback auf Kranzkurs. Er legt Tobias Dünner platt aufs Kreuz. Ebenfalls siegreich ist Adrian Odermatt. Gegen den 17-jährigen Timo Gisler verpasst er allerdings die Maximalnote.
Um im Rennen um den Schlussgang zu bleiben, braucht Tim Roth einen vierten Sieg. Im Eidgenossen-Duell findet er das Erfolgsrezept allerdings nicht, ist zu passiv unterwegs. So muss er Sascha Streich stehen lassen – und verpasst damit den letzten Kampf des Tages.
Der Führende Nick Alpiger bekommt Lars Voggenspeger vorgesetzt. Am Eidgenossen beisst er sich die Zähne aus. Er probiert einiges, die Aktionen bleiben allesamt erfolglos. Das Duell endet gestellt. Alpiger wird mit Note 9,00 belohnt, muss nun aber um die Teilnahme am Schlussgang zittern.
AG: Spitzenpaarungen 5. Gang
Tobias Dünner – Joel Strebel
Timo Gisler – Adrian Odermatt
Kaj Hügli – Sinisha Lüscher
Marius Frank – Aaron Rüegger
Tim Roth – Sascha Streich
Nick Alpiger – Lars Voggensperger