Erst ohne Sponsoren, nun Profi
So extrem hat sich Unspunnen-Sieger Giger verändert

Samuel Giger hat seinen Job als Lastwagenchauffeur aufgegeben und lebt nun als Profisportler von Sponsorengeldern. Der einstige Gegenentwurf zum modernen Schwinger hat sich Schritt für Schritt verändert.
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Samuel Giger gehört seit seinen ersten Erfolgen im Schwingsport zu den gefragtesten Athleten.
Foto: BENJAMIN SOLAND

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Samuel Giger war früher der Traditionalisten-Liebling – heute arbeitet er nicht mehr
  • Er lehnte Sponsoren ab, nun finanziert er sich durch Sponsorengelder
  • Der Thurgauer hat auch menschlich einen Wandel durchgemacht
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Nicola AbtReporter Sport

Samuel Giger (28) hatte keine Website. Kein Social-Media-Profil. Und Sponsorenanfragen lehnte er grundsätzlich ab. Der Thurgauer galt lange als Gegenentwurf zum modernen Spitzenschwinger.

Während andere Athleten ihr Umfeld professionalisierten und Werbeverträge abschlossen, ging Giger bewusst einen anderen Weg. «Ich war noch nicht reif genug. Zudem wollte ich mich zuerst auf den Schwingsport und die Ausbildung konzentrieren», erklärte er einst.

Mit dieser Haltung sammelte er bei vielen Traditionalisten Pluspunkte. Für die Kritiker der zunehmenden Vermarktung des Nationalsports verkörperte er das Idealbild eines Schwingers. Umso bemerkenswerter ist sein Wandel.

Perfekte Werbevoraussetzungen

Vor kurzem machte Giger öffentlich, dass er seine Arbeit als Lastwagenchauffeur aufgegeben hatte. Heute bezeichnet er sich offen als Profisportler. Seinen Lebensunterhalt finanziert er mittlerweile grösstenteils durch Sponsorengelder.

«Heute fahre ich nicht mehr Lastwagen»
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Giger macht Profi-Geständnis:«Heute fahre ich nicht mehr Lastwagen»

Möglich gewesen wäre das auch schon viel früher. Kaum ein Schwinger brachte bessere Voraussetzungen für lukrative Werbeverträge mit als Giger. Bereits mit 17 Jahren gewann er sein erstes Kranzfest. Ein Jahr später machte er sich am ESAF in Estavayer FR mit Rang zwei zum Eidgenossen.

Zu den sportlichen Erfolgen kam sein Auftreten. Giger war und ist ein Modellathlet. 1,94 Meter gross und damals rund 115 Kilo schwer. Für viele galt er als Traumschwiegersohn. Entsprechend gross war das Interesse von Werbepartnern. Auch einige Manager meldeten sich beim Supertalent.

Kein zusätzlicher Druck durch Sponsoren

Doch Giger lehnte alle Anfragen ab. «Ich war aber mit meinem familiären Umfeld sehr gut aufgestellt», erzählte er rückblickend. Experten schätzten bereits vor einigen Jahren, dass dem Thurgauer durch seinen Verzicht auf Sponsoren mehrere Hunderttausend Franken entgangen sind.

Giger nahm das bewusst in Kauf. «Ich wollte mir keinen zusätzlichen Druck aufladen. Wer Sponsoren hat, muss Kompromisse eingehen und Auftritte absolvieren. Das ist auch in Ordnung. Der Geldgeber will schliesslich eine Gegenleistung.» Schon in anderen Bereichen überraschte Giger mit seinen Entscheidungen.

Vor sechs Jahren öffnete sich Giger

Als Königsanwärter wäre er ein idealer Kandidat für die Spitzensport-RS gewesen. Stattdessen entschied er sich für die Motorfahrer-RS. Der Grund war pragmatisch. Er wollte im Militär die Lastwagenprüfung absolvieren.

Später arbeitete er Vollzeit als Lastwagenchauffeur. «Mein Job ist gut fürs Gemüt», sagte er damals. Erst mit weiteren sportlichen Erfolgen begann sich sein Leben zu verändern. Schritt für Schritt reduzierte der Thurgauer sein Arbeitspensum.

Gleichzeitig änderte sich Gigers Haltung zum Thema Vermarktung. 2020 wurde er auf den Social Media aktiv. Kurz darauf präsentierte der 38-fache Kranzfestsieger mit Lidl seinen ersten grossen Hauptsponsor. Dahinter steckte allerdings nicht der Wunsch nach mehr Aufmerksamkeit.

Als Mensch verändert

Vielmehr erkannte Giger, dass sich sein sportlicher Ehrgeiz und die Arbeit immer schwieriger vereinbaren liessen. Um seinem grossen Ziel, dem Königstitel, näherzukommen, schuf er sich mehr Freiräume für Training und Regeneration.

Die Entwicklung setzte sich in den folgenden Jahren fort. Das Arbeitspensum wurde kleiner, die Zahl der Sponsoren grösser. Irgendjemand musste die zusätzlichen Trainingsstunden schliesslich bezahlen. Gleichzeitig veränderte sich auch Giger selbst.

Der früher oft zurückhaltende Thurgauer wirkt heute lockerer und zugänglicher. Sponsorentermine und Medienauftritte betrachtet er längst nicht mehr als notwendiges Übel. Trotzdem blieb er seiner Linie treu.

Giger offen für weitere Sponsoren

Noch heute wählt er seine Partner sorgfältig aus. «Die Strategie ist nicht, unzählige neue Sponsoren zu holen. Das wäre auch nicht authentisch», betont er. «Dass zwei, drei oder vier neue Partner dazukommen, ist aber möglich.»

Aus dem Schwinger, der einst sämtliche Sponsorenanfragen ablehnte, ist ein Profisportler geworden. Einer, der mittlerweile von Sponsorengeldern lebt. Einer, der sich vermarktet. Aber keiner, der alles mit sich machen lässt.

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