Darum gehts
- Samuel Giger gewinnt den Kilchberger Schwinget
- Kritik an angeblich zu leichten Gegnern bis zum fünften Gang
- Schwinger-Boss Beglinger wehrt sich – Giger ein verdienter Sieger
Die Schwing-Szene staunt über das beeindruckende Comeback von Samuel Giger (28). König Armon Orlik (31) schwärmte nach dessen zweitem Triumph beim Kilchberger Schwinget: «Sämi ist ein grosser Champion.»
Doch unter die Lobeshymnen mischen sich auch Misstöne. Experten sehen einen Makel bei Gigers Triumph. Bis zum fünften Gang habe der Vollprofi zu wenig starke Gegner vorgesetzt bekommen, so die Meinung einiger. Bereits die Einteilung im Anschwingen sorgte für Diskussionen.
Diskutable Einteilung im vierten Gang
Mit Matthias Aeschbacher traf Giger auf einen Gegner, der nach einer Verletzungspause selbst mit Fragezeichen anreiste. Aeschbacher musste den Wettkampf nach drei Niederlagen verletzungsbedingt abbrechen. Dass er körperlich derart grosse Probleme haben würde, war nicht absehbar.
Von einer Bevorteilung Gigers will Einteilungschef Beglinger deshalb auch im Nachhinein nichts wissen. «Das ist Blödsinn. Mit Sinisha Lüscher bekam Sämi bereits im zweiten Gang einen starken Gegner. Danach wartete mit Michael Ledermann ein sehr unangenehmer Schwinger auf ihn.»
Ledermann wurde Giger prompt zum Verhängnis. Der Berner fügte ihm im dritten Gang die einzige Niederlage des Tages zu. Die Reaktion der Einteilung auf diesen Rückschlag sorgte dann aber erneut für Unverständnis. Giger bekam im vierten Gang Patrick Betschart zugeteilt.
Der Innerschweizer hat in dieser Saison keinen Bergkranz gewonnen. Für die Kritiker ein weiteres Indiz dafür, dass Giger von der Einteilung geschont wurde. Zumal der Vergleich mit Damian Ott Fragen aufwirft. Auch der Kilchberger-Sieger von 2021 hatte zuvor verloren. Im vierten Gang erhielt er aber den Topfavoriten Fabian Staudenmann vorgesetzt.
Wunsch-Duell um den Schlussgang
Darauf angesprochen, sagt Beglinger: «Betschart lag zu diesem Zeitpunkt weit vorne und brauchte einen Brocken. Deshalb habe ich ihm Sämi gegeben.» Bei Staudenmann waren die Überlegungen ähnlich. «Ott gehörte für mich zu diesem Zeitpunkt zu den Stärksten, die ich ihm zuteilen konnte.»
Im fünften Gang gab es dann nichts mehr zu diskutieren. Giger erhielt mit Michael Moser einen der grossen Favoriten vorgesetzt und bodigte ihn in eindrücklicher Manier. «Diese Paarung haben sich viele gewünscht. Sämi ist für mich ein würdiger und verdienter Festsieger.»
Das Problem mit der Zeit
Bei einem anderen Punkt sieht der Einteilungschef dagegen Verbesserungspotenzial. «Das Zeitmanagement am Morgen war sicher nicht optimal.» Die Mittagspause begann erst um 12.45 Uhr statt um 12 Uhr und fiel entsprechend kurz aus.
In den ersten beiden Gängen hätte die Kampfdauer deshalb von sieben auf sechs Minuten reduziert werden sollen. Darauf verzichtete man im Vorfeld bewusst. «Wir wollten die Schwinger belohnen, die gut trainiert haben.» Nach den Erfahrungen vom Samstag sagt Beglinger: «Für die Zukunft müssen wir uns das nochmals überlegen.»