Ein Name enttäuscht
Supertalent führt das grosse Schwing-Ranking an

Ein Viertel der Kranzfestsaison ist bereits vorbei. Blick und der fünffache Stoos-Sieger Philipp Laimbacher ziehen Bilanz. Wer konnte überzeugen und wer hat enttäuscht?
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Nicola AbtReporter Sport

Blick-Ranking

1. Michael Moser
2. Damian Ott
3. Fabian Staudenmann
4. Nick Alpiger
5. Lukas Bissig

Michael Moser begeistert über die Berner Kantonsgrenzen heraus. Es gibt aktuell kaum einen Schwinger, dem man lieber zuschaut. Am Oberaargauischen lieferte der 20-Jährige ein Meisterstück ab. Er bezwang mit Curdin Orlik und Jan Wittwer gleich zwei extrem unangenehme Gegner. Auffällig ist neben seiner technischen Finesse vor allem die Leichtigkeit, mit der Moser inzwischen schwingt. Zu Saisonbeginn wirkte er teilweise noch etwas verkrampft. 

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Michael Moser überzeugte zuletzt am Oberaargauischen Schwingfest. Deshalb ist er die Nummer eins im Blick-Ranking.
Foto: keystone-sda.ch

Von Anfang an überzeugt hat Kilchberger-Sieger Damian Ott. Sein gefürchteter Münger-Murks funktioniert ausgezeichnet und macht den Bodenspezialisten brandgefährlich. Der Sieg gegen Samuel Giger im Schlussgang am Thurgauer Kantonalen war ein echtes Ausrufezeichen. Ott agiert aktiver als auch schon und das, obwohl seine Fingerverletzung noch nicht vollständig ausgeheilt ist. Die Niederlage gegen Sales Tschudi am Glarner-Bündner war ein Ausrutscher. 

Trotz Rang 3 bleibt Fabian Staudenmann einer, wenn nicht der kompletteste Schwinger überhaupt. Allerdings fehlt ihm aktuell noch etwas die Dominanz früherer Tage. Seine Kämpfe dauern länger, und er wirkt noch nicht ganz so zwingend offensiv. So hätte er einen Jan Witter vor zwei Jahren in dieser Ausgangslage am Boden noch bezwungen. Ein Grund dafür ist, dass er körperlich wegen seiner ausgedehnten ESAF-Analyse noch etwas im Rückstand ist.

Mit zwei Kranzfestsiegen hat Nick Alpiger seinen Status als Nummer eins der Nordwestschweizer zementiert. Der Aargauer wirkt athletischer und dynamischer denn je. Auch bei den Rangschwingfesten wusste er mit guten Leistungen zu überzeugen. Allerdings sind seine Gegner in der Nordwestschweiz schwächer als beispielsweise jene im Bernbiet. In dieser Form wird er bei den Bergfesten jedoch eine gute Rolle spielen können.

Komplettiert werden die Top 5 von Lukas Bissig. Der Innerschweizer liefert bislang eine beeindruckend konstante Saison ab. 26 Siege in 28 Kämpfen. Darunter der Triumph am Schwyzer Kantonalen, wo er im Schlussgang Eidgenosse Michael Gwerder bezwang. Langfristig wird er die Nummer eins in der Innerschweiz.

Der König

Armon Orlik fehlt im Ranking. Zwar gewann der Titelträger das Glarner-Bündner, restlos überzeugte er aber nicht. Im Schlussgang bekundete Orlik gegen den erst 17-jährigen Sales Tschudi lange Mühe und gewann erst nach über sechs Minuten. Zudem fehlt ihm bislang ein Sieg gegen einen ganz grossen Namen. Auch wirkt Orlik noch nicht so spritzig wie in seinen besten Tagen – was in seinem Umfeld bewusst so gesteuert wird. Der Fokus liegt klar auf dem Kilchberger Anfang September.

Die Überraschung

Hat vor der Saison jemand den Namen Sales Tschudi gekannt? Wohl nur die ganz eingefleischten Schwingfans und jene Glarner, die seit Jahren nach einem Nachfolger für Eidgenosse Roger Rychen lechzen. Spätestens seit Pfingstmontag ist das anders.

Mit seinem Auftritt am Glarner-Bündner Kantonalen katapultierte sich der 17-jährige Tschudi ins Rampenlicht. Der junge Glarner bodigte sensationell Kilchberg-Sieger Damian Ott und stellte im Schlussgang selbst Schwingerkönig Armon Orlik vor Probleme. Bereits zuvor hatte er am Thurgauer Kantonalen mit dem Kranzgewinn auf sich aufmerksam gemacht. Dort stellte er Eidgenosse Domenic Schneider.

Tschudi überzeugt vor allem mit seiner mutigen und unbekümmerten Art. Er schwingt offensiv, sucht die Entscheidung und zeigt erstaunlich wenig Respekt vor grossen Namen. Die Frage ist nun, wohin sein Weg führt. Technisch bringt Tschudi gute Ansätze mit. Körperlich ist aber noch Luft nach oben. Aktuell kratzt der Glarner erst an der 1,80-Meter-Marke. Für die ganz grossen Erfolge im modernen Schwingsport schaden ein paar zusätzliche Zentimeter bekanntlich nicht. 

Die Enttäuschung

Aufgrund mehrerer Verletzungen suchen die Nordostschweiz dringend nach Unterstützung für ihre vier Sägemehl-Titanen Giger, Ott, Orlik und Schlegel. Eigentlich ein Fall für Domenic Schneider. Doch bislang enttäuschte der Eidgenosse. Beim Thurgauer Kantonalen verpasste der Publikumsliebling überraschend den Kranz. Das ist ihm bei seinem Heimfest zuletzt 2012 (!) passiert.

Am Zürcher Kantonalen wiederum legte ihm die Einteilung den roten Teppich Richtung Schlussgang aus. Vier Normalkranzer bekam der Eidgenosse vorgesetzt. Gegen Giger war Schneider dann wie so oft chancenlos. Der verhaltene Saisonstart lässt sich zu einem Teil damit erklären, dass der Landwirt im Winter weniger trainiert als andere. Bald einmal sollte sein Dieselmotor aber in Gang kommen. Ein positives Zeichen für die Ostschweizer ist Schneiders Kranzgewinn am Luzerner. 

Einen enttäuschenden Mai erlebte auch Schlegel. Vor der Saison galt der ESAF-Schlussgänger im Lager der Nordostschweizer als stärkster Schwinger. Am Thurgauer dominierte er Giger, doch dieser konterte ihn blitzsauber aus. Nach einem Gestellten gegen Andrin Habegger verabschiedete er sich vor dem Mittag aus dem Schlussgang-Rennen. Danach verletzte er sich auch noch und durfte knapp zwei Wochen nicht schwingen. Erneut muss Schlegel im Frühsommer pausieren. Eine Entwicklung, die in seinem Team ganz genau beobachtet wird und eine genauere Analyse zur Folge hat. 

Philipp Laimbachers Ranking

1. Nick Alpiger
2. Michael Moser
3. Lukas Bissig
4. Fabian Staudenmann
5. Michael Gwerder

Der erste Platz auf meiner Liste wird einige überraschen. Aber Nick Alpiger hat von allen Spitzenschwingern seine Pflichtaufgaben bisher am überzeugendsten erledigt. Er hat keinen «faulen» Gang drin. Sowohl bei Kranz- als auch bei Rangfesten lieferte er jedes Mal ab. Seine zwei Kranzfestsiege unterstreichen das. Dicht dahinter folgt Michael Moser. Was das Berner Supertalent am Oberaargauischen zeigte, war sensationell. Einen Curdin Orlik zu bezwingen, ist eine der schwersten Aufgaben im Schwingsport. Das auf diese souveräne Art und Weise zu tun, davor ziehe ich meinen Hut.

Wenn wir von Talenten sprechen, müssen wir auch den Namen von Lukas Bissig erwähnen. Der Urner hinterlässt einen guten Eindruck auf mich. Er liess gegen Brünig-Sieger Walther nichts anbrennen. Von fünf Schwingfesten in diesem Jahr konnte Lukas vier gewinnen. Ihn vor Staudenmann zu platzieren, ist sicher mutig, aber die Ansprüche an den Kilchberger Sieger sind auch unglaublich hoch.

Vor zwei Jahren machte er mit seinen Gegnern kurzen Prozess. In dieser Saison schwingt er deutlich länger mit ihnen. Als Letzter auf meiner Liste hat es «Mister Konstanz» geschafft. Michael Gwerder stand schon bei drei Kranzfesten im Schlussgang. Einzig am Mittelländischen hatte er einen Taucher. Alles in allem hat er bewiesen, dass er mit den starken Schwingern mithalten kann.

Die Überraschung

Daniel Tschumi ist für mich bislang einer der Aufsteiger dieser Saison. Der 20-jährige Oberaargauer schwingt erstaunlich frech auf. Besonders imponierte er mir am Mittelländischen, als er gegen Fabian Staudenmann mutig die Offensive suchte. Vor dieser Saison besass er gerade einmal einen Kranz. Inzwischen sind es bereits drei. Mit seiner schönen Postur und technischen Finesse wird er künftig noch einigen Spitzenschwingern Probleme bereiten. Vorausgesetzt, er bleibt nun endlich einmal verletzungsfrei. 

Die Enttäuschung

Adrian Walther blieb bisher hinter meinen aber bestimmt auch seinen eigenen Erwartungen zurück. Ich erinnere mich noch daran, wie er 2022 den Brünig und das Berner Kantonale gewann und ich mir sicher war, dass ihm noch viele grosse Siege gelingen würden. Seither stagniert er – wenn auch auf hohem Niveau. Vor allem sein Auftritt am Schwyzer Kantonalen enttäuschte mich. Einen Carlo von Rickenbach müsste Walther bezwingen können. Und Lukas Bissig brachte er nie in eine gefährliche Situation. Für einen Mann mit seinem Potenzial ist das zu wenig. Abschreiben darf man Walther aber nie. Die Saison ist noch jung, und ich bin mir sicher, dass er noch mehr aufdrehen wird. 

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