Darum gehts
Die Organisatoren rechneten mit maximal 15'000 Zuschauern. Nun werden am Sonntag rund 26'000 Schwingfans ins Wankdorf strömen. «Das ist genial!», jubelt der Medienverantwortliche Reto Zbinden.
Die Freude ist riesig. Die Herausforderung auch. Ein Berner Kantonales in dieser Grössenordnung hat es noch nie gegeben. «Wir konnten uns auf keine Erfahrungswerte stützen», erklärt Gastro-Chef Martin Geiger. Ihn beschäftigten gleich mehrere Fragen.
Wie viele Würste braucht es für 26'000 Besucher? Wie viel Bier? Die Antworten darauf hat Geiger mittlerweile gefunden: 19'000 Würste, 5 Tonnen Pommes frites, eine Tonne Älplermagronen, 40'000 Liter Bier, 6700 Liter Most, 5000 Liter Wein sowie 45'000 Liter Mineral- und Softgetränke stehen bereit.
Eine Garderobe ist tabu
An den Verpflegungsständen können die Organisatoren auf erfahrene Kräfte zählen. Zum Einsatz kommt das gleiche Catering wie bei den Heimspielen von YB. «Dort sollen Leute am Werk sein, die wissen, wo die Geräte stehen», sagt Zbinden. «Wenn am Mittag alle miteinander etwas essen wollen, muss das effizient funktionieren.»
Mit Würsten und Bier allein ist es allerdings nicht getan. Für das Schwingfest muss sich das Wankdorf verwandeln. Die Stehrampe wird durch Sitzplätze ersetzt. Und sämtliche Werbung in der Arena wird abgedeckt. Das verlangt das Reglement des Eidgenössischen Schwingerverbands.
Zusätzliche Tribünen oder andere Grossbauten braucht es hingegen nicht. Das Wankdorf bringt die nötige Infrastruktur bereits mit. Davon profitieren auch die Schwinger. Sie können die Gäste-Garderoben benutzen. Die Kabine der YB-Profis hingegen bleibt tabu. Auch wenn sich die Fussballer während des Schwingfests im Trainingslager im österreichischen Ötztal befinden.
SRF-Signal im Stadion zu sehen
Am Donnerstag kommen die Lastwagen mit dem Sägemehl an. Weil diese aber nicht auf den Kunstrasen fahren dürfen, werden Pressballen mit Sägemehl ins Stadion gerollt. Insgesamt werden fünf Sägemehlringe aufgebaut.
Auf den Grossbildschirmen sollen die Zuschauer nicht nur das SRF-Signal verfolgen können. Auch Zwischenranglisten und weitere Informationen werden dort für die gut 26'000 Zuschauer eingeblendet.
Die Rekordkulisse kommt nicht von ungefähr. Das Berner Kantonale erinnert an ein kleines Eidgenössisches. Zudem werden gleich mehrere der brennendsten Fragen dieser Saison beantwortet.
König Orlik steht unter Beobachtung
Da ist zum einen Kilchberger-Titelverteidiger Fabian Staudenmann (26). Der Berner hinkt seiner Topform noch hinterher, und man fragt sich: Wie gut ist der ehemalige Saisondominator wirklich? Zwar klassierte er sich stets in den Spitzenrängen, zuletzt blieb er am Nordostschweizer aber deutlich hinter den eigenen Erwartungen zurück. Vor Heimpublikum bietet sich ihm nun die perfekte Gelegenheit zur Reaktion.
Nicht minder gespannt richtet sich der Blick auf Schwingerkönig Armon Orlik (31). Der Bündner hat in dieser Saison zwar noch keinen Gang verloren und bereits zwei Kranzfeste gewonnen, Kritiker vermissen aber noch immer den Sieg gegen einen absoluten Spitzenschwinger. Kann er im Wankdorf diese Diskussion beenden?
Innerschweizer schicken keine Gäste
Und dann ist da auch noch Michael Moser (20). Das Supertalent hat Staudenmann im Bernbiet als Nummer 1 abgelöst. Am Schwarzsee kassierte der Landwirt jedoch seine erste Niederlage der Saison. Wie reagiert Moser auf diesen Dämpfer? Auch diese Frage dürfte am Sonntag beantwortet werden.
Das Teilnehmerfeld hätte sogar noch hochkarätiger ausfallen können. Parallel findet das Innerschweizer Schwing- und Älplerfest statt – eine Terminüberschneidung, die im Vorfeld für viel Ärger sorgte. Die Innerschweizer verzichten deshalb auf Gastschwinger im Wankdorf.
Eine Sorge bleibt
Geholfen hat den Organisatoren nebst dem starken Teilnehmerfeld auch die Zusammenarbeit mit YB. Die Tickets wurden über die Plattform des Fussballklubs verkauft. Obwohl bereits rund 26'000 Karten weg sind, gibt es noch einige freie Plätze. Für spontane Besucher hat am Wettkampftag eine Tageskasse geöffnet.
Ebenfalls entscheidend sei gewesen, dass YB in seinem Newsletter auf das Schwingfest hingewiesen hat. «Dadurch erreichten wir Personen, die nicht regelmässig ein Schwingfest besuchen. Das hat sicher geholfen.»
Trotz der grossen Vorfreude bleibt eine Sorge. «Wir haben von allem mehr als genug – bis auf Parkplätze», sagt Zbinden. Deshalb empfehlen die Organisatoren dringend die Anreise mit dem öffentlichen Verkehr.