Darum gehts
Adrian Odermatt (25) packte schon als Kind gerne an. «Ich machte einmal ein riesiges Loch in den Garten. Meine Mutter wurde deshalb brutal wütend», erinnert sich der Eidgenosse. Heute macht er seine Eltern mit einem speziellen Projekt glücklich.
Gemeinsam mit Bruder Jonas (22) reisst der Baselbieter den alten Stall auf dem Familienbetrieb oberhalb von Liesberg ab. Wo früher der Heustock stand, entstehen neue Abkalbeboxen und ein modernes Heulager. «Das wird meinem Vater die Arbeit deutlich erleichtern», ist er überzeugt.
Die Meinung hat sich geändert
Für Odermatt ist das Projekt eine Herzensangelegenheit. Auf dem abgelegenen Hof ist er aufgewachsen. Hier verbrachte er seine Kindheit zwischen Kühen, Hühnern und Stallarbeit. «Früher hatte ich manchmal das Gefühl, ich sei der Ärmste. Der Schulweg war weit, und nach den Hausaufgaben musste man auf dem Hof noch helfen.»
Heute blickt der 34-fache Kranzgewinner anders auf diese Zeit zurück. «Wir hatten unglaublich viel Platz zum Spielen, gingen oft in den Wald und konnten ständig etwas unternehmen. Es war richtig toll.»
Die Verbundenheit zum Hof ist geblieben, obwohl er mittlerweile ausgezogen ist. Mit dem Stallprojekt kann Odermatt seinen Eltern etwas zurückgeben. «Sie haben unglaublich viel für mich gemacht. Dafür bin ich ihnen sehr dankbar.»
Das Problem mit der Regeneration
Die Idee für den Umbau stand schon länger im Raum. Bis die Familie tatsächlich loslegen konnte, verging allerdings einige Zeit. Nun wird gebaut. Und zwar fast in jeder freien Minute.
Tagsüber arbeitet Odermatt als Monteur. Nach Feierabend macht er auf dem Hof weiter. Dazu kommen die Schwingtrainings. «Es ist eine sehr intensive Zeit. Die Regeneration kommt teilweise etwas zu kurz.» Lange Tage ist sich Odermatt allerdings gewohnt.
Als Teenager gefiel ihm der Schwingsport derart gut, dass er einiges auf sich nahm. Dreimal pro Woche ging er ins Training nach Binningen BL. Weil ihn seine Mutter nur am Mittwoch mit dem Auto hinfahren konnte, musste er an den beiden anderen Tagen den ÖV nehmen.
Eine riesige Dankbarkeit
Nach der Schule fuhr Odermatt mit dem Töffli nach Laufen, stieg dort in den Zug nach Basel und anschliessend ins Tram um. «Hin und zurück war ich jeweils gut drei Stunden unterwegs. Das war jenseits», erinnert er sich. Oft kam er erst gegen 22.30 Uhr wieder nach Hause.
Die Autofahrt am Mittwoch hat er deshalb ganz besonders geschätzt. «Wenn ich heute daran denke, was meine Eltern alles für mich gemacht haben, ist das überhaupt nicht selbstverständlich.» Auch deshalb ist es für ihn keine Frage, nach Feierabend noch auf dem Hof weiterzuarbeiten.
Giganten-Treffen am Sonntag
Und möglicherweise profitiert eines Tages sogar Odermatt selbst von seiner jetzigen Arbeit. Ob er den Hof später einmal übernimmt? Der Eidgenosse lacht. «Ich bin ja noch nicht 50 Jahre alt.» Ganz ausschliessen will er es jedenfalls nicht. Sein Bruder Jonas beginnt im Sommer die Bauernlehre.
Zuerst gilt es allerdings, den Stall fertig zu bauen. Wann das sein wird, weiss momentan niemand so genau. «Das ist eine sehr gute Frage», sagt Odermatt. «Komm im September nochmals vorbei. Vielleicht ist er dann fertig.»
Bis dahin warten noch einige lange Tage auf ihn. Und am Samstag auch noch ein sportlicher Härtetest. Auf dem Weissenstein misst sich Odermatt mit Grössen wie Armon Orlik und Damian Ott. «Ich freue mich sehr darauf», sagt er. Die fehlende Regeneration wegen des Stallprojekts scheint ihn dabei nicht zu beunruhigen.