Darum gehts
- In San Diego fand das 76. Schwingfest des San Diego County Swiss Club statt
- Sieger Joshua Haug erhielt statt Siegermuni einen Holzstuhl aus Schweiz
- Bis zu 300 Besucher genossen BBQ, Bratwürste und Schweizer Traditionen
Edelweisshemden, Zwilchhosen, Sägemehl und ein kleiner Gabentempel: Eigentlich erfüllt das Schwingfest des San Diego County Swiss Club die wichtigsten Anforderungen. Doch spätestens beim Kampfrichter, der barfuss auf dem Kampfplatz steht, wird klar, dass es sich hier um ein etwas anderes Schwingfest handelt.
Ausgetragen auf einem kleinen Grundstück südlich von San Diego. Zum 76. Mal veranstaltet von einem Verein, den Schweizer Auswanderer 1939 gründeten. Vor dem Anschwingen wird hier nicht nur dem Schweizerpsalm, sondern auch der US-Hymne gelauscht.
1950 hatte Robert Egger die kuriose Idee, in Kalifornien ein Schwingfest durchzuführen. Heute ist seine Enkelin Cindy Mühlemann Teil des Organisationskomitees. «Mein Grossvater, mein Vater und mein Bruder waren alles Schwinger», erzählt sie. Mühlemann selbst ging 1983 den umgekehrten Weg wie einst ihr Grossvater, um einen Job in der Schweiz anzunehmen. Dort lebt sie noch heute. Verheiratet mit einem Schwinger. Für die Organisation des Fests kehrt sie aber jedes Jahr nach San Diego zurück.
Trinkfeste Schwinger
An diesem Wochenende sind es bis zu 300 Besucher, die sich im kleinen Park hinter dem Klubhaus versammeln. Wer sich verpflegen will, kann sich zwischen BBQ, Landjägern, Bratwürsten und Cervelats entscheiden. «Die kommen aus Los Angeles. Es sind die Besten, die wir hier in der Region finden konnten», sagt der Grillmeister über sein Angebot.
Tony Odermatt, dessen Grossvater nach dem Ersten Weltkrieg aus Obwalden in die USA übersiedelte, dürfte einer der grössten Schwing-Fans in ganz Kalifornien sein. Wenn er es nicht wie 2019 in Zug selbst ans Eidgenössische Schwing- und Älplerfest schafft, verfolgt er das Schwing-Highlight zu Hause vor dem Computer. Selbst wenn er dafür mitten in der Nacht aufstehen muss.
Sein Lieblingsschwinger: der zurückgetretene Joel Wicki, der sich 2022 in Pratteln BL den Königstitel sicherte. Diese Saison drückt er nun Steven Moser die Daumen. Aber auch für Damian Ott, Marcel Räbsamen und Werner Schlegel hat Odermatt grosse Sympathien. Schliesslich hatten die drei Eidgenossen im vergangenen Jahr an einem Schwingfest in Newark, in der Nähe von San Francisco, teilgenommen. «Sie konnten gut Bier trinken», erinnert sich Odermatt.
Für den Sieger gibts keinen Muni
Auch Nathan Macleod (28) kennt die drei Nordostschweizer. Um sich auf seine erstmalige Teilnahme an einem Kranzfest in der Schweiz vorzubereiten, trainierte er gemeinsam mit Ott, Räbsamen und Schlegel. Mit Erfolg. Bei seiner Premiere am Zuger konnte er einen Gang für sich entscheiden. «Das war eine tolle Gelegenheit, um die USA in der Schweiz zu repräsentieren», erzählt er.
Für das Fest in San Diego musste Macleod nicht ganz so weit anreisen. Immerhin drei Flugstunden dauerte die Reise aus Tacoma/Washington aber dennoch. Vielleicht auch deshalb verpasst der grosse Favorit am Ende den Festsieg und muss sich als Zweitplatzierter mit einem Kranz zufriedengeben. Diesen sichert sich als Vierter von insgesamt zwölf Schwingern auch Steven Widmer, der bereits zweimal an einem Eidgenössischen teilgenommen hat.
Der Festsieg geht an den Einheimischen Joshua Haug. Einen Siegermuni bekommt er zwar nicht, dafür aber einen Holzstuhl mit Schnitzereien. Selbstverständlich «Swiss Made».