Darum gehts
Hans Kopp setzt an und schlägt zu. Mit dem Hammer bringt er das Kupferblech in die gewünschte Form. Die Handgriffe sitzen noch immer. Neben seiner Wohnung in Wolfenschiessen NW hat er sich einen kleinen Raum eingerichtet, in dem er seiner grossen Leidenschaft nachgeht. «Die Liebe zur Spenglerei werde ich nicht mehr los», sagt er.
Kopp ist in diesem Sommer 77 Jahre alt geworden. Bekannt wurde er aber nicht durch sein handwerkliches Geschick, sondern durch seine Erfolge im Sägemehl. 1978 gewann der gebürtige Oberaargauer den Kilchberger Schwinget.
1. Fabian Staudenmann
«Für mich ist er der kompletteste Schwinger. Zudem ist er konditionell der Stärkste. Bei den anderen Topfavoriten habe ich teilweise das Gefühl, dass sie nicht bis zum Schluss Vollgas geben können.»
2. Matthias Aeschbacher
«Er wird meiner Meinung nach unterschätzt. Matthias hat in der Vergangenheit bewiesen, dass er auf den Punkt parat ist. Ich glaube, dass er Samuel Giger im Anschwingen bezwingen wird. Sein innerer Haken ist brandgefährlich.»
3. Lukas Bissig
«Es gibt einige Schwinger, die hier stehen könnten. Auch Nick Alpiger oder Lars Zaugg sind stark. Lukas hat stark geschwungen und ist körperlich sehr gut gebaut. Hinter Werner Schlegel steht für mich aus gesundheitlichen Gründen ein zu grosses Fragezeichen.»
1. Fabian Staudenmann
«Für mich ist er der kompletteste Schwinger. Zudem ist er konditionell der Stärkste. Bei den anderen Topfavoriten habe ich teilweise das Gefühl, dass sie nicht bis zum Schluss Vollgas geben können.»
2. Matthias Aeschbacher
«Er wird meiner Meinung nach unterschätzt. Matthias hat in der Vergangenheit bewiesen, dass er auf den Punkt parat ist. Ich glaube, dass er Samuel Giger im Anschwingen bezwingen wird. Sein innerer Haken ist brandgefährlich.»
3. Lukas Bissig
«Es gibt einige Schwinger, die hier stehen könnten. Auch Nick Alpiger oder Lars Zaugg sind stark. Lukas hat stark geschwungen und ist körperlich sehr gut gebaut. Hinter Werner Schlegel steht für mich aus gesundheitlichen Gründen ein zu grosses Fragezeichen.»
Heute ist er der älteste noch lebende Sieger des prestigeträchtigen Anlasses. «Da wird einem klar, dass man nicht mehr der Jüngste ist», sagt Kopp und schmunzelt. Am Samstag kehrt er als Zuschauer an den Ort seines grössten sportlichen Erfolgs zurück.
Der Rücken beendet seine Karriere
Während Kopp seiner Leidenschaft für die Spenglerei bis heute nachgehen kann, wurde ihm das Schwingen schon viel früher genommen. Rückenprobleme zwangen ihn im Alter von 30 Jahren zum Rücktritt.
Am Berner Kantonalen stürzte Kopp über einen Gegner und brach sich zum zweiten Mal einen Rückenwirbel. «Den ersten Bruch hatte ich wegen meiner starken Muskulatur gar nicht bemerkt.» Dieses Mal waren die Folgen gravierend. «Ich konnte mich nicht mehr strecken und keine fünf Minuten normal sitzen. Zeitweise spürte ich mein Bein nicht mehr.»
Besonders schlimm sei das Liegen gewesen. «Am besten ging es noch beim Arbeiten. Deshalb habe ich teilweise die Nacht durchgemacht.» Es dauerte ein halbes Jahr, bis Kopp die Probleme in den Griff bekam.
Eine Operation war für ihn keine Option. Die Erfolgschancen seien damals auf 30 Prozent beziffert worden. «Das wollte ich nicht riskieren.» Damit platzte auch sein Traum vom Eidgenössischen 1980 in St. Gallen. «Ich fühlte mich bis zum Unfall sehr gut. Der Königstitel wäre drin gelegen.»
Eine Zigarette reichte ihm
Dabei begann Kopps Schwingkarriere eher spät. Als Bub stand zunächst das Hornussen im Mittelpunkt. Erst über einen Kollegen kam er näher mit dem Schwingsport in Kontakt. Mit 16 Jahren begann er regelmässig zu trainieren und richtete bald sein ganzes Leben danach aus. «Am Samstag ging ich nicht in den Ausgang.»
Alkohol und Zigaretten sagten ihm nichts. Einmal aber versuchte Kopp das Rauchen doch. Auf dem Rückweg von der Käserei zündete er sich eine Zigarette an. «Kurz darauf musste ich erbrechen. Das war mir eine Lehre», erzählt er lachend.
Seinen Schwingstil vergleicht Kopp mit dem von Supertalent Michael Moser. Wie der Berner setzte auch er weniger auf Kraft, dafür auf schnelle Drehbewegungen. «Michael beherrscht diese wie kaum ein anderer.»
Zweimal durch den Gabentempel
In bester Erinnerung ist Kopp sein erster Schwarzsee-Schwinget geblieben. Sportlich spielte er damals nur eine Nebenrolle. Trotzdem nahm er letztlich zwei Preise mit nach Hause. «Ich lief zweimal durch den Gabentempel. Das OK hat es nicht gemerkt.»
Weniger lustig ist die Geschichte vom Eidgenössischen 1974 in Ibach SZ. Im vierten Gang bodigte Kopp sensationell den zweifachen Schwingerkönig Karl Meli. «Die Note wurde geschrieben, alles war erledigt.» Seine Berner Kollegen schickten ihn unter die Dusche.
Dort erreichte Kopp plötzlich die Nachricht, dass er zurück auf den Schwingplatz müsse. Meli war mit dem Resultat nicht einverstanden. Nachträglich wurde entschieden, dass der Gang noch gar nicht beendet gewesen sei. Kopp habe sich ohne gültigen Griff einen Vorteil verschafft. «Ich sagte, dass ich nicht mehr komme.»
Spezielle Beziehung zu Meli
Der damalige Obmann des Eidgenössischen Schwingerverbands redete auf ihn ein. «Es wurde mir gedroht: Wenn ich nicht nochmals antrete, darf ich am Sonntag nicht mehr schwingen.» Also zog Kopp die Zwilchhosen wieder an und kehrte ins Sägemehl zurück. Der Kampf endete letztlich gestellt. «Das war der brutalste Moment meiner Karriere.»
Wer weiss, was mit einem Sieg gegen Meli an diesem ESAF noch möglich gewesen wäre. Mit dem Zürcher erlebte Kopp noch andere kuriose Duelle. An einem Kilchberger landeten die beiden einmal ausserhalb des Sägemehls unter dem Kampfrichtertisch.
Dort legte Meli seinen Gegner auf den Rücken – das Resultat zählte. «Es waren halt noch andere Zeiten. Da durfte man noch neben dem Platz schwingen», erzählt Kopp. Auch bei seinem grössten Sieg 1978 stand ihm Meli gegenüber. Im ersten Gang des Kilchbergers «kam er wie ein Tier auf mich los», erinnert sich Kopp. Die beiden stellten. Danach war Kopp nicht mehr zu stoppen.
Ein paar Gratisgetränke – mehr nicht
Im fünften und im Schlussgang bodigte er den Berner Peter Lengacher. «Zweimal so kurz hintereinander gegen ihn zu kämpfen, war sehr speziell.» Kopp war Kilchberger-Sieger. Damit schaffte er, was seinem Vater Hans 26 Jahre zuvor nicht gelungen war. Dieser stand 1952 ebenfalls im Schlussgang, verlor aber gegen Walter Flach.
Einen riesigen Hype löste Kopps Triumph nicht aus. Zurück in Wolfenschiessen gab es einen Einzug durchs Dorf und eine kleine Feier im Restaurant Kreuz, wo ein Teil der Bevölkerung wartete. «Der eine bezahlte mir einen Most, der andere einen Kaffee. Aber ich war nicht plötzlich ein Superstar.»
Viel Arbeit – nur wenig Platz
Neben dem Schwingen bestimmte die Spenglerei Kopps Leben. Mitte der 70er-Jahre führte ihn die Arbeit vom Bernbiet in die Innerschweiz. Später wollte er einen Betrieb in Engelberg übernehmen. Alles schien aufgegleist, doch drei Tage vor der geplanten Unterschrift platzte der Deal. Kopp verlor seine Stelle und beschloss, sich selbständig zu machen.
Auch das misslang zunächst. Nach einem Schwingtraining erzählte Kopp im Restaurant Kreuz in Wolfenschiessen von seinen Problemen. Der Wirt hörte zu und bot ihm einen kleinen Raum beim Restaurant an. «Dank ihm konnte ich so richtig loslegen.» Gemeinsam mit seiner Frau kaufte er die erste Maschine.
Platz zum Arbeiten gab es praktisch keinen. «Wenn ich ein Blech drehen wollte, musste ich damit nach draussen, es wenden und wieder hineintragen.» Aus diesen bescheidenen Anfängen baute Kopp seine eigene Spenglerei auf.
Nach wie vor ein spezielles Fest
Fast fünf Jahrzehnte später steht Kopp wieder vor einem Stück Blech. «Mit den Händen zu arbeiten, macht mir Freude. Zudem ist es schön, durch die Gegend zu fahren und sagen zu können, dass man an diesem und jenem Haus mitgearbeitet hat.»
Auch vom Schwingen ist er nie ganz losgekommen. Noch heute besucht er jedes Jahr mehrere Feste. Auf den Kilchberger hat er lange hingefiebert. «Dieses Fest wird für mich immer etwas Spezielles bleiben.»