Während andernorts die Schwinger im Juni in ihren dünnen Hemden Richtung Sägemehlring marschieren, trägt Armon Orlik dicke Handschuhe. Der Schwingerkönig kämpft am Bündner-Glarner Schwingfest wie alle anderen mit den aussergewöhnlichen Bedingungen. Die vier Sägemehlringe liegen oberhalb von Scuol auf 2150 Metern. Einzelne Schneefelder sind in der Berglandschaft noch sichtbar.
Von der morgendlichen Kälte lässt sich Orlik allerdings nicht beeindrucken. Gleich im ersten Gang bodigt er das Schwergewicht Domenic Schneider. Danach reiht der Topfavorit drei weitere Siege aneinander. Erst im fünften Gang wird Orlik von Defensivspezialist Andy Signer ausgebremst.
Für die Schlussgang-Teilnahme reicht es trotzdem. Dort bezwingt Orlik auf souveräne Art und Weise Mario Schneider. «Es war eine unglaublich tolle Atmosphäre», schwärmt der Festsieger.
Bange Momente auf der Tribüne
Sein Triumph wird jedoch von einem medizinischen Zwischenfall überschattet. Niclaas Rungger (17) muss minutenlang betreut werden. Es wird ein Sichtschutz um den Schwinger aufgebaut. Auf den Tribünen beginnt ein banges Warten. Wo vorher noch launige Gespräche und Musik zu hören war, wird es plötzlich still.
Niemand weiss, was das Problem ist. Alle sind sich aber einig, dass es wohl etwas Schlimmeres sein muss. Letztlich wird Rungger auf der Trage aus der Arena getragen. Wie Blick erfahren hat, hat sich Rungger die Schulter ausgekugelt. Die Schmerzen waren so gross, dass er in eine Narkose versetzt und dann ins Tal transportiert wurde. Bleibt zu hoffen, dass der Bündner bald wieder im Sägemehl steht.