Darum gehts
- Die Laimbacher-Brüder kehren zur Musik zurück und gründen Churz-Lätz
- Ihr Vater brachte ihnen das Musizieren bei, Schwingen stand jedoch lange im Fokus
- Zusammen gewannen sie neunmal auf dem Stoos – ein Schlussgang war besonders
Die letzten Töne sind bereits verklungen, da meldet sich Philipp Laimbacher (43) zu Wort: «Wir machen es noch einmal.» Mit dem ersten Durchgang ist der fünffache Stoos-Sieger nicht ganz zufrieden. Also beginnen die beiden im Büro von Adi Laimbachers (45) Taxizentrale in Schwyz von vorne.
Philipp Laimbacher haut in die Tasten seines E-Pianos, während sein Bruder konzentriert die Knöpfe seiner Handorgel bearbeitet. Das kleine Privatkonzert zeigt eine Seite der Schwing-Legenden, die viele nicht kennen.
Eine wichtige Botschaft der Eltern
Heute verbindet die beiden die Musik wieder genauso wie einst der Nationalsport. Rund 20 Mal pro Jahr stehen sie mit ihrer Formation Churz-Lätz auf der Bühne. Geplant war das nicht. «Ich hatte mit der Musik eigentlich abgeschlossen», erzählt Philipp Laimbacher.
Dabei war sie früher fester Bestandteil des Familienlebens. Vater Oswald spielte Handorgel und brachte seinen Söhnen das Musizieren bei. Fast täglich wurde geübt. «Seit wir auf der Welt sind, haben wir Musik in den Ohren», sagt Adi. Nach der Schule wurden zuerst die Hausaufgaben erledigt, danach das Instrument hervorgeholt, und später ging es ins Training.
«Ohne Fleiss kein Preis», lautete die Devise der Eltern. Und sie zeigte Wirkung. Sowohl im Sägemehl als auch in der Musik machten die Brüder rasch Fortschritte. Irgendwann merkten sie jedoch, dass die Tage für beide zeitintensiven Hobbys zu kurz waren.
Spekulationen über Schlussgang-Absprache
Für den Nationalsport entschieden sie sich auch aufgrund einer Aussage ihrer Eltern. «Musik machen kannst du immer, schwingen aber nicht», gaben sie ihren Söhnen mit auf den Weg. Die volle Aufmerksamkeit galt fortan den Sägemehl-Kämpfen.
Das sollte sich auszahlen. Bis zu ihrem Rücktritt prägten die Brüder über Jahre hinweg den Schwingsport. Allein auf dem Stoos feierten sie neun Siege. Besonders speziell war ihr Doppel-Triumph im Jahr 2007, als sie sich im Schlussgang gegenüberstanden.
Dank des Gestellten jubelten beide über den Festsieg. Im Nachgang wurde deshalb über eine mögliche Absprache spekuliert. Darauf angesprochen, müssen die Brüder schmunzeln. «Wir haben uns das Leben sicher nicht unnötig schwer gemacht», meint Philipp Laimbacher.
Sieg über König Forrer als Initialzündung
Die Erfolgsgeschichte auf ihrem Hausberg hatte schon Jahre zuvor begonnen. Adi Laimbacher sorgte 2000 für einen Paukenschlag, als er überraschend triumphierte. «Ich fiel aus allen Wolken», erinnert er sich. Der Sieg seines Bruders hatte auch auf Philipp Laimbacher eine grosse Wirkung.
«Ich hatte damals noch einige Flausen im Kopf. Der Ausgang und die Kollegen waren mir wichtig.» Erst die Erfolge von Adi hätten ihm die Augen geöffnet. «Für Ivo und mich war vieles einfacher, weil er vorausging. Er gab uns beispielsweise einen Tritt in den Hintern und sagte, wir sollen ins Training kommen.»
Zwei Jahre später schrieb Philipp Laimbacher dann seine eigenes Stoos-Märchen. Im zweiten Gang bezwang er Schwingerkönig Nöldi Forrer. «Das war meine Initialzündung», sagt er. Plötzlich sei ihm klar geworden, dass auch er das Zeug dazu hat, ein richtig guter Schwinger zu werden.
Musik machen bis nach Mitternacht
Als einen der emotionalsten Momente beschreibt Philipp Laimbacher seinen Triumph 2013. Anderthalb Jahre zuvor hatte er sich einer grösseren Knieoperation unterziehen müssen. «Ich wusste nicht, ob ich überhaupt noch einmal schwingen kann.» Umso grösser war die Genugtuung, als er auf dem Stoos alle sechs Gänge gewann. «Ich hatte so hart für dieses Comeback gearbeitet. Dieser Sieg bedeutete mir extrem viel.»
Zwei Jahre später feierte er den letzten seiner fünf Stoos-Triumphe. Adi Laimbacher trat in der gleichen Saison auf der Rigi vom Schwingsport zurück. Bis ihn die Musik aber wieder packte, dauerte es einige Zeit. Erst vor vier, fünf Jahren kam die Lust zurück.
Während andere vor dem Fernseher sassen, verbrachte er ganze Abende mit der Handorgel. «Manchmal spielte ich von neun Uhr bis zwei Uhr morgens», erzählt Adi Laimbacher. «Das ist wie beim Gamen. Du bist so angefressen, dass du nicht mehr aufhören kannst», so der fünffache Eidgenosse.
Vom Keller auf die Bühne
Die entscheidende Extraportion Motivation erhielt er von der Volksmusikgrösse Fredy Reichmuth. «Als Fredy sagte, dass er mit mir spielen würde, war das eine riesige Ehre.» Weil Adi Laimbacher ihn nicht enttäuschen wollte, trainierte er noch einmal härter.
Philipp Laimbacher brauchte für seine Rückkehr zur Musik etwas länger. Schliesslich hatte er damit ja eigentlich abgeschlossen. Doch sein Bruder liess nicht locker. «Irgendwann holte ich das E-Piano wieder aus dem Keller», erzählt er.
Danach habe ihn die Freude am Musizieren schnell wieder gepackt. Daraus entstand letztlich die Formation Churz-Lätz. Der Name passt zu ihrer Vergangenheit, schliesslich handelt es sich dabei um zwei bekannte Schwünge.
Nervöser als am ESAF
Am Bass sitzt mit Martin Deck ebenfalls ein ehemaliger Schwinger und zehnfacher Kranzgewinner. Eine zweite Karriere hatten die Brüder zwar nie geplant. Bereuen tun sie diese jedoch keineswegs. Mittlerweile werde auch die Anspannung erträglicher. «Vor unserem ersten Auftritt war ich nervöser als beim ESAF», sagt Philipp Laimbacher lachend.
Heute geniessen die Brüder die gemeinsame Zeit auf der Bühne sowie ihre Kameradschaft. «Und wenn es gut läuft und der Spass bleibt, kannst du das auch noch mit 65 Jahren machen.» Anders als schwingen. Wie ihnen einst ihre Eltern erklärt haben.