Der grosse Schwing-Check
Missachtete Chefansage, Schwinger-Misstöne und ein Geheimnis

Was hat am Wochenende im und ums Sägemehl zu reden gegeben? Hier kommt der Schwing-Check.
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Darum gehts

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Geheimnisvolle Kommunikation

Im Winter kündigte der Schwingerverband eine Testphase für neue Ideen rund um das Kampfrichterwesen an. Der Tablet-Helfer am Tisch hat sich bewährt. Durch die zusätzliche Person können sich die beiden anderen Kampfrichter voll und ganz auf das Geschehen im Sägemehl konzentrieren. Von einem weiteren angekündigten Test ist hingegen noch immer nichts zu sehen oder zu hören. Die Rede ist vom zweiten Kampfrichter im Sägemehl. «Situationen, die von einem Kampfrichter möglicherweise übersehen werden, können so vom zweiten wahrgenommen und korrekt beurteilt werden», hiess es seitens des Verbands.

Doch seither schweigen die Verantwortlichen zu diesem Thema. Wann und wo die Tests durchgeführt werden, ist ein gut gehütetes Geheimnis. Man will möglichst wenig Aufmerksamkeit bei der Premiere. Sicher ist, dass die Tests nicht an einem Kranzfest, sondern an einem Rangschwingfest durchgeführt werden. Nach der Saison werden die Verantwortlichen dann Bilanz ziehen.

Der zusätzliche Tablet-Helfer (r.) am Kampfrichtertisch hat sich bewährt.
Foto: Sven Thomann

Erneuter Zeitplan-Ärger

Ausgerechnet vor den Augen von Schwinger-Boss Fridolin Beglinger wurde seine Forderung missachtet. Erst wenige Tage vor dem Aargauer Kantonalen hatte er im Blick gesagt: «Die Schlussgänge sollen um 17 Uhr stattfinden, am liebsten noch etwas früher.» Zuletzt zogen sich die Schwingfeste jedoch derart in die Länge, dass der Höhepunkt deutlich später begann. Die Worte von Beglinger schienen bei den Organisatoren in Rohr AG jedoch nicht angekommen zu sein. Einmal mehr startete der Schlussgang erst gegen 17.30 Uhr.

Für besonders viel Unverständnis sorgte dabei die Nutzung der Sägemehlringe. Bis zum fünften Gang wurden lediglich vier der fünf Plätze gebraucht. Der mittlere Ring blieb frei, da er ursprünglich exklusiv für den Schlussgang vorgesehen war. Die Verantwortlichen glaubten, auch so zeitlich gut durch den Tag zu kommen – eine Fehleinschätzung. Erst als der Zeitplan bereits arg ins Wanken geraten war, entschied das OK um und liess auch dort Kämpfe austragen. Der Rückstand konnte man dadurch aber nicht mehr aufholen. Ein Grund dafür war, dass der Festakt einmal mehr elend lange dauerte. Dieses Thema dürfte Beglinger noch eine Weile beschäftigen.

Auf dem fünften Sägemehlring am Aargauer Kantonalen lag die längste Zeit eine grosse Schweizer Fahne.

Erfolg für die Tessiner

Gute Nachrichten für den Schwingsport südlich des Gotthards: Der Tessiner Schwingverband hat ein neues Zuhause gefunden. Rund zwei Monate dauert es noch, dann können die rund zehn aktiven Tessiner Schwinger ihre neuen Trainingsräumlichkeiten in der Region Monteceneri beziehen. Für den noch jungen Verband (2012 gegründet) ist der Umzug ein Meilenstein. Bislang trainierten die Tessiner in einer ultrakleinen Garage in Contone. Nur zwei Schwinger konnten gleichzeitig zusammengreifen und im Winter war es bitterkalt im Provisorium.

Künftig steht ihnen nun ein grosszügiger Raum in einem neuen Sportzentrum zur Verfügung, den man im Winter auch beheizen kann. Der Schritt könnte für die Entwicklung des Schwingsports im Tessin entscheidend sein. Die Voraussetzungen sind endlich geschaffen, um professioneller für den ersten Kranz eines Tessiners Schwingers zu trainieren.

In einer solchen Garage musste die Schwinger im Tessin trainieren.

Duell der Klubkollegen

Normalerweise vermeiden Schlussgangteilnehmer kurz vor dem grossen Kampf den Kontakt zum Gegner. Man geht sich aus dem Weg und konzentriert sich auf sich selbst. Nicht so am Urner Kantonalen. Dort bot sich vor dem ersten rein urnerischen Schlussgang seit 1988 ein ungewohntes Bild: Die beiden Attinghauser Klubkollegen Lukas Bissig und Michael Zurfluh marschierten Seite an Seite in die Arena. Bissigs letzte Worte an seinen Gegner? «Viel Erfolg.» Für den späteren Sieger selbstverständlich: «Da sind wir genug Sportsmänner, dass wir uns das gegenseitig gönnen.»

Ganz unbeschwert konnte Bissig seinen Triumph trotzdem nicht geniessen. Im Siegerinterview sagt er: «Ich weiss nicht so recht, ob ich mich über diesen Sieg schon richtig freuen kann oder ob ich noch Mitleid mit Michi haben soll. Es ist schon sehr speziell, sich im Kampf um die Siegeskrone mit einem Klubkameraden und Freund zu messen.»

Eigentlich sind Lukas Bissig (hinten) und Michael Zurfluh Freunde. Doch im Schlussgang des Urner Kantonalen waren sie – aber nur für kurze Zeit – Konkurrenten.
Foto: keystone-sda.ch

Schwinger-Unmut in Rohr

Beim Aargauer Kantonalen gab es einige Entscheidungen, die nach dem Fest für rote Köpfe sorgten – auch unter den Schwingern. Besonders hart traf es Enea Grob. Der Normalkranzer hatte mit Eidgenosse Tim Roth sowie den Teilverbandskranzern Simon Stoll und Samuel Schmid bereits ein happiges Pensum hinter sich. Nach dem Sieg gegen Schmid im fünften Gang hätte er sich im Kampf um seinen vierten Kranz eine machbare Aufgabe verdient gehabt. Stattdessen wurde ihm mit Oliver Hermann ein weiterer Teilverbandskranzer vorgesetzt und einer, der sogar noch um den Festsieg kämpfte. Der Gang endete gestellt. Grob fiel aus den Kränzrängen. 

Für Diskussionen sorgte auch die Einteilung von Nick Alpiger. Der Einheimische erhielt im Kampf um den Schlussgang mit Lars Voggensperger die wohl schwierigste Aufgabe überhaupt. Wie Blick erfahren hat, fiel die Wahl unter anderem auf dieses Duell, weil die beiden in dieser Saison noch nie an einem Kranzfest aufeinandergetroffen waren. Der Gang endete gestellt. Nur dank des umstrittenen Kampfrichterentscheids gegen Sinisha Lüscher rückte Alpiger dennoch in den Schlussgang vor und gewann später das Fest.

Kopfschütteln gab es auch bei der Notengebung im dritten Gang zwischen Adrian Odermatt und Tim Roth. Ohne erkennbaren Grund erhielten die beiden für ihren Gestellten unterschiedliche Noten. Roth bekam eine 9.00, Odermatt lediglich eine 8.75. Am Abend durften sich beide immerhin über den Kranzgewinn freuen – nicht so wie Grob. 

Trotz einer starken Leistung verpasste Enea Grob (unten) am Aargauer Kantonalen den Kranz.
Foto: Philipp Kresnik/freshfocus

Hauptsache kein Fussballer

Am Sonntag in Rohr AG absolvierte der 34-jährige Vieira Tiago sein letztes Schwingfest. Für diesen besonderen Moment reiste die ganze Familie ans Aargauer Kantonale. Auch sein Göttibueb war vor Ort und drückte ihm die Daumen. Zwar hat es Tiago nicht zu seinem 14. Kranzgewinn gereicht, trotzdem zeigte er sich überglücklich. «Es ist schön, die Familie hier zu haben und ihren Rückhalt zu spüren.» Auf seinen Göttibueb angesprochen, meinte Tiago: «Er wird später auch einmal Schwinger.» Dann schob er augenzwinkernd nach: «Hauptsache, kein Fussballer.»

Vieira Tiago verabschiedet sich vom aktiven Schwingsport. Nun bleibt dem Teilverbandskranzer wieder mehr Zeit für seinen Göttibueb.
Foto: Philipp Kresnik/freshfocus

Weiterer Legenden-Sohn überzeugt

Die Karriere von Martin Grabs (47) ältestem Sohn, welcher ebenfalls Martin heisst, wurde bislang immer wieder von Verletzungen ausgebremst. Umso erfreulicher läuft für den 26-Jährigen die diesjährige Kranzfestsaison. Am Urner Kantonalen in Flüelen gewann er am Samstag bereits seinen dritten Kranz des Jahres – und das trotz erneuter Schmerzen.

Schon nach dem ersten Gang machte sich nämlich die Schulter des Landwirts schmerzvoll bemerkbar. Ans Aufgeben dachte Grab Junior aber keine Sekunde. Mit Schmerzmittel biss er sich durch das ganze Fest und legte im zweiten Gang den Eidgenossen Marco Reichmuth (28) auf den Rücken. Die Schulter dürfte ihn in den kommenden Wochen zwar noch beschäftigen, doch die Freude über die Form, welche er nun auch in die Berge mitnehmen möchte, überwiegt.

Starke Leistung! Martin Grab (oben) bodigte den Eidgenossen Marco Reichmuth.
Foto: keystone-sda.ch

Der Seriensieger

Lukas Bissig triumphiert zum dritten Mal in Folge am Urner Kantonalen – ein Hattrick, der von Konstanz zeugt. Und die zeigen vornehmlich die ganz Grossen des Schwingsports. So kann man bezüglich Siegesserie fortan den Namen Bissig in einem Atemzug mit König Armon Orlik, Unspunnensieger Samuel Giger oder Kilchberger-Sieger Fabian Staudenmann nennen. Letzterer hat sowohl das Mittelländische (2023 bis 2025) als auch das Oberländische (2023 bis 2025) dreimal in Folge gewonnen.

Noch einen obendrauf setzt Orlik, der viermal hintereinander das Bündner-Glarner (2016 bis 2019) für sich entschieden hat. Noch dominanter ist Giger auf der Schwägalp, wo er von 2018 bis 2025 sechsmal gewonnen hat – mit dem kleinen Makel, dass die Serie nicht durchgehend ist, weil er 2023 auf eine Teilnahme verzichtete. In Sachen Siegesserie kann wohl aber keiner Hans-Peter Pellet das Wasser reichen. Die Südwestschweizer Schwinglegende hat das Walliser Kantonale über Jahre hinweg dominiert und von 1999 bis 2008 nicht weniger als neunmal gewonnen.

Das Stängeli verpasst Pellet, weil er 2003 nicht am Fest teilgenommen hat. Einer hat indes nie geschafft, was nun Bissig gelungen ist: Joel Wicki. Der König von 2022 hat zwar einige Feste mehrfach gewonnen – etwa den Stoos-Schwinget (2019, 2021 und 2023) –, aber eben nie in drei aufeinanderfolgenden Jahren. Allerdings muss erwähnt werden, dass Schwinger nicht unbedingt über Jahre hinweg immer wieder am gleichen Fest teilnehmen, sondern ihre Agenden variieren.

Die Kilchberg-Champions

Beim Saison-Highlight Kilchberger Schwinget treten Samuel Giger, Damian Ott und Fabian Staudenmann als Titelverteidiger an. An einem Kranzfest nehmen sie dieses Wochenende nicht teil. Giger hatte zwar vor, am Samstag am Herisauer Abendschwinget in die Zwilchhosen zu steigen. Dazu kommt es nicht. Der Unspunnensieger wendet sich auf Social Media an seine Fans, um sie darüber zu informieren, dass er die Teilnahme «aus gesundheitlichen Gründen» absagen muss.

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