Wirbel um Aerodynamik-Trick
Rennjury der Tour de France suchte nach ausgestopften Sport-BHs

Grosse Aufregung rund um das von Marlen Reusser gewonnene Zeitfahren an der Tour de France. Fahrerinnen sollen Polster genutzt haben, um mit künstlich vergrösserter Oberweite den Luftwiderstand zu verringern und wertvolle Sekunden zu sparen.
Kommentieren
1/6
Wirbel vor dem Zeitfahren an der Tour de France: Die UCI verschärfte die Tenuekontrollen.
Foto: AFP

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Marlen Reusser gewinnt Zeitfahren der Tour de France und trägt Gelb
  • UCI prüft Fahrerinnen auf verbotene Brustpolster für aerodynamischen Vorteil
  • Bis zu 3,6 Prozent weniger Luftwiderstand, 0,78 Sekunden schneller pro Kilometer
RMS_Portrait_AUTOR_1046.JPG
Matthias DubachLeiter Reporter-Pool Blick Sport

Marlen Reusser fährt am Dienstag an der Tour de France in grandioser Manier zum Tagessieg und ins Gelbe Trikot. Doch hinter den Kulissen rumorte es schon vor dem Start zum Zeitfahren aus einem ganz anderen Grund: Der Weltverband UCI veranlasste bei den Fahrerinnen eine genauere Tenuekontrolle als üblich.

Vor allem ein gewisser intimer Bereich sollte (von weiblichen Jury-Mitgliedern) genau unter die Lupe genommen werden – die Oberweiten respektive die Sport-BHs unter den hautengen Teamtrikots.

Denn es war das holländische Radsportmagazin «Wielerflits», das am Tag vor dem Zeitfahren enthüllte, dass es im Feld offenbar gang und gäbe sei, dass die Sport-BHs mit Polstern ausgestopft würden. Eine grössere Oberweite sorgt für einen aerodynamischen Vorteil. Das Magazin belegte die Vorwürfe mit Bildern von Fahrerinnen, die zum Beispiel an den Olympischen Spielen 2024 und auch am letztjährigen Giro in den Zeitfahren mit sichtbar mehr Oberweite unterwegs waren.

Der verbotene Vorteil ist wissenschaftlich erwiesen

Was ist das Problem an diesem BH-Trick? Er ist verboten. Denn im UCI-Reglement heisst es, dass «nicht essenzielle Elemente und Kleidung» auf dem Index stehen, welche die «Morphologie einer Fahrerin» verändern können. 

«Wielerflits» lässt Aerodynamik-Professor Bert Blocken zu Wort kommen. Der Holländer hatte vor zwei Jahren umfangreich zum Thema Brustverkleidungen im Radsport und im Triathlon geforscht. Seine Erkenntnis: Mehr Brustvolumen lässt den Fahrtwind weniger stark aufs Becken prallen. Die Luft wird stattdessen nach unten zwischen die Beine abgelenkt, was weniger Bremswirkung hat.

Die Zahlen dazu: Der Luftwiderstand lässt sich um bis zu 3,6 Prozent reduzieren, das macht auf einen Kilometer mindestens 0,78 Sekunden aus. Fast eine Sekunde pro Kilometer – das kann durchaus über Sieg oder Niederlage entscheiden. Am Dienstag trennten Siegerin Reusser und die Drittplatzierte nach 21 Kilometern lediglich 18 Sekunden.

Was Zeitfahr-Königin Karin Bucher-Thürig dazu sagt

Die rudimentäre Variante, sich einfach einen Bidon auf Brusthöhe ins Trikot zu klemmen, sei vor allem früher vorgekommen. Anruf bei Reussers Vorgängerin als Weltklasse-Zeitfahrerin, Karin Bucher-Thürig (54). Die zweifache Zeitfahr-Weltmeisterin und Bronzegewinnerin im Olympia-Zeitfahren sagt zu Blick: «Zu meiner Zeit waren solche Details noch kein Thema. Ich war zwar auch damals schon im Windkanal. Aber da ging es vor allem um die Optimierung der Sitzposition und der Helmform. Das hatte einen grossen Effekt. Doch heute ist schon vieles so optimiert, dass man eben auch nach Details sucht.»

Logisch, dass nun bei den verschärften Kontrollen an der Tour de France alle Fahrerinnen ohne den ominösen BH-Trick auf Zeitjagd gingen.

Externe Inhalte
Möchtest du diesen und weitere externe Beiträge (z.B. Instagram, X und anderen Plattformen) sehen? Wenn du zustimmst, können Cookies gesetzt und Daten an externe Anbieter übermittelt werden. Dies ermöglicht die Anzeige externer Inhalte sowie von personalisierter Werbung. Deine Entscheidung gilt für die gesamte App und ist jederzeit in den Einstellungen widerrufbar.
Was sagst du dazu?
Heiss diskutiert
    Meistgelesen