Tour-Start in Lausanne am Schweizer Nationalfeiertag
Die Radbegeisterung rührt Reusser zu Tränen

Am 1. August feierte die Schweiz sich selber und auch den Radsport, denn am Samstag fiel in Lausanne der Startschuss für die Tour de France Femmes 2026. Es wurde ein Fest!
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Marlen Reusser wird den Fans in Lausanne vorgestellt.
Foto: keystone-sda.ch
Thomas Freiburghaus

Ob aus Nidwalden oder Lausanne – das Publikum strömt in Scharen herbei, um den «Grand Départ» der Tour de France Femmes 2026 mitzuerleben. Rennleiterin Marion Rousse empfand am Vorabend des Starts «grosse Begeisterung» und konnte das Spektakel kaum erwarten. Und die ehemalige Profi-Radrennfahrerin wird nicht enttäuscht: Der Startbereich in Ouchy am Ufer des Genfersees ist gesäumt von Fans, dicht gedrängt.

Auf dem Parkplatz von Bellerive tummeln sich bereits am Vormittag zahlreiche Neugierige um die Teambusse. Sandra und Robi, beide um die 50, waren extra aus dem Basler Umland angereist. Als Fans von Marlen Reusser mustern sie interessiert den Movistar-Lkw, in dessen Inneren das Regenbogen-Rad der Berner Zeitfahr-Weltmeisterin zu sehen ist.

Fahnen aus aller Welt zu sehen

«Das ist ein besonderes Ereignis, das nicht allzu weit von uns entfernt stattfindet. Es ist unglaublich, den Frauenradsport unterstützen zu können – das muss man einfach», erklärt Sandra. Auf der Place de la Navigation sieht es aus wie im Fussballstadion. Radsportfans aus aller Welt sind angereist, um den Start zu diesem bedeutendsten Rad-Rennen mitzuerleben.

Im Durcheinander sieht man holländische Flaggen (das Land ist mit 29 Fahrerinnen an der Tour vertreten), auch die bretonische (das ist unvermeidlich), die irische (zwei Fahrerinnen) und die estnische (eine Fahrerin). Aber eine Flagge dominiert an diesem 1. August. Die Schweizer Fans zeigen stolz ihre rote Fahne mit dem weissen Kreuz und tragen auf den Schultern ein Trikot der Nati oder auf dem Kopf die mittlerweile berühmte Kappe «Switzerland, Great Since 1291».

Eine Schweizer Flagge ist auch an der Tasche von Élodie und Thomas befestigt, einem Paar in den Dreissigern, das mit seinen beiden in Rot gekleideten Söhnen nach Ouchy gekommen war. Diese Familie, die seit fünf Jahren im Kanton Waadt lebt, ist jedoch … französisch. «Aber wir versuchen, wie Schweizer zu leben. Es war uns wichtig, hier die Farben zu tragen», lächeln sie. Sie finden, dass der 1. August diesem Rennstart den verdienten Rahmen verleiht.

Rad-Fans berühren Reusser

Die grosse Hitze kann die Radsportfans nicht abschrecken. Sie drängen sich vor der Bühne, als die 147 Fahrerinnen am Start dieser Tour de France Femmes 2026 vorgestellt werden. Die grossen Aushängeschilder wie Demi Vollering, Anna van der Breggen, Katarzyna Niewiadoma und Magdelaine Vallières werden mit grossem Beifall bedacht. Und noch ein bisschen lauter wird es, als die Einheimischen an der Reihe sind: die Zürcherin Noemi Rüegg und die Bernerin Marlen Reusser. Die beiden einzigen Schweizerinnen im diesjährigen Feld.

Reusser ist den Tränen nahe, als sie die Begeisterung der Zuschauer sieht. «Ich bin sehr gerührt, das zu sehen, ich weine fast.» Die vielen Fans in Lausanne sind ihre Startmotivation. In neun Tagen strebt sie den Gesamtsieg in Nizza an. Auch die fast zehn Jahre jüngere Noemi Rüegg ist von der Stimmung beeindruckt. «Danke, dass ihr gekommen seid, um den Frauenradsport zu unterstützen», sagt sie mit einem Lächeln auf den Lippen. Schon am Vortag war ihre Freude gross: «Aus der Heimat zur Tour zu starten, das passiert uns vielleicht einmal im Leben und ist etwas ganz Besonderes, weil viele Freunde und Familienmitglieder am Strassenrand stehen werden.»

Schweizerinnen mit starkem Auftakt

Irina und Magnus zum Beispiel. Die beiden jungen Erwachsenen outen sich mit ihrer Bekleidung als grosse Noemi-Rüegg-Fans: Sie tragen rote T-Shirts mit dem Konterfei ihres Lieblings und ein riesiges Plakat mit der Aufschrift «Hopp Noemi». Sie sind mit dem Auto aus Nidwalden angereist, um Rüegg zu unterstützen, die sich als Schulkameradin von Irina herausstellt. «Sie ist auch heute noch meine Freundin», verrät Irina, die an die Chancen der Zürcherin auf der ersten Etappe glaubt.

Doch am Ende schaffen es weder Marlen Reusser, die 21 Kilometer vor dem Ziel in einen Sturz verwickelt wird und am Ende Rang 10 belegt, noch Noemi Rüegg als Fünfte. Reusser ist fürs Erste zurückgebunden: «Ich bin froh, dass ich nicht schwerer gestürzt bin. Aber es ist trotzdem nicht der beste Start in die Tour».

Die erste Siegerin an der diesjährigen Tour heisst Lorena Wiebes – die beste Sprinterin der Welt, die am Sonntag im Gelben Trikot die zweite Etappe von Aigle (VD) nach Genf in Angriff nehmen wird.

Was für ein Tag für den Frauenradsport, der im gesamten Kanton Waadt für Begeisterung sorgt, von Moudon über Échallens bis nach Yverdon-les-Bains und sogar bis nach Payerne. Keiner, der live dabei war, wird diesen 1. August so schnell vergessen.

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