Jugendboom, Stress oder Risiko?
Schwere Rad-Stürze nehmen drastisch zu – Schweizer Stars rätseln

Der Profi-Radsport erlebt eine Verletzungswelle: 214 Verletzungen wurden 2026 bereits registriert, noch vor der Tour de France. Schweizer Fahrer wie Stefan Küng und Marlen Reusser sind betroffen. Experten warnen vor einer Zunahme der Risikobereitschaft.
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Ein viel zu häufiges Bild: Velofahrer wurden in einen Unfall verwickelt.
Foto: Getty Images

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Im Profi-Radsport häufen sich 2026 Stürze und Verletzungen, Schweizer Fahrer betroffen
  • Seit 2020 stieg Verletzungszahl von 142 auf 375, 2026 bereits 214 Fälle
  • Schlüsselbeinbrüche häufigste Verletzung, Material und Tempo erhöhen Unfallrisiko

Körper fliegen, Knochen splittern, Schädel dröhnen. Im Profi-Radsport häufen sich die Verletzungen.

In diesem Jahr traf es auch mehrere Schweizer Topfahrer. Stefan Küng (32) brach sich den Oberschenkel, Jan Christen (21) das Schlüsselbein, Marlen Reusser (34) einen Lendenwirbel, Noemi Rüegg (25) die Schulter. Die einen sagen: «Zufall.» Andere winken ab: «Passiert halt.» Die Zahlen erzählen etwas anderes.

2020 registrierte der Radsport 142 Verletzungen. Danach stieg die Zahl jedes Jahr: 191, 249, 296, 327, 375. In diesem Jahr sind es bereits 223 – noch vor der Tour de France im Juli. Die Zahlen betreffen die Männer und stammen von procyclingstats.com, einer der wichtigsten Datenbanken des Radsports.

«Wenn nichts passiert, dann ...»

«Das ist schon krass», sagt Fabian Lienhard (32). Der Fahrer von Tudor Pro Cycling erlebt die Stürze hautnah.

Weiter hinten fährt oft Michael Schär (39) im Teamauto. Der ehemalige Profi ist heute Sportlicher Leiter bei Lidl-Trek, einem der stärksten Teams der World Tour. «Die Statistik zeigt klar in eine Richtung», sagt er. «Wenn nichts passiert, wird sich der Trend fortsetzen.» Aber warum gibt es offenbar immer mehr – oder schwerere – Stürze mit Verletzungsfolgen?

«Stress und Druck nehmen zu», sagt Lienhard. «Und junge Fahrer zeigen weniger Respekt als früher.» Beweisen kann er das nicht. Es ist sein Eindruck. Der Zürcher sieht Folgen des Jugendbooms im Radsport. Teams suchen immer früher nach Talenten und verpflichten sie jung.

«Wenn einer 15 Minuten schnell einen Berg hochfährt, bekommt er fast schon einen Vertrag», sagt Lienhard. Überspitzt formuliert, aber mit einem ernsten Kern. «Viele ganz junge Fahrer haben technische Defizite. Im Profi-Peloton sieht man das sofort. Die Rennen sind länger, schneller, härter. Manche sind damit überfordert.»

Das Tempo steigt, die Gefahr auch

Andere Fahrer beobachten Ähnliches. Fabio Christen (23) sagt, das Tempo steige ständig. Die Daten bestätigen das. «Und alle bremsen erst im letzten Moment. Die Risikobereitschaft ist wohl grösser geworden.»

Stefan Bissegger (26) stören vor allem Verkehrsinseln, Verengungen und Bremsschwellen auf den Strecken. Der Thurgauer wurde im März Achter bei Paris–Roubaix, der Pavé-Hölle Frankreichs. Er sagt: «Gehirnerschütterungen waren früher fast kein Thema. Entweder erkannte man sie nicht oder man ignorierte sie. Heute wissen wir zum Glück mehr.»

«Das Material ist ständig am Limit»

Der Schlüsselbeinbruch bleibt die häufigste Verletzung. Seit 2014 gab es 887 Fälle. Dahinter folgen Rippenbrüche (182) und Gehirnerschütterungen (180). «Die Fahrer werden immer besser trainiert, gleichzeitig bewegt sich das Material ständig am Limit», sagt Tour-de-Suisse-Direktor Olivier Senn. Die Velos sollen immer leichter werden. «Mit neuen Regeln allein löst man das Problem kaum. Tempolimits oder beschränkte Übersetzungen bringen wenig. Vielleicht helfen breitere Reifen mit mehr Rollwiderstand.»

Senn sieht einen Wettlauf. «Die Teams tun alles, um ihre Fahrer schneller zu machen. Gleichzeitig versuchen andere, sie vor genau diesem Tempo zu schützen.» Deshalb müssten alle zusammenarbeiten – Verbände, Veranstalter und vor allem die Teams. «Es geht schliesslich um die Gesundheit ihrer eigenen Fahrer.»

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