Enttäuschungen und Triumphe
Die Karriere von Marlen Reusser ist um ein Drama reicher

Marlen Reusser fällt auf der letzten Etappe der Tour de France mit dem Podestplatz vor Augen weit zurück. Es ist ein weiteres Kapitel einer bewegten Karriere voller Rückschläge und Triumphe.
Kommentieren
1/7
Marlen Reusser fällt auf der letzten Etappe der Tour de France weit zurück – das nächste Drama in einer bewegten Karriere.
Foto: keystone-sda.ch

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Marlen Reusser stürzt auf Schlussetappe der Tour de France in Nizza
  • Trotz Etappensieg und Leadertrikot endet ihre Tour mit grosser Enttäuschung
  • 2024: Post-Covid-Syndrom setzte sie wochenlang ausser Gefecht und verunmöglicht Rennen
Gian–Andri_Baumgartner_Online Redaktor_Blick Ringier_3.jpg
Gian-Andri BaumgartnerRedaktor Sport

Eigentlich zeigt Marlen Reusser (34) eine starke Tour de France: In ihrer Paradedisziplin, dem Zeitfahren, holt sie einen Etappensieg und fährt im Leadertrikot durch Frankreich. Mit einem Podestplatz vor Augen folgt dann aber der jähe Absturz: Auf der Schlussetappe verliert sie nach einem frühen Einbruch und Sturz viel Zeit. Im Gesamtklassement fällt sie von Rang 3 auf Platz 14 zurück. Im Ziel fliessen schliesslich die Tränen.

In einer Woche erlebt Reusser damit ein regelrechtes Wechselbad der Gefühle – wie schon so oft in ihrer an Dramen nicht armen Karriere. Ein Überblick über Stürze, Krankheiten und Triumphe.

Die Krux mit den letzten Wochenenden

Es ist nicht das erste Mal, dass eine gute Grand Tour von Reusser in einer Enttäuschung endet. Beim Giro d’Italia vor einem Jahr greift sie nach der Maglia Rosa, fängt sich vor dem Abschlusswochenende aber eine Durchfallerkrankung ein. Davon geschwächt, verliert sie auf der schweren Bergetappe zum Monte Nerone das Leadertrikot – weg ist der Gesamtsieg. An der Spanien-Rundfahrt 2024 fällt sie am letzten Tag noch aus den Top Ten. Und 2022 muss Reusser die Tour nach einem schweren Sturz vor den letzten beiden Tagen in den Vogesen aufgeben. Nur zwei Tage zuvor hat sie sich noch über ihren ersten Tour-Etappensieg freuen dürfen.

Die schweren Stürze

Auch wenn er aufgrund der guten Ausgangslage bitter ist: Im Vergleich zu anderen Stürzen in ihrer Karriere ist derjenige vom Sonntag in Nizza glimpflich ausgegangen. Allein in dieser Saison ist dies schon zweimal anders gewesen: An der UAE Tour im Februar verletzt sie sich an Schulter und Knie und muss zwei Monate lang pausieren. Kaum zurück, liegt sie schon wieder auf dem Boden: An der Flandern-Rundfahrt Anfang April zieht sie sich einen lumbalen Wirbelbruch zu. Ebenfalls an der Flandern-Rundfahrt bricht sie sich 2024 den Kiefer und erleidet Frakturen an beiden Gehörgängen. Und ihr Debüt an der Tour de France vor vier Jahren endet mit einer Gehirnerschütterung. Das Verletzungspech zieht sich wie ein roter Faden durch Reussers Karriere.

Die totale Erschöpfung – körperlich und mental

Es hätte Reussers grosser Herbst werden können: 2024 standen innert weniger Wochen zuerst die Olympischen Spiele in Paris und die Heim-WM in Zürich an. In beiden hätte die Bernerin im Zeitfahren zu den ganz grossen Favoritinnen gezählt. Doch es kommt anders: Ein Post-Covid-Syndrom setzt sie wochenlang ausser Gefecht, teilweise ist sie gar vom Sitzen erschöpft. Ans Radfahren ist in dieser Zeit nicht zu denken. «Egal, was wir versuchten – nichts half», blickt Reusser auf die schwierige Zeit zurück.

Eher psychisch erschöpft ist Reusser im Jahr zuvor, als sie das WM-Zeitfahren in Glasgow auf Medaillenkurs unvermittelt abbricht. «Ich hatte keinen Bock und habe dann einfach gestoppt», erklärt sie im Nachgang. In den Monaten vor dem Rennen habe sie kaum durchschnaufen können. Die Folge: eine mentale Blockade in einem der wichtigsten Saisonrennen. Ihre Aufgabe löst eine Debatte über psychische Gesundheit im Spitzensport aus.

Reusser kann auch Comeback

Was Reusser nach dem erneuten Rückschlag Mut machen dürfte: Sie hat ihre Comeback-Qualitäten in den letzten Jahren immer wieder eindrücklich unter Beweis gestellt. Auf das verkorkste Jahr 2024 reagiert sie etwa mit ihrer bislang besten Saison, in der sie neben Rang zwei am Giro die Tour de Suisse gewinnt und sich im Herbst den lang ersehnten WM-Titel im Zeitfahren holt. Und auch in diesem Frühling kommt sie nach den schweren Stürzen an der UAE Tour und der Flandern-Rundfahrt eindrücklich zurück, gewinnt das Eintagesrennen Quer durch Flandern und erneut die Tour de Suisse. Folgt noch in diesem Jahr der nächste Comeback-Triumph – etwa bei der WM im September?

Externe Inhalte
Möchtest du diesen und weitere externe Beiträge (z.B. Instagram, X und anderen Plattformen) sehen? Wenn du zustimmst, können Cookies gesetzt und Daten an externe Anbieter übermittelt werden. Dies ermöglicht die Anzeige externer Inhalte sowie von personalisierter Werbung. Deine Entscheidung gilt für die gesamte App und ist jederzeit in den Einstellungen widerrufbar.
Was sagst du dazu?
Heiss diskutiert
    Meistgelesen