Jetzt braucht Marlen Reusser ein kleines Wunder, um doch noch die Tour de France 2026 für sich entscheiden zu können. Nachdem sie am Freitag beim Anstieg hinauf zum Mont Ventoux das gelbe Trikot der Gesamtführenden verloren hat, büsst sie nun auch auf der vorletzten Etappe wertvolle Zeit ein.
«Ich hatte heute ungelogen die schlechtesten Beine meines Lebens. Ich habe schon früh gemerkt, dass sie sehr schmerzen und sehr leer sind», so die Bernerin, die vermutet, dass sie sich von den Strapazen vom Freitag nicht so gut erholt hat. «Das Finale war sehr, sehr schwierig für mich.»
Reusser erreicht als Zwölfte nach 171,9 Kilometern das Ziel in Nizza mit einem Rückstand von 38 Sekunden auf die holländische Etappensiegerin Demi Vollering. Diese lanciert ganz am Ende, als es noch einmal einen kurzen, aber höchst giftigen Anstieg zu bewältigen gilt, ihr Schlussfurioso. Nur die Italienerin Elisa Longo Borghini (Tageszweite) und die Polin Katarzyna «Kasia» Niewiadoma-Phinney (Tagesdritte) können zunächst mitgehen, aber nicht für lange. Vollering zieht ihre Pace durch und löst am Ende sogar Niewiadoma-Phinney als Gesamtleaderin ab.
Reussers Polster gegenüber Rang vier – Rüegg wieder in den Top 10
Spannender könnte der Kampf ganz vorne vor dem neunten Teilstück nicht sein – nur mischt da leider die 34-jährige Reusser nicht mehr so wirklich mit. Neu führt Vollering, die Tour-Gesamtsiegerin von 2023, mit acht Sekunden vor Niewiadoma-Phinney, die bei der Frankreich-Rundfahrt vor zwei Jahren reüssierte. Reusser liegt als Dritte 72 Sekunden hinter Vollering, hat aber gegenüber Longo Borghini ein Polster von 1:53 Minuten. Der erste Tour-Podestplatz einer Schweizerin ist somit greifbar. Reusser: «Wenn nicht alles schiefgeht und ich mich heute ein wenig erholen kann, dann klappt das mit dem Podium.» Am Sonntag steht zum Abschluss ein Rundkurs mit Start und Ziel in Nizza über 99,2 Kilometer auf dem Programm. Dabei gehts gleich viermal hinauf zum Col d'Èze.
Als Tagesachte beendet Noemi Rüegg zum bereits fünften Mal in diesem Jahr eine Tour-Etappe in den Top 10. Die 25-jährige Zürcherin ist Teil der neunköpfigen Gruppe, zu der auch Reusser gehört, die 38 Sekunden nach Vollering in Nizza ankommt.